Wie wir uns unseren Mechanismen bewusst werden.

Da wir alle „blinde Flecken“ in uns haben und uns dessen meist nicht bewusst sind möchte ich nun etwas genauer darauf eingehen. „Blinde Flecken“ sind nicht sichtbare Verletzungen unserer Seele die wir als Kinder erlitten haben. Dort steckt Lebensenergie und es sind die Gefühle gespeichert die wir als Kinder nicht leben/ausleben und auch verdrängen mussten. Um dies zu ermöglichen haben wir uns Schutzmechanismen angeeignet wie Zynismus oder Sarkasmus, Verallgemeinerungen oder Abwertungen/Entwerten, Gleichgültigkeit, Bewertungen oder Urteile über andere Menschen, Vergleiche, Vermeidungsverhalten, sich selbst zu überhöhen und uns über andere stellen zu müssen usw.

Diese Liste kann sehr lang werden. Da nun diese Mechanismen unterhalb des Eisbergs in unserem Unterbewusstsein schwimmen und wir selbst im Umgang mit unseren Gefühlen unsicher sind, ist es von Vorteil uns immer wieder selbst kritisch und offen zu reflektieren. Dazu dienen Fragen wie „was hat mich nun an der Situation so geärgert? Warum habe ich mit meinem Kind geschimpft oder mit meinem Partner gestritten? Warum fühle ich mich gegenüber anderen ohnmächtig, hilflos, einsam oder muss ihn von meiner Meinung überzeugen? Warum habe ich das Gefühl bei meinen eigenen Eltern immer als kleines Kind wahrgenommen und gesehen zu werden? Warum bin ich so motzig und mies gelaunt? Was stört mich an meinem eigenen Leben? Warum bremse ich immer wieder meine eigenen Kinder und empfinde sie als terrorisierend und nervig“

Wir sind wenn es um negative Gefühle geht so unheimlich schnell beim Anderen und nicht mehr bei uns. „Der ist Schuld weil er/sie/es dich nicht sieht ? Respektiert? Ernst nimmt? Deine Grenzen überschreitet? Weil du mehr Zeit für dich bräuchtest? Weil du einfach überfordert bist und er es nicht sieht? Weil die Kinder endlich mal hören sollten? Weil du das hier und heute nicht akzeptieren kannst weil du es gerne anders hättest? Weil in dir eine Gleichgültigkeit lebt die du nicht fühlen willst?“ Wir sind dabei die Verantwortung für unsere Gefühle an andere Menschen abzugeben, so müssen wir diese Emotionen und Bedürfnisse die hinter dem Schmerz liegen selbst nicht fühlen.

Was dann passiert? Es entwickelt sich ein Spiel das irgendwann niemand mehr wirklich durchschaut. Wir rechnen miteinander ab. Wenn dann noch alte Traumata dazwischen liegen ist es wie auf einem großen Schlachtfeld. Es kommen nicht nur von oben die „Kugeln“ sondern im Boden liegen auch noch „Mienen“ du weißt nie wann und wo es dich als Nächstes trifft.

Was ich in den letzten Tagen lernen durfte, ist das Bewusstsein für meine Mechanismen zu erkennen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Das fühlt sich erst mal richtig richtig mies an aber es gibt nur diesen einen Weg raus aus diesem ganzen Dilemma zu kommen und der heißt “ es tut mir leid“.

„Es tut mir leid, dass ich dich gerade angefahren und blöd behandelt habe, das war nicht okay. Entschuldige, dass ich euch wieder meine ganze Verantwortung für meinen Stress zugeschoben habe, ihr habt damit nichts zu tun, wenn wir nun alle einfach zu spät dran sind! Es ist wie es ist! Es tut mir leid, dass ich dich angeschrien oder blöd am Arm gepackt habe, ich hatte das Gefühl nicht gesehen zu werden und an dir habe ich es ausgelassen. Entschuldige dafür es war meine Schuld, ich hätte merken müssen, dass ich den Brief nicht heute früh schreiben kann. Dass ihr mich braucht.“

Das alles ist so leicht und heilend und befreiend aber gleichzeitig auch so wahnsinnig schwer. Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Male erinnern als ich mich bei Tobias entschuldigt habe und über meine Minderwertigkeitskomplexe angefangen habe zu sprechen. Ja da ist das Gefühl von „Schuld, von Scham, von Traurigkeit, von Wut, von Angst, von Ohnmacht, von Überforderung, von nicht gut genug zu sein, von nicht liebenswert zu sein, von Kleinheit, von zu kurz zu kommen.“ Die sind da, immer, nur durch das Verdrängen dieser Gefühle bist du ihnen nicht bewusst und du brauchst unglaublich viel Energie diese verdeckt zu halten. Denn sie wollen hoch, sie wollen sich zeigen aber du sagst “ nein halt das überlebe ich nicht und zack lenkst du dich ab mit Medien, Alkohol, Essen oder Konsum“ und ab geht es in eine weitere Runde!

Zu Beginn fühlt sich die Übernahme der Verantwortung an wie wenn eine Stimme in meinem Kopf schreien würde „halte Stopp, was tust du da? Halt sofort deine Beine an! Nein du wirst da nicht rein gehen! Er ist schuld! Er alleine und nicht du! Für was willst du dich denn entschuldigen! Er hätte doch mal besser zuhören können! Er müsste doch nur einmal verstehen wie es ist vier Jahre lang mit den Kindern zuhause zu sein und trotzdem habe ich ihn verletzt und trotzdem gehe ich trotz all dieser Abwehr und dem trotzigen Verhalten meines „Innern Kindes“ auf ihn zu und sage, dass es mir leid tut. Überwinde den Kloß im Hals und fange einfach an zu sprechen. Nicht weil es mir leicht fällt sondern weil ich mich ganz bewusst dafür ENTSCHIEDEN HABE! Das Leben ist jetzt und ich will mit meinen Lieblingsmenschen und auch mit mir die schönste Zeit meines Lebens haben und genießen und nicht darauf zu pochen wer hier jetzt recht und unrecht hat!

Dass er recht hatte und mich sein Verhalten an das meiner Eltern erinnert und ich dadurch so getriggert war, dass ich mich überhaupt nicht mehr wirklich daran erinnere was gerade passiert ist, tut mir leid. Dass ich mehr in die Situation hinein interpretiere als das was wirklich geschah. Dann passieren die Dinge von denen wir durch unsere Glaubenssätze so fest davon überzeugt sind, dass nicht nur unsere Eltern uns nicht sahen, respektierten, zuhörten und wohlwollend mit uns umgegangen sind sondern auch unsere Partner, das selbe Muster in sich tragen. „Da haben wir es dann mal wieder“ versucht uns der Kopf zu beschwichtigen.

„Zeig dich nur nicht zu offen, zu verletzlich. Das macht abhängig und das willst du doch nicht sein“ aber alles andere ist ein Spiel. Das bist dann nämlich nicht du sondern du versuchst jemand zu sein der du nicht bist und dann wirst du wieder enttäuscht und fühlst dich bestätigt in deinem Denken und in deinem sein.

Ich übernehme ab jetzt die volle Verantwortung für mich, denn nur so kann es gelingen und es zeigt schon kleine aber wundervolle Veränderungen im Außen. Denn etwas von einem anderen Menschen auf Freiwilligkeit basierend zu bekommen ist 1000 mal schöner als dass du ihm vorschreibst, dass er sich für dich oder die Kinder verändern muss. Das funktioniert nicht aber du kannst als Vorbild dienen und an dir kann erfühlt werden was die Macht der eigenen Verantwortung mit sich bringt. Ich bin die Gestalterin und Schöpferin meines Lebens und ich alleine entscheide ob ich den Moment annehmen und genießen kann mit all seinem sein oder ob ich mich in meinem Kopf verstecke und mich meiner Grübelei hingebe und den Moment immer wieder verpasse.

Du kannst gerne und viel Zeit in deinem Kopf verbringen, dann bist du vermutlich ein sehr intelligenter Mensch aber auch gleichzeitig naiv und dumm, denn weißt du was?Du verpasst dabei das Leben, sagen wir du verpasst dein Leben weil du es nicht sehen und annehmen kannst wie es ist. Weil du es anders willst oder es nicht aushältst.

Doch wenn du hinschaust, löst du auf längere Frist aufgrund neuer positiver Erfahrungen diese negative Glaubenssätze auf und es wird dich im Außen nur noch wenig bis gar nichts mehr triggern, denn dann erkennst du in den Sätzen und im Verhalten die Probleme und den Schmerz des Anderen und kannst ihn anstatt sauer oder wütend über seine Äußerungen zu werden mit einem offenen Ohr und Wohlwollen empfangen. „Ja ich höre dich, ja ich verstehe dich und ja ich sehe deinen Schmerz, magst du mir mehr davon erzählen?“ Und dann höre einfach nur zu! Einfach nur zu!!!!

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