Und dann folgt meist die Scheidung.

Partnerschaft und Liebe ist doch so etwas romantisches, schönes, leichtes, das jeden der Partner so unendlich glücklich macht. Bist du glücklich in deiner Partnerschaft? Liebst du sie oder ihn und was macht euch aus? Wie würdest du die Liebe zu deinem Partner beschreiben? Was sind eure Säulen auf der ihr eure Partnerschaft aufbaut? Wie viel Zeit steckt ihr in den Aufbau/Erhalt eurer Beziehung?

Wir haben uns während des Studiums in einer Bar kennen gelernt, als ich zusammen mit ein paar Kommilitoninnen noch aus war und Tobias plötzlich neben mir saß, mir einen Zettel in die Hand drückte, mit dem Spruch, „ falls ich mal Lust hätte mit ihm einen Kaffe oder einen Tee trinken zu wollen, soll ich ihn doch anrufen. Er würde sich freuen.“

Ja das war das erste Mal, dass wir uns begegnet sind und seitdem sind bereits 10 Jahre vergangen, wir haben geheiratet, zwei Kinder bekommen und ich liebe diesen Mann mit jedem Tag mehr. Ja mehr, nicht weniger aber das war nicht immer so.

Wir hatten schon immer Konflikte in unserer Beziehung aber diese fielen meist nicht so auf oder wir konnten ihnen gekonnt aus dem Weg gehen, weil es ohne Kinder eben möglich war. Ein Konflikt bahnte sich an, wir fingen an zu streiten der eine ging und ein paar Stunden später war alles wieder gut. Wir mochten uns, wirklich sehr aber es war keine Liebe. Diese entstand langsam ab dem Moment ab dem wir uns endlich verlobt hatten. Also „ja“ zueinander sagen konnten. Ab dem Moment, ab dem wir wussten, es wird nie wieder eine andere Frau oder ein anderer Mann neben mir/dir aufwachen. Ab jetzt war es endgültig und dann kamen die Kinder.

Diese holten jegliche Kraft aus uns heraus und das Spiel das wir sonst spielten, funktionierte nicht mehr. Zum Glück funktionierte es nicht mehr, denn es war nur ein Spiel. Wie wurden also beide durch die hungernden Bedürfnisse unserer Kinder auf uns zurück geworfen. Wir konnten uns nicht mehr ausweichen sondern mussten nun alles was sich zwischen uns anbahnte, annehmen, sehen und klären. Das war nicht einfach und auch nicht ohne therapeutische Hilfe möglich. Aber das war es uns Wert.

In der Psychologie spricht man von der so genannten „Opfer, Täter, Retter“ Dynamik die immer wieder gewechselt wird. Mal ist man das Opfer (hilflos, überfordert) , dann wird aus dem Opfer der Täter ( werfe meinem Partner alles vor, was er falsch macht) und plötzlich wieder doch der Retter ( wenn ich nur noch mehr für die Beziehung gebe, werde ich sie retten) der dem anderen helfe /ihn retten möchte. Das funktioniert besonders gut wenn ich selbst davon überzeugt bin, dass der Andere sich ändern muss damit es mir gut geht. Damit ich meine Baustellen nicht anschauen muss. „Wenn du dies oder jenes endlich verstehst wird es mir besser gehen, wird er mich endlich sehen, respektieren, anerkennen usw.“ Ne, leider nicht. Das ist unser Gefühl und unsere Baustelle die wir uns anschauen sollten. Aber was hilft nun, wenn wir wirklich eine glücklich Beziehung führen möchten?

Erst einmal eine radikale Selbstannahme. Was ist mir in dieser Beziehung wichtig? Was brauche ich? Was sind meine Werte ? Was muss ich für mich tun? Und dann sprecht darüber. Keine Vorwürfe, Beleidigungen, Entwürdigungen, klein reden der Meinung des Anderen, dessen Wünsche und Pläne sondern ruhig werden. Zuhören, hinhören, nachfragen, versuchen Verständnis für den eigenen Partner aufzubauen und ihm Mitgefühl entgegen zu bringen.

Das ist das einzigste was wahrhaftig hilft. Keine Dates, kein Kino, kein Abendessen sondern setzt euch hin und sprecht. „Das fand ich schön und das weniger schön“, warum und wie habt ihr euch dabei gefühlt? Nicht du sondern ich Botschaften senden. „Ich hatte das Gefühl du nimmst mich nicht mehr wahr und das tat mir verdammt weh.“ „ Ich wünsche mir, dass du heute mitkommst, weil es mir wichtig ist.“ „ ich brauche zeit für mich und möchte dass du heute Nachmittag die Kinder nimmst.“

Es geht einzig und allein darum was du fühlst und dir wichtig ist und dies deinem Partner mit zu teilen. Wenn ihr dabei beginnt zu streiten hört auf und trefft euch wieder wenn eure „inneren Kinder“ sich beruhigt haben.

Und nein, dein Partner ist nicht dafür da um dich glücklich zu machen oder dir die Sterne vom Himmel zu holen oder zu schauen, dass es dir immer gut geht. Er ist da, weil er sich bewusst entschieden hat sein Leben mit dir teilen zu wollen. Das ist ein Geschenk um das man sich bemühen und es pflegen sollte. Kommunikation ist das einzigste was wahrhaftige Verbindung zu euch aufbaut und euch ganz schnell zeigt, wenn ihr eure Partnerschaft mal wieder vergessen habt, denn dann entstehen Konflikte, Missverständnisse nehmt euch Zeit füreinander und für eure Probleme. Also seid mutig, steht zu euch, sprecht über „eure Gefühle“, lasst den Anderen ausreden und hört einfach nur zu.

Es funktioniert wenn ihr es wollt und es für euch wichtig ist auch wenn es am Anfang viel Mut erfordert sich seinem Partner gegenüber verletzlich zu zeigen. Dann ist Scheidung nur ein Wort welches euch nicht kümmern wird und ihr Methoden an der Hand habt, wie ihr eure Liebe pflegen und nähren könnt.

3 Kommentare zu „Und dann folgt meist die Scheidung.

  1. Du hast sehr gut das „Geheimrezept“ einer guten Liebesbeziehung beschrieben. Wenn man es genauer betrachtet, ist es wie bei allen zwischenmenschlichen Beziehungen. Reden, Zuhören, gegenseitiger Respekt, mehr braucht es nicht. Aber weil ja die Romantik sein muss, verklärt man den Partner zum Helden, Heldin, Retter, Retterin und Prinz und Prinzessin. Dabei kann unser PartnerIn immer nur unser Begleiter durchs Leben sein! Aber das habe ich auch erst in meiner zweiten Ehe begriffen!!!

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    1. Hallo Matthias,
      vielen Dank für deine Worte und dass meine Worte mit etwas von dir in Resonanz gehen können. Ja es ist überall so aber mit unseren Partnern sind wir meist noch strenger als mit Freunden oder Bekannten. Diese kommen uns auch nahe aber nicht so nahe, dass wir sie aus dem Trauma heraus als Feind bekämpfen würden. So richtig verstanden habe ich es erst als ich gelernt habe, die komplette Verantwortung für mich und meine Bedürfnisse zu übernehmen. Meinen Partner komplett zu entlasten. Ja Konflikte sind schlimme, ein Seitensprung ist schlimm aber er kann ebenso eine riesengroße Chance sein sich seinem Partner wieder zu nähern zu öffnen, sich gegenseitig klar zu machen, man das Leben das wir gerade führen macht mich überhaupt nicht glücklich. Wer bist du und wer bin überhaupt nicht. Das Leben ist eine Reise und auch wir haben jeden Tag mit unserer Vergangenheit und unseren triggern zu kämpfen und dennoch gibt es diesen einen Moment am Abend, an dem ich den Tag reflektiere und feststelle, dass es trotz des Streits viele Momente gab an denen ich Zeit und Raum vergessen habe. Versunken im Moment und ich ihn dennoch genossen habe. Dieses Bewusstsein für Dankbarkeit für den Augenblick für die Menschen um einen herum macht einen unglaublich reich. Reich im inneren. Das ein niemand nehmen kann.

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