„Das Leben ist ein reiner Kindergarten…“

Kennt ihr diesen Spruch? Warum ist das so und wieso fühlt es sich so wahrhaftig an?

Also gehen wir mal zurück in meine Kindheit und ich beschreibe euch, welchen Weg ich gehen „musste“ um endlich so fühlen zu können, wie ich es im letzten Beitrag geschrieben habe.

Ich wuchs mit dem Bewusstsein auf, eine tolle Familie zu haben. Sollte dankbar sein, über das was ist und ich Eltern habe, die noch zusammen sind. Uns geht es doch allen soooo gut, lautete das Credo. Die Familie war groß und eigentlich war irgendwie immer jemand um uns herum. Doch ich konnte dieses Gefühl nicht fühlen, stattdessen fühlte ich eine tiefe Einsamkeit, Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Schuld. Schuld darüber, dass ich mich so fühle wie ich mich fühle und wieso ich dies nicht beeinflussen oder verändern kann. Wenn ich nun darüber sprechen wollte, was mit mir los ist und wie ich mich fühle wurde gesagt, dass dies nicht stimme, ich übertreibe, zu sensibel bin….mir wurde also meine Wahrnehmung nicht nur abgesprochen sondern mir wurde auch noch eingeredet, dass meine Gefühle falsch seien, dass es meine Schuld wäre und ich mich nur verändern müsse, damit sich alles andere verändert und ich endlich glücklich werden kann. Ich wurde nicht geliebt für das was ich bin, sondern für das wie mich meine Eltern haben wollten, wie SIE mich SAHEN, wie ich zu fühlen, zu denken und zu sein habe, damit sie mit mir zufrieden waren. Also tauschte ich mein Herz gegen einen Stein, der nun in meiner Brust lebte. Ich wurde hart, unnahbar und kalt zu anderen Menschen, Tieren und zu mir selbst. Mein Schutzmechanismus hatte eingesetzt und seine volle Wirkung entfaltet und das funktionierte eine Zeit lang irgendwie ganz gut, bis der Druck immer stärker wurde. Ich hatte keine Freunde, Probleme in der Schule, wurde gemobbt und zuhause konnte ich nicht darüber sprechen, weil mich niemand verstand und aufgrund der schlechten Noten wuchs auch dort der Druck und mein Nervensystem brach zusammen. Ich landete letzten Endes in der Bulimie. Ich hasste mich, meinen Körper und mein Leben. Gab mir die Schuld für diesen Zustand und das viele Jahre lang. Kaum hatte ich die Bulimie besiegt, folgte eine PTBS und während des Studiums noch heftige Depressionen und eine soziale Phobie. Der Schmerz in mir war so unglaublich groß….dass ich für alles offen war, was mir Linderung verschaffen könnte. Es folgte eine Therapie nach der anderen.

In den Therapien erfuhr ich, dass ich in einer toxischen Umgebung aufwuchs, mit einer psychisch kranken Mutter und einer Umgebung die mehr verleugnet und unter den Teppich kehrte als ich es mir je hätte vorstellen können. Meine Wahrnehmung war schon immer richtig, ich war schon immer richtig aber einfach zu „viel“ für dieses System. Ich fühlte zu viel, stellte zu viele Fragen. War innerlich zu stark um mich selbst aufzugeben und verlor letzten Endes doch um mich jetzt als erwachsene Frau endlich wieder finden zu können.

Ich erzähle euch das alles, weil es so unglaublich wichtig ist, wie unsere Psyche funktioniert. Warum wir so fühlen, wie wir es tun und dass wir diesem Gefühl glauben sollten. Wir wachsen in diesem Familiensystem auf, was so viele Themen nicht sehen konnte, wollte und letzten Endes, verschwieg. Aber wir spüren wenn etwas nicht passt, wenn das was sie sagen, nicht mit dem was sie tun übereinstimmt. Wir zweifeln an uns, an unserer Wahrnehmung….also passiert folgendes. Als Kind verdrängen wir unsere Gefühle, um überleben zu können, weil wir von unseren Bezugspersonen abhängig sind und wir ohne sie und ihre Liebe nicht überleben könnten. Das heißt wir sperren diese Gefühle weg. Weit weg. In eine Schatzkiste die wir nie mehr aufmachen wollen. Wir verdrängen und dissoziieren, dadurch fühlen wir weniger Leichtigkeit und Glück aber auch weniger Schmerz und diese Gefühle der Ohnmacht.

Das geht eine lange Zeit gut, also wir funktionieren und arrangieren uns mit dem Zustand der gerade ist aber irgendwie fühlt es sich dennoch komisch an. Zäh, wie wenn wir durch ein Moor waten würden.

Manche bekommen Symptome; sie können nicht mehr schlafen, entwickeln Phobien, der Körper schmerzt/erkrankt, plötzliche Lebensmittelallergien treten auf und vieles mehr. Denn Körper und Geist sind unzertrennlich miteinander verbunden. Er führt einfach nur das aus, was unser Kopf ihm sagt was richtig sei, auch wenn dieser Doppelbotschaften an ihn sendet. (Ich möchte unbedingt etwa süßes essen, darf aber ja nicht zunehmen.) Das Leid nimmt zu, weil wir uns und unseren eigenen Gefühle nicht begegnen wollen. Weil wir den Schmerz der in uns ist ( die Gefühle des „inneren Kindes“ ) nicht fühlen wollen, weil es sich so bedrohlich anfühlt. Also machen wir weiter, tun als ob alles ok wäre und so bleibt dem Leben nichts anderes übrig als das Leid zu vergrößern. Die Spirale wird immer enger und irgendwann hat man gar keine andere Möglichkeit mehr als dort hin schauen zu müssen, wo es so richtig weh tut.

Wenn jetzt auch noch Kinder in unser Leben kommen und diesen Schmerz durch ihr Verhalten und Denken antriggern. Explodieren wir, denn Emotionen bedeutet emotion, also in Bewegung. Dissoziation ist das Abspalten der Gefühle von unserem Körper. Das heißt die freigesetzte Energie die unsere Gefühle erzeugen bleibt in unserem Körper erhalten, weil uns als Kind die Strategien fehlen, um mit diesen Gefühlen umgehen zu können.

Diese Energie steckt in dir und wenn nun dein Kind oder ein anderer Mensch, auf diese nicht sichtbare Stelle drückt, löst es bei dir einen Schmerz aus. Ein Schmerz den du jetzt nicht fühlen willst, „sei ruhig, hör auf, lass mich in Ruhe, halt deinen Mund, geh in dein Zimmer, geh weg mit deinen Problemen, jetzt NICHT! oder „was denkt derjenige,mich so verletzten zu müssen, wieso schaut die mich so an? Was will diese Person von mir, usw.“ sind Sätze die wir sagen und Gedanken die wir denken, um aus dieser, für uns bedrohlichen Situation, entfliehen zu können. Wir übernehmen sozusagen nicht die Verantwortung für uns und unsere Gefühle sondern machen unser Umfeld dafür verantwortlich. Immer wenn du getriggert wirst, rutschst du von deinem „erwachsenen ich“ in dein „kindliches ich“, in genau dessen Verhalten, Gedanken und Gefühle. Des kleinen Mädchens oder des kleinen Jungen das 3,4,5 oder 6 Jahre alt ist. Die nichts mehr mit einem Erwachsenen zu tun haben. Denn wir fühlen Schmerz, erleben diesen Zustand als bedrohlich, er löst Stress aus und wir rutschen in unsere alten Gehirnareale (Reptiliengehirn). Das läuft ganz automatisch und wir können es nicht oder kaum beeinflussen, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Nun ist unser Kind oder die andere Person der Feind, Drache, Monster das besiegt und ruhig gestellt werden muss. Dieses/ dieser weiß aber nichts von unserer Vergangenheit. Fühlt sich unverstanden, hilflos, ohnmächtig, wütend und schon geht der Teufelskreis von neuem los . Das ist ein Trauma und eine transgenerationelle Weitergabe die an unser Kind weitergegeben wird. Das geht so lange bis jemand den Mut hat sich diesem zu öffnen, sich den Schmerzen zu stellen , die Gefühle zu durchleben und dadurch die Trigger zu entschärfen.

Der Weg war hart, schmerzhaft und mit vielen Ängsten verbunden….was kommt danach? was passiert mit mir? wie kann ich vertrauen und meine Kontrolle abgeben? Aber, sei dir bewusst, deine Gefühle bestimmen die Qualität deines Lebens. Also ja es stimmt, dein Gefühl ist richtig, das Leben ist oft ein wahrer Kindergarten und auch unser inneres Kind trägt dazu bei, solange wir uns ihm nicht zuwenden, es auf taub stellen, es ignoriere und verleugnen.

Das ist „innere Kind“ Arbeit, an die ich mein Herz verschenkt habe und aus dem Stein der einmal in meiner Brust lebte, konnte mit viel Druck und wunderbaren Schleifern (Therapeuten) ein strahlender Diamant entstehen.

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