Autopoiese und was dies mit uns zu tun hat…

Wir wachsen in einem Familiensystem auf. Einem Verbund das sich durch gemeinsame Werte und Normen, Verhalten und Denkmuster, Verstöße und Sanktionen, verschiedenen Tabu Themen, sowie die Übernahme von unausgesprochenem Pflichtbewusstsein, Krankheiten und Tod, auszeichnet. Was also wirklich in diesem System abläuft, kann man erst verstehen, wenn jemand von außen sich die Mühe macht, dieses sich genauer anzusehen. Denn von innen, kann und wird niemand erkennen können, welche Prozesse sich intern abspielen.

Wie unterschiedlich jedes System und jeder Mensch damit umgeht, läuft hauptsächlich im Unterbewusstsein ab und wir wissen wenig bis kaum darüber Bescheid. Autopoiese beschreibt nun einen Prozess der Selbsterschaffung und Selbsterhaltung eines Systems.

Das bedeutet, jeder in der Familie hat eine ganz bestimmte Rolle , die er oder sie meist schon kurz nach der Geburt, durch Eltern oder Geschwister erhalten, an und auch eingenommen hat. Dadurch bleibt eine gewisse Energie im System und bedingt sich sozusagen selbst (erhält sich).Dies läuft für denjenigen der diese Zuschreibung erhält nicht bewusst ab. Der Clown, der Fuchs, das schwarze Schaf, die Schlafmütze, der Träumer, das Pummelchen, das Dummerchen, ein „nichts Nutz“ , die Diva usw. lauten einige dieser wunderschönen Betitelungen.

Das hört sich doch irgendwie schon ein bisschen lustig und auch harmlos an aber für denjenigen, für den diese Beschreibung bestimmt wurde empfindet Ungerechtigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Spott und erleidet immense Qualen, die das ganze Leben beeinflussen können.

Warum ich das alles nun erkläre, weil der Anfang dieses Teufelskreises die „eigene Familie“ ist. Wir, als Eltern lehren unsere Kinder wie sie sich angemessen in unserer Gesellschaft verhalten sollen. Was angebracht ist und was nicht und kaum schließen wir die Haustüre, vergessen wir hin und wieder, dass wir auch da beobachtet werden. Vielleicht nicht von den Eltern, Onkeln, Tanten, Omas und Opas , Freunden oder Bekannte die für uns kaum von Bedeutung sind, wir dennoch ihr Urteil über uns beeinflussen wollen, sondern besonders von unseren Kindern. Von den kleinsten die uns am Meisten brauchen. Warum ich das schreibe, weil wir verlernt haben, uns selbst kritisch zu hinterfragen. Wir wollen ihnen Anstand und Respekt lehren, Wertschätzung, Benehmen, höfliche Floskeln, einen gewaltfreien Umgang usw.. Aber mal ehrlich was tun wir wirklich, wenn unser Kind vor uns am Boden liegt, schreit und kreischt. Was sagen, was denken und vor allem was „tun“ wir bei solch einem Wutanfall oder einer empfundenen Grenzüberschreitung? Öffnen wir uns, zeigen wir uns, wie sehr dies uns verletzt hat oder werden wir hart zu uns und zu unseren Kindern?

Ich erzähle euch, was mir vor ein paar Wochen passiert ist und was mich so unglaublich zum Nachdenken angeregt hat: „Es war irgendwann am Nachmittag und ich war fertig und durch vom Begleiten der vielen Wutanfälle die unser Großer gerade durchstehen muss. Ich war müde, hungrig und einfach nur genervt. Hatte also keine Kapazitäten mehr um nochmals ruhig einen Konflikt lösen zu können. Bin selbst über meine Grenzen gegangen. Also platzte plötzlich alles aus mir heraus, „ hau doch endlich ab und geh in dein Zimmer, ich kann nicht mehr und will dich nicht mehr sehen“ schrie ich ihn an. Ich war wütend, mein Körper bebte und meine Hände ballten sich zu Fäusten. So viel Energie hatte sich in mir aufgestaut…..mein Sohn erschrak von der Heftigkeit meiner Emotionen, fing an zu weinen, stand auf, lief zu mir und brüllte mich mit voller Wucht an „du blöde Mama, dann geh doch du, hau selber ab“ ….und dann machte es in meinem Kopf klick.

Ja, danke mein geliebtes Kind, hier sehe ich was ich dir beibringe. Ich nutze meine Macht als Erwachsener aus um dich mit meiner Stimme und meinem Auftreten einzuschüchtern. Nicht, weil ich dies absichtlich tue, sondern weil ich es so gelernt habe. Weil ich dachte, dass dies der richtige Weg ist um „dir klar zu machen, dass du nicht alles mit mir machen kannst.“ Ja, das war mein Gedanke der die Wut ins Rollen brachte, „ich will dass du mich ernst nimmst, siehst und auf mich hörst“ aber das war nicht die erwachsene Isabell sondern die kleine wütende Isi, die so lange von ihrem Eltern nicht gesehen und ernst genommen wurde und die dies nun von ihrem noch so kleinen Sohn erwartet.“

So, dass habe ich nun verstanden. Konflikte löse ich nicht, indem ich mich verhärte sondern auf Augenhöhe meines Kindes gehe, mit ihm spreche, eine neue Verbindung aufbaue, ihm zuhöre und er mir sagen kann was er empfindet und von mir braucht ( evtl. Eine Umarmung, etwas zu Essen oder zu trinken, Ruhe, einen Kompromiss und manchmal auch nur die Möglichkeit diesen Frust der im Körper steckt an jemandem aus zu lassen der sich dafür anbietet. Der ihn einfach nur in den Armen hält/ aushält und der mir nicht zu viel ist/zumutet.Egal ob es Mama oder Papa ist. Aber derjenige ist da und liebt mich auch wenn ich wütend bin).

Warum ich das nun so ausführlich beschreibe, weil wir alle aus den oft hinkenden Systemen kommen, die immer noch voller Ballast aus der Vergangenheit stecken und wir unbewusst durchs Leben laufen und denken wir könnten mit Erziehung (Konditionierung von Belohnung oder Bestrafung) irgendwas erreichen. Mit den Rollen die uns mal jemand gegeben hat und die wir auch an unsere Kinder weiter geben. Nicht weil wir das wollen, sondern weil es einfach passiert, wenn die Kinder „ zu viel, zu anstrengend und einfach nur nervig“ sind. Wir sind die Helden in ihrem Leben. Uns lieben sie bedingungslos und wollen, wenn es ihnen gut geht helfen und kooperieren. Werden wir sanft mit uns, lernen uns anzunehmen wie wir und wer wir sind, können wir dies auch bei unseren Kindern tun.

Wir sind keine perfekten Eltern und es gibt keine perfekten Kinder aber wir sind Eltern die sich immer mehr selbst bewusst werden können, wenn wir das wollen. Die dann gerne mit ihnen Zeit verbringen, die Welt entdecken, über Felder rennen, Blumensträuße pflücken und durch Pfützen springen…all das ist möglich, wenn ich ich sein darf und wenn ich im Stande bin, dich mein geliebtes Kind, als das zu sehen was du bist. Wild, frei, offen, voller Liebe und Hingabe verschenkst du dich an diese Welt und ich kann dich nur begleiten, stützen, dich auffangen, wenn das Leben dich beutelt und dir helfen immer wieder aufzustehen. Ich wünsche mir, dass du erkennst , dass ALLES möglich ist und das Leben ein wahrhaftiges Geschenk ist.🙏

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