Wenn die Traumwelt zerbricht.

Bevor es die Kinder gab wusste ich nicht, nein sagen wir es radikaler, fühlte ich nicht in was für einem zerrütteten Familiensystem ich groß geworden bin. Da standen meine Eltern und ich habe zu ihnen aufgeblickt. Wollte sie glücklich machen, glücklich sehen, fühlte mich für sie verantwortlich und zuständig. Ich wollte die Tochter sein auf die sie stolz sein können und die ihnen ihre Wünsche, die sie mir gegenüber hatten auch irgendwie erfüllen.

Es war die Familie in der Glaubenssätze geboren wurden wie „wir haben uns alle lieb, sei froh, dass du so tolle Eltern hast und sie immer noch zusammen sind, sei dankbar darüber, Blut ist dicker als Wasser, wir halten zusammen, wir sind doch alle glücklich, stehen zusammen wenn es ernst wird, helfen uns gegenseitig“.

Ja ich fühlte mich oft unwohl, falsch, nicht ernst genommen, als Störenfried für diese, ach so heile Welt. Ich fühlte immer diese Einsamkeit, dieses aufgesetzte Verhalten, dass an den Tag gelegt wurde. Diese hierarchische Struktur die es gab aber niemand aussprechen durfte. Dieses latente narzisstische Verhalten was überall zwischen den Familienmitglieder bei Festen spürbar war. Ja es war eine seltsame Stimmung, ja es war eine Spannung in der Luft, ja es gab Dinge die du niemals ansprechen darfst denn sonst „bist du schuld, weil dann hast du die Familie kaputt gemacht! Du und niemand anderes sonst, weil du dich nicht unter Kontrolle hattest und wir dafür sorgen müssen, dass er oder sie wieder friedvoll gestimmt werden. Bußen ableisten….“ diese Verhaltensnormen, Werte und Regel standen ganz oben auf der Liste des Verhaltenskodex von Familienfeiern.

Du warst eine Nummer, eine Rolle, eine Schauspielerin in einem System, das nun einmal so funktioniert und nicht in Frage gestellt werden darf. Du nicht weil „du willst ja, dass Mama und Papa glücklich sind und nicht, dass du sie enttäuschst und unglücklich machst. Du doch nicht mein kleiner lieber Schatz, du hast zu funktionieren. Ist dir das klar?“ Ich hasste mich. Ich hasste mich so sehr dafür, dass ich dieses Spiel nicht einfach spielen konnte, dass ich nicht funktionierte und mich wie alle Anderen damit arrangierte, dass es eben nun einmal so ist.

Und dann kam unser großer Sohn zur Welt und für ihn und seine Energie waren wir absolut nicht vorbereitet. Er kam und riss alles ein was nicht ehrlich, authentisch und aus Liebe bestand. Mein Mann und ich waren am Ende und ich erlaubte mir meine Mutter um Hilfe zu bitten, die mir am Telefon mitteilte, „dass ich doch sonst immer die Starke bin und das mit dem Baby dieses Mal auch alleine schaffen werde.“

Ich die eigentlich nie um Hilfe bittet, die eigentlich immer alles still und heimlich für sich alleine löst, die die bisher niemandem groß ihr Vertrauen schenken konnte weil es zu viele schmerzhafte Erfahrungen in ihrem Leben gab und die nun x mal mit sich gerungen und nun doch um Hilfe bat.

Tja, da war er der „Schlag in die Magengrube“. Das Gefühl das meinen ganzen Körper zusammen zog und der Schmerz der mich, wie ein Häufchen Elend auf dem Boden zusammen gekauert zurück lies. Das Gefühl durchzudrehen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Kein Schlaf, keine Nerven mehr und ein monoton schreiendes Baby für das ich mehr Liebe empfand als ich es jemals in meinem Leben von meinem Eltern bekommen habe.

Heute weiß ich, dass das meine große Chance war. Mein Zusammenbruch, um mich auf den Weg zu mir selbst zu machen. Um zu entdecken wer da in mir wohnt und all die Prägungen, Glaubenssätze aufzuspüren und meine Traumatas heilen zu können. Es war/ist ein Geschenk des Lebens an mich, dass all das mit mir nun Frieden finden und endlich begraben werden darf. Denn nur wer die Kraft hat sich dieser Vergangenheit zu stellen kann in seinem inneren den Frieden finden den er oder sie sich wünscht. Weil erst wenn ich mich voll und ganz liebevoll annehmen und respektieren kann bin ich bereit dies bei meinem Gegenüber ebenfalls zu tun.

Wenn ich das nicht will, kann, davor Angst habe und zurück schrecke werde ich die Welt außerhalb meines Körpers immer als bedrohlich wahrnehmen, welches sich verändern muss um mir meine Wünsche zu erfüllen oder mir immer nur Schmerz zufügt oder ich den Schmerz verhindern muss. So lange werden Beziehungen auf Sparflamme geführt egal ob es zum eigenen Partner oder den Kindern oder Freunden ist. So lange wird niemand mehr in die Nähe meines Herzens gelassen, weil da ein Verbotsschild steht mit „betreten verboten“.

Aber das Leben besteht nun einmal hauptsächlich aus den Gefühlen die wir uns erlauben fühlen zu dürfen. Ja es ist anstrengend Wut, Angst, Traurigkeit, Schuld und Scham auszuhalten oder uns dieser zu stellen aber genau so intensiv wirst du das Glück, die Lebendigkeit, die Dankbarkeit und die Liebe in deinem Leben empfinden.

Dann gibst du nicht mehr deine Verantwortung an jemand anderen ab und sagst „du bist schuld, weil du mich mit deiner Aussage verletzt hast“ sondern du erkennst dein Gefühl hinter deinem Schutzpanzer. Wirst ruhig, fängst an dich selbst zu verstehen und spürst plötzlich “ deine Angst und Unsicherheit vielleicht etwas falsch zu machen im Bezug auf den Konflikt zu deinem Kind. Vielleicht erlebst du Spannungen die zwischen dir und deinem Mann herrschen. Vielleicht ist es Traurigkeit darüber mit deinem Partner nicht sprechen zu können oder verstanden zu werden, da du nicht von ihm gesehen wirst. Weil du dich vielleicht selbst ablehnst und nicht siehst. Vielleicht ist es Scham weil du dir etwas wünscht aber du nicht weißt wie du es der anderen Person mitteilen sollst, weil du Ablehnung erfahren könntest? Vielleicht ist es die Traurigkeit darüber, dass du dir selbst gerne eine andere Kindheit gewünscht hättest?“

Die Loyalität ist besonders dann wenn physische wie psychische Gewalt mit im Spiel war zwischen Eltern und Kindern besonders groß, wenn selbst im erwachsenen Kind immer noch die Sehnsucht herrscht irgendwann von den Eltern doch noch gesehen, doch noch geliebt, doch noch anerkannt zu werden und für diese Sehnsucht deine eigene Familie/Kinder zurück stecken müssen.

Ja müssen, denn dann müssen deine Kinder mit ansehen, was du unter „Beziehung“ verstehst! Wie du gedemütigt wirst, wie deine Grenzen überschritten werden, wie deine Gefühle klein geredet werden, wie du unverstanden zurück gelassen wirst, wie du dich zurück nehmen musst damit deine Eltern die Aufmerksamkeit bekommen die sie sich immer gewünscht haben. Wie du da stehst und weinst oder nicht für deine Kinder da sein kannst weil deine Wunden in dir wieder aktiviert werden. Weil du denkst, dass sich das so gehört, weil du deine Eltern schützen musst, weil du diese Traumwelt aufrecht erhalten musst? Weil du in deinem inneren Kind, in deinem Schmerz gefangen bist? Und dafür musst du nun mal leiden. Weil es in Ordnung ist, dass Oma und Opa so mit dir als Mama oder Papa umgehen. Weil auch deine Kinder über ihre Grenzen gehen müssen um Oma und Opa glücklich zu machen? Siehst du was passiert? Kannst du es fühlen? Oder bist du immer noch blind und taub? Weil du Angst hast?

Genau deshalb kannst du gar nicht glücklich sein, genau deshalb kannst du keine erfüllte Partnerschaft führen, genau deshalb kannst du deine eigenen Grenzen im Bezug auf deine Kinder nicht wahren sondern musst auf Erziehung zurück greifen und genau deshalb steckt dein Leben überall voller Baustellen!

Weil du ein Schauspieler oder eine Schauspielerin geworden bist die versucht diese offensichtlichen Traumata aufrecht zu erhalten, indem du sie verleugnest und deckelst und sie hinstellst als ob sie das normalste von der Welt wären. Aber das sind sie nicht. Sie machen nicht nur dich kaputt sondern auch deine Beziehung zu deinem Mann, deiner Frau, deinen Kinder und werden immer dazu beitragen, dass du einem vermeintlichem Gefühl hinterher rennst, dass es irgendwo hier auf der Welt einen Platz oder eine Person gibt die dir all das was du in dir drin vermisst/wünscht befriedigt und erfüllt….. aber das gibt es nicht.

Dieser Menschen und deine Kinder sind zu 90 Prozent ( außer stark psychisch erkrankte Menschen) der Schlüssel zu deinem Glück. Durch sie, durch die Spiegelung und das auflösen der Projektionen, kannst du in dein wahres/echtes ich zurück finden. Dafür brauchst du Mut und einen klaren Willen um diesen Weg zu gehen. Er wird weh tun, du wirst Opfer bringen müssen, weil deine Eltern dein Verhalten nicht nachvollziehen oder verstehen werden. Weil du sie enttäuschen wirst. Weil du sie verletzen wirst. Weil sie dich, wie du bist, durch ihren Schleier des Traumas nie sehen können. Weil du etwas verändern willst und an dir arbeiten wirst aber sie an dem Punkt stehen bleiben an dem sie immer schon stehen.

Deshalb kannst nur du entscheiden womit du deine wertvolle Zeit verbringen willst? Wohin deine Liebe fließen soll? Ob du bereit bist ganz für dich die Verantwortung zu übernehmen? Ob du den Mut hast dich deinem Trauma zu stellen? Ob du siehst, dass es nur dieses eine Leben gibt und wenn es vorbei geht, nur noch wenig Zeit bleibt um das nachholen zu können vor dem du gerade solche Angst hast und weg läufst oder du dich mal emotional so richtig nackt machst, all deinen Mut zusammen nimmst und merkst ok, auch wenn ich jemanden enttäusche, verletzte oder sich Familienmitglieder von mir abwenden, ich kann das überleben. Ich kann das überstehen, weil ich ein erwachsenes „ich“ entwickeln konnte und dennoch fähig bin mich zu binden. Mich verletzlich zu zeigen und nun endlich wahrhaftig als der Mensch scheinen, leben und lieben zu dürfen der einmal als kleines Wesen hier her auf diese Welt gekommen ist und sich nun ein kleines Stück wieder finden und erkennen durfte.

Dieser Weg ist ein unglaubliches Geschenk und ich hoffe dein Herz gibt dir die richtigen Impulse um ihn zu verstehen, begreifen zu können von was ich hier die ganze Zeit berichte.

Ich habe auf diesem Weg, fast alles bis auf meinen Papa verloren. Keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, zu meinem Bruder. Ein paar lose Kontakte übers Handy zu Oma und Tante aber das ist ok. Früher hätte ich mir all das nicht vorstellen können. Mein Kopf hätte mir eingeredet, dass ich all das nicht überleben könne und jetzt fühle ich so eine unglaubliche Freiheit und Dankbarkeit in mir. Kein ich muss mehr sondern ich darf und kein ich soll sondern ich kann und will.

Denn ich will, dass meine Kinder sich frei entscheiden können. Nicht abgerichtet oder konditioniert werden und den Mut haben mir irgendwann einmal knallhart ins Gesicht zu sagen „Mama das fand ich richtig scheiße von dir! Das hat mir verdammt weh getan! Weißt du das eigentlich?“ Und dann werde ich mich entschuldigen, für das was ich getan habe. Ihnen weiter zuhören, dem Gefühl das da sein will den Raum geben und ihnen sagen wie leid es mir tut. Ich will nicht, dass unsere Kinder uns besuchen kommen weil sie es müssen oder weil man es so macht sondern weil wir eine Beziehung haben. Weil sie sein dürfen und denken können wie und was sie wollen. Dass alle Gefühle und alle Worte ok sind und dass ich mich mit mir beschäftigen muss wenn mich von diesen Worten etwas verletzt. Das ist Wahrhaftigkeit, das ist Verständnis für und miteinander. Das ist Liebe und das ist das echte und kein aufgesetztes Leben.

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