Warum Kinder so schnell wütend werden.

Gefühle wären nicht da, wenn sie für unser Leben/Überleben keine wirkliche Bedeutung hätten, denn das Universum macht keine Fehler. Also wozu sind sie denn nun gut.

Angst versucht uns vor Gefahren, die im Außen auf uns lauern könnten zu beschützen, indem sie uns rechtzeitig Warnsignale sendet. Wut mobilisiert Energien um für uns einzustehen, unsere Bedürfnisse klar zu formulieren und Grenzen setzen zu können oder darauf aufmerksam zu machen, wenn Bedürfnisse hungern oder Grenzen überschritten werden. Trauer zeigt uns, dass wir höchst soziale und nach Bindung ausgelegte Wesen sind. Ekel hilft uns dabei keine „falsche“ Nahrung auf zu nehmen oder Tieren zu nahe zu kommen, die für uns gefährlich werden könnten. Verachtung ist die Höchststrafe die einem Menschen angetan werden kann und die in einigen Völkern der Ureinwohner als Sanktion angewendet wird. Kein Gefängnis oder ein Ausschluss aus der Gruppe ist so schmerzhaft wie ein „dich gibt es für uns einfach nicht mehr“ . Wir leben und können uns nur wahrhaftigen fühlen, wenn wir von anderen Menschen eine Spiegelung unseres Verhaltens erfahren.

Dagegen sollte uns allen Neugier und Glück, hoffentlich, bekannt vorkommen.

Also, kommen wir mal wieder ganz an den Anfang des Lebens zurück. Ab dem Moment ab dem ein Fötus im Bauch heranwächst, werden verschiedene Eindrücke in seinem Nervensystem gespeichert. Es ist mit den Emotionen der Mutter verbunden und erlebt diese als seien es seine eigenen.

Ein heftiger Bruch entsteht ab dem Moment, in dem diese intensive Bindung unterbrochen wird. (Deshalb sollte auch die Nabelschnur nach der Geburt auspulsiert haben, um dem Baby das Ankommen zu erleichtern. Zeit zu verschaffen sich etwas zu orientieren.) Ab jetzt gibt es keine sichtbare Symbiose mehr, weil Mutter und Kind getrennt sind ABER Menschen sind Frühgeburten und brauchen zusätzlich ein Jahr um wirklich „reif“ auf diesem Planeten ankommen zu können. Alles was sie in dieser Zeit erleben, nimmt sein Unterbewusstsein ungefiltert in sich auf. Warum ich das nun ausführlicher erklären möchte ist, weil wir auch mit einem unreifen Gehirn auf diese Welt kommen.

Der Aufbau des Gehirns ist sehr komplex. Was heißt die alten Gehirnareale (die im Reptiliengehirn sitzen, das nur auf drei Verhaltensweisen zurückgreifen kann springt bei übermäßigem Stress an, welche wären Flucht, erstarren oder zu kämpfen) und unsere Instinkte funktionieren perfekt. Das heißt ein Baby spürt Hunger, Müdigkeit, Neugier, Wärme, Kälte, fühlt sich wohl, wenn es bei Mama auf dem Arm ist und unwohl wenn es irgendwo abgelegt wird oder es ihm zu viel ist. Dann fängt es an mit uns in Kontakt zu treten. Erst langsam und vorsichtig. Es besteht einzig und alleine aus Gefühl und fühlt sich immer noch symbiotisch mit der Mutter verbunden. Wenn wir nicht auf diese Anzeichen reagieren, wird es heftiger anfangen nach seinen Bezugspersonen zu fordern und irgendwann schreien. Dann ist es nicht einfach nur Angst sondern Todesangst. Es fühlt sich nicht allein, es ist davon überzeugt, dass es nun sterben wird, wenn niemand auf sein weinen, flehen, bitten und betteln reagiert. Wenn es nun so weiter schreien würde, wäre es irgendwann dehydriert, weil der kleine Körper durch das Strampeln und Weinen zu viel Flüssigkeit verlieren würde. Also beginnt dieser kleine Körper bereits jetzt zu dissoziieren. Das Baby wird ruhig, blickt apathisch ins Leere und schläft irgendwann vor Erschöpfung ein. Das was zurück bleibt ist fühlbare Leere, die ihm gezeigt hat, dass man noch so kämpfen kann aber dennoch verliert. Dieser Schmerz bleibt im Körper gespeichert und das Baby wird unbewusst abspeichern, dass das Leben verdammt gefährlich ist und niemand ihm zu Hilfe kommt.

Co-Regulation bezeichnet einen Prozess in dem sich das Baby aktiv in das Nervensystem seiner Eltern ( wenn diese sich selbst gut fühlen und regulieren können) einklinken kann. Es fühlt die Wärme, den Herzschlag, hört die Stimme, riecht den Geruch und fängt an sich zu beruhigen. Der Herzschlag verlangsamt sich, der Puls beruhigt sich, dadurch wird der Parasympathikus aktiviert und das Stresshormon Cortisol fängt sofort an sich abzubauen. Spannend oder …. was Berührung für eine unglaubliche Wirkung auf unseren Organismus und unser Nervensystem hat.

Das passiert also bei unseren Kleinsten, welche nicht im Stande sind sich selbst beruhigen zu können, denn dafür brauchen sie den präfrontalen Cortex in dem unser Gewissen, unsere Sprache und unser Wertesystem sitzen und wir in diesem Bereich abspeichern wie Gefühle reguliert werden können und das dauert mehrere Jahre.

Kinder pendeln ständig zwischen zwei Polen hin und her. Zwischen Beziehung (Sicherheit) und Autonomie (Unsicherheit), welches sich im Laufe der Entwicklung wandelt aber dennoch immer mehr in Richtung der Autonomie hinbewegt. Also weg von den Eltern hin in ein eigenes Leben. Sie wollen auf den Arm und wieder runter, gehen weg um gleich danach wieder auf Mamas Schoß zu klettern usw. Da schon minimaler Stress ausreicht, um in ihr Reptiliengehirn (Hirnstamm) zu rutschen, brauchen sie uns, die sie Co-Regulieren um ihre Gefühle die im limbischen System sitzen, regulieren zu lernen. Das Kind lernt dadurch Selbstregulation und lernen bedeutet, viele, viele Wiederholungen bis erste Erfolge für uns sichtbar und für die Kinder fühlbar werden.

Deshalb ist diese Phase so anstrengend für uns, weil es seinen „Grund“ hat, weil sie „uns“ so unendlich brauchen und weil sie ansonsten einfach nur ausgeliefert und sich selbst überlassen sind.

„Dass aus Kindern Tyrannen werden, sie uns ausnutzen, wenn wir ihnen zu viel Liebe schenken oder sie uns auf der Nase herumtanzen, wenn wir einmal nachgeben“, hat hiermit nichts zu tun. Alles hat seinen Grund, wir müssen es nur verstehen, akzeptieren und Verhaltensweisen finden, wie wir damit umgehen können. Was uns zusätzlich so extrem schwer fällt, ist die Angst die uns aus unserer eigenen Kindheit (Erziehung) im Nacken sitzt. Es sind unsere Glaubenssätze, unsere Erfahrungen die wir erlebt haben und unser Ego, das uns fühlen lassen will, dass das Neue, was sich gerade in der Beziehung zwischen meinem Kind und mir entwickelt, niemals funktionieren wird, weil es einfach neu ist. Neu bedeutet Energien zu mobilisieren und genügend Motivation aufzubringen; um dieses Verhalten in unser altes Nervensystem einbauen zu wollen. Das ist sehr anstrengend.

Wie das Begleiten von Wutanfällen nun geht und warum es so, so wichtig für unser Kind ist, schreibe ich euch im nächsten Beitrag.

7 Kommentare zu „Warum Kinder so schnell wütend werden.

  1. Das Kleinkind
    kann eine Mutter
    mit dem Schreien
    an die Grenzen
    der Belastbarkeit
    bringen

    dazu braucht
    die Mutter
    von Fachkräften
    die Hilfe
    um diesen Prozess
    durchzustehen

    die Mutter
    muss gesund bleiben
    damit sie
    dem Kind
    die nötige Geborgenheit
    geben kann

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    1. Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Ab dem Moment an dem ich meine Grenzen der Belastbarkeit spüre oder sagen wir sogar schon früher, sollte ich mir Hilfe suchen…die Frage ist nur wo? Es wird zwar überall geworben aber wirkliche Anlaufstelle gibt es wenige und solche die Mütter, die sich in dieser Überforderung und Hilflosigkeit befinden,kaum unterstützen können.

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