„Du bist Schuld daran, dass ich mich jetzt so fühle wie ich mich fühle.“

Wie kommt es nun dazu, dass es möglich ist, dass andere Menschen es schaffen in mir Gefühle zu erzeugen, die ich gar nicht fühlen möchte? Das läuft folgendermaßen ab. Wir haben alle mehr oder weniger, große und kleine Verletzungen aus unserer Kindheit mitbekommen. Dabei geht es nicht darum den Eltern die Schuld bewusst zuzusprechen denn diese haben, sehr wahrscheinlich, auch nichts anderes getan als das in abgemilderter Form weiterzugeben was sie als Kinder erlebt haben.

Aber was an all dem ist so schlimm, dass wir uns darum kümmern sollten.

Aufgrund dessen, dass lange Zeit Co-Regulation unbekannt war und kaum angewendet wurde, kamen wir sehr wahrscheinlich nicht in den Genuss diesen Mechanismus selbst erleben zu dürfen und negative Gefühle als das zu erleben was sie eben sind. Gefühle die da sein dürfen und irgendwann auch wieder gehen ohne jemanden dafür verantwortlich zu machen. Das heißt wir wurden nicht gehalten, verstanden, getröstet, ermutigt und es wurde nicht an uns und unsere Fähigkeiten geglaubt. Also wie gehen wir dann mit dem Stress um? Übernehmen wir dafür die Verantwortung? Was tust du?

Das wichtigste, was heute immer noch in vielen Köpfen steckt, „ das Kind muss sich anpassen können, sonst verpasst es etwas im Leben. Bekommt keine Freunde und eckt überall an.“ Also es soll funktionieren und seine Emotionen weg drücken/unterdrücken. Anpassen bedeutet aber, ich weiß was richtig ist und nicht du. Ich sage dir wie du zu sein hast, auf was es ankommt und wenn ich dich dafür „erniedrige“, denn „mir hat es auch nicht geschadet“. Echt, dir hat es nicht geschadet? Doch hat es, denn genau dann wenn dein Kind auf dem Boden liegt und sich krümmt vor Schmerzen, weil du es nicht verstehst. Immer dann wenn du über es hinweg Entscheidung triffst die es gar nicht will aber keine Möglichkeit hat mit sprechen zu können und seine Wut und sein Frust nicht einmal akzeptiert und anerkannt wird. Immer dann wenn es sich vor Müdigkeit und Erschöpfung nicht mehr regulieren kann und sein Gehirn in den Überlebensmodus wechselt und du keinerlei Verständnis für es aufbringen kannst. Dann fehlt dir nämlich diese Empathie, das Mitgefühl das du von deinen Eltern so dringen benötigt hättest.

Da du es nicht erfahren hast und da du weiter unbewusst bleiben möchtest gibst du es also an dein Kind weiter. So funktioniert der Kreislauf und nicht anders. Was passiert aber nun, wenn du etwas ändern willst. Wenn du dieses Spiel durchbrechen möchtest? Wie komme ich an „mein inneres Kind“, wie es in der Psychologie genannt wird, ran? Indem du es fühlst. Und dafür brauchen wir nun, diese starken Emotionen. Sie können schon einmal einer der Wege sein um wieder einen Draht zu sich selbst aufbauen zu können.

Kennst du die wundervollen Konflikte mit deinem Partner oder vielleicht bist du ja auch getrennt, dann schau hin weshalb diese Beziehung auseinander ging? Denn eines ist mega spannend, warum haben wir uns ausgerechnet in unseren Partner verliebt? Wieso in diesen einen Menschen? Weil es eine bewusste Entscheidung war?

Nein leider nicht…..außer du hast davor bereits Bewusstseinsarbeit gemacht und weißt welche Werte und auf was es dir in der Beziehung ankommt. Dennoch ich glaube die meisten, so wie wir auch, haben uns kennen gelebt weil das Muster meines Mannes dem meiner Eltern entsprochen hat. „Ich mag dich aber komme mir bloß nicht zu nahe“, war unser unbewusster Glaubenssatz. Wir verlieben uns sozusagen nur in Menschen die unseren Eltern sehr sehr ähnlich sind oder in das komplette Gegenteil, wie dominante Eltern und ein sehr devoter Partner. Den wir dann erniedrigen können, um nie mehr die Verletzungen die uns die Verhaltensweisen der Eltern zugefügt haben zu fühlen. Um nie mehr hilflos und ausgeliefert zu sein. Das Leben kannst du aber nicht austricksen, denn dann kommt dieses Gefühl auf anderen Wegen zu dir.

So all das ist in uns. Gefühle die wir als Kinder nicht händeln oder verarbeiten konnten stecken tief versteckt in uns drin. Diese Energien sind gespeichert und versuchen irgendwie einen Weg in dein Bewusstsein zu schaffen. Es ist wie ein Vulkan der kurz davor ist auszubrechen. Nun kommt unser Partner, eine Freundin oder unsere Kinder, der Stresspegel steigt an und plötzlich aus dem nichts agieren wir mit Sätzen wie „ kannst du nicht mal die Spülmaschine einräumen, es sieht hier aus wie im Saustall, es ist jedes Mal das gleiche mit dir. Bin ich dir so egal? ich halte es nicht mehr aus. Wegen dir bin ich nun stinke wütend. Lass mich endlich in Ruhe. Lass mich los, ich will nicht mehr und beende die Beziehung. Du willst mich doch absichtlich verletzten oder musste das jetzt sein usw.“

Diese Gefühle gehören aber zu dir und nicht zum Anderen. Es geht darum, dass wir unzufrieden, gestresst und überfordert sind. Dass wir unsere schlechte Laune/negativen Gefühle die darunter liegen, am Anderen raus lassen wollen. Ihn dadurch komplett überfahren nur weil wir uns gerade einfach nicht gesehen, gehört, geliebt, verstanden und angenommen fühlen. Da wir durch unsere Eltern kein Vorbild hatten, wie wir mit diesen Situationen umgehen sollen und sie uns meist die Verantwortung, für unser Verschulden als Kind, übergeben haben. Wir rutschen in unser inneres Kind und unser Partner meist ebenso. Dann können daraus schlimme Verletzungen entstehen, die wir hätten vermeiden können. Denn der Partner ist nicht meine Mutter oder mein Vater und wir geben ihm nicht die Chance uns ein anderes Verhalten zu zeigen, als das was wir als Kind ständig erleben mussten. Nämlich für uns da zu sein und uns für die Erlebnisse Verständnis entgegen zu bringen.

Deshalb reagieren wir genau so wie unsere Kinder. Wird der Stress zu groß rutschen wir in ein anderes Gehirnareal und beginnen genau so zu wüten wie unsere Kinder, ohne dass wir etwas dafür können. Das Gefühl, dass sich zu diesem Zeitpunkt in unserem Körper befindet ist so mächtig, dass wir jemand anderem die Schuld geben müssen um sie aushalten zu können. Dadurch bleiben sie in uns gespeichert und wir kramen sie jedes Mal hoch wenn wir wieder getriggert werden. Da der Körper sie als bedeutend abspeichert und sie dadurch nicht abfließen können.

Wie kommen wir nun aus diesem Teufelskreis heraus. Ganz einfach indem wir lernen zu sprechen. Du musst lernen anderen Menschen mitzuteilen wie es dir „wirklich“ geht. Warum das nicht so einfach ist und weshalb viele von uns sich eine schein Identität/Schutzstrategien zugelegt haben, erkläre ich ein anders Mal. Aber der einzigste Schlüssel um dort raus zu kommen ist, dich in deiner wahrhaftige Verletzlichkeit zu zeigen.

Was meine ich damit? Ich muss mich erst einmal um mich selbst kümmern und das bevor die Situation eskaliert. Setzt dich hin, atme und tun nichts. Absolut nichts auch wenn dein Kopf sagt was nun richtig wäre. Gedanken sind zu 80 Prozent falsch. ( eine Übung dafür, um dies überprüfen zu können, werde ich demnächst in einem weitern Beitrag beschreiben.)

Nun was fehlt mir? Was brauche ich? Wie kann ich mir dieses Bedürfnis befriedigen und dann meinen Partner mit ins Boot holen, denn deine Probleme sind nicht nur deine, sondern es sind eure. Wenn es einem von euch als Paar schlecht geht oder ihr überfordert seid, dann leidet nicht nur ihr sondern die ganze Familie und am aller meisten die Kinder. Das vergessen wir oft, wenn wir nur die Probleme des Kindes sehen. Sie leben in unserem System und ist dieses widersprüchlich, undurchsichtig oder einfach nur angespannt wird es sich in den Verhaltensweisen der Kinder spiegeln. Denn sie haben die Fähigkeit direkt in unsere Seele zu blicken und fühlen sofort wenn das was wir sagen mit dem was wir tun inkongruent erscheint.

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