„Kannst du mich sehen?“

Nein du bist nicht falsch, sondern genau richtig, liebenswert und besonders.

Jeder Mensch ist etwas ganz besonderes und wertvolles für diese Welt nur vergessen wir das im Laufe der Zeit, weil wir zu oft gesagt bekommen haben, dass mit uns etwas nicht stimme, dass du anders sein solltest als du nun mal bist und dann stehst du da als kleines Wesen und verstehst die komplette Welt nicht mehr. Sie bricht in sich zusammen und du fängst an dich zu verändern indem du dich dem anpasst was andere von dir erwarten anstatt auf dein eigenes Herz zu hören. Manche schaffen den Spagat andere wiederum werden krank, weil sie in diesem System nicht zurecht kommen.

Du schreist und trittst um dich und versucht irgendwie deinen ganzen Kummer deinen ganzen Frust aus deinem Körper entladen zu können. Den Schmerz der sich aufstaut und einfach nur raus will! Und dann stehst du da Mama oder Papa und sagst „hör auf! Lass das sein! Beruhig dich sofort! Ich gehe nie mehr mit dir irgendwo hin! Was denkst du eigentlich wer du bist!“ Und ich senke meinen Blick, schlucke alle Tränen, alle Wut runter und laufe dann neben dir her. Mein Kopf ist still! In mir ist es leer. „Ich weiß ich bin falsch und du richtig. Das hast du mir gerade deutlich gemacht. Du bist sauer wegen mir, weil ich nicht funktioniere wie du es dir wünscht.“ Unsere Verbindung ist weg. Ich fühle einfach gar nichts mehr außer Einsamkeit, weil du mich nicht sehen noch fühlen kannst. Weil du so sehr mit dir selbst und der Regulation deiner Gefühle beschäftigt bist dass du für mich keinen Blick hast. Weil du Schwierigkeiten hast in der Gegenwart zu leben.

„Hallo ich bin da, hier, jetzt, siehst du mich? Kannst du MICH und meinen SCHMERZ hören ?“

Ich meine das wie folgt.

Heute waren wir auf dem Spielplatz. Die Kinder hatten ihre Freude. Irgendwann kündigte ich an, dass wir demnächst aufbrechen und ich schon einmal alles einsammeln werde. Schnallte den Kleinen in die Trage und sagte “ so mein Großer bin fertig, kommst du mit? Ne, gleich war die Antwort. Ok alles klar, ich laufe schon einmal langsam voraus.“ Ich lief und er kam erst einmal nicht. Also blieb ich stehen und rief nochmals nach ihm. Dann kam er, rannte auf uns zu, “ langsam sagte ich, ich warte bis du da bist. Mama warum bist du einfach los? Wenn ein Fuchs kommt bekomme ich Angst. Ich bin da ganz alleine und du bist weg. Du warst nicht da.

Stimmt sagte ich. Ich war nicht bei dir sondern hier. Das tut mir leid. Wünscht du dir, dass ich das nächste Mal bei dir bleibe? Hast du dann weniger Angst? Ja Mama, bitte“

Das war’s und alle Gefühle waren wieder beruhigt und still. Es geht nicht darum, dass du dich daran aufhängst was vor fünf oder zehn Minuten passiert ist. Damit machst du nur dir und deinem Kind das Leben unnötig schwer.

Wenn dein Kind gerade in Not ist weil es unsicher ist, Angst oder Wut empfindet kannst du versuchen ihm zu erklären, dass du richtig gehandelt hast, ihm Bescheid gegeben und es sein eigenes Problem ist, wenn es nun einmal nicht mit kommen will oder aber du nimmst den Moment an wie er ist.

Denn ändern kann ich daran eh nichts mehr, als das Beste aus der Situation zu machen. Ja da stehst du und hier stehe ich und ich höre dir zu was du sagst und was dich gerade beschäftigt und darauf versuche ich zu reagieren. Indem, dass ich versuche Lösungen zu finden die deine Angst in deinem inneren besänftigen, indem dass ich dir die Sicherheit geben kann. Also sehe und höre ich dich, weil ich mich öffne und offen bin für das was du sagst.

Wir versuchen Angst oder Wut mit Sätzen zu begegnen wie „das ist doch nicht schlimm, hat gar nicht so weh getan, schau mal da die Blume/Tier, du brauchst keine Angst haben, jetzt ist aber gut, meinst du nicht, dass es langsam genug ist und reicht?“

Aber Gefühle sind nichts was man mit dem Verstand analysieren und steuern kann. In dem Moment wollen sie einfach nur gelebt werden und das heißt „ich brauche dich, bitte halte mich so lange bis es wieder aufhört und ruhiger wird“ es braucht dafür keine Worte, sondern ein klares und bewusstes emphatisches „Ich“!

„Ja ich hab gesehen du bist hingefallen. Soll ich dich umarmen?“ Und dann sitzen wir da einfach nur da und warten bis der Schmerz vorbei gezogen ist und die Neugierde wieder einmal siegt. Das kann eine oder zehn Minuten sein…manchmal auch eine halbe Stunde!

„Halte mich Mama, bitte halte mich einfach nur aus damit ich jetzt lerne wie das mit den Gefühlen so geht. Du gibst mir den Halt und die Sicherheit den ich brauche um mit dem allen was da in mir lebt klar zu kommen. Ohne dich fühle ich mich hilflos und ohnmächtig weil ich nicht weiß wie ich mit all der Energie umgehen soll. Die so heftig meinen ganzen Körper in Beschlag nimmt und ich nicht mehr denken noch mich beruhigen kann.

Ja es könnte sein, dass ich auch dir dabei weh tue, weil der Schmerz in meinem inneren so groß ist. Bitte nimm mir das nicht böse sondern halte mich aus. Zeige mir, dass ich dennoch gut und ein liebenswertes Wesen bin. Denn jetzt ist die Zeit in der ich all das lerne und von dir viel Verständnis einfordere …. aber weißt du was? Irgendwann werde ich auch das beherrschen und die Welt um einiges friedlicher machen weil ich gelernt habe, was es bedeutet wirklich gehalten und geliebt zu werden und das Werkzeug habe, dass ich mich selbst halten kann. Dass ich alle Situationen und seien sie auch noch so schmerzhaft überlebe. Denn du hast mir gezeigt, dass ich dir nicht zu viel oder zu laut oder zu fordernd bin sondern dass ich bei dir sein kann wie ich bin.

Und weißt du liebste Mama, liebster Papa, das was ich jetzt lerne ist der Grundstein für die nächste Generation, es ist das wie ich später mal mit meinen Kindern umgehen werde ob ich sie verstehen, annehmen und lieben kann in der Individualität die sie als Menschen mitbringen oder ob ich sie biegen, brechen, zurecht Stutzen und erziehen muss wie ihr es vielleicht mit mir getan habt.

Wenn das nicht Motivation genug ist an sich arbeiten zu wollen weiß ich auch nicht. Ich bin dir jedenfalls sehr dankbar wenn du irgendwann begreifst was für ein Glück du mit mir hast wenn ich deine Welt mal so richtig auf und wachrüttle, denn wer außer mir sollte das denn noch schaffen? Wer außer mir wird jemals im Leben dir so nahe kommen wie ich? Für wen außer mich sollte es sich lohnen darüber einmal nachzudenken?“

11 Kommentare zu „„Kannst du mich sehen?“

  1. „Halte mich, Mama! Halte mich aus!“ Liebe Isabell, über den Satz würde sich deine Mama bestimmt freuen. Meinst du nicht, sie hätte eine Chance verdient? Das, was du mit deinen Kindern alles richtig machen willst, hat sie auch mit euch versucht und sie hat sich die größte Mühe gegeben. Das weiß ich. Und deshalb hat sie es verdient, geachtet und geschätzt zu werden als gütiger, liebevoller Mensch, als liebende Oma und Mama. Das enthältst du ihr alles vor – glaubst du, richtig zu handeln? Kannst du jeden Abend in den Spiegel schauen und dein Leben akzeptieren? Deine Mum verliert kein böses Wort über dich, aber ich sehe, wie sie leidet. Hoffentlich musst du das nicht einmal bitter bereuen…….
    Alles Gute für dich und deine Family. Ich habe mir jetzt eine Antwort angemaßt, das kann schon sein, aber weißt du noch, wie du mich angerufen hast, als Anni krank war – du hast es nur gut gemeint und ich meine es ebenso, nur gut !!

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  2. „Halte mich, Mama! Halte mich aus!“ Liebe Isabell, über den Satz würde sich deine Mama bestimmt freuen. Meinst du nicht, sie hätte eine Chance verdient? Das, was du mit deinen Kindern alles richtig machen willst, hat sie auch mit euch versucht und sie hat sich die größte Mühe gegeben. Das weiß ich. Und deshalb hat sie es verdient, geachtet und geschätzt zu werden als gütiger, liebevoller Mensch, als liebende Oma und Mama. Das enthältst du ihr alles vor – glaubst du, richtig zu handeln? Kannst du jeden Abend in den Spiegel schauen und dein Leben akzeptieren? Deine Mum verliert kein böses Wort über dich, aber ich sehe, wie sie leidet. Hoffentlich musst du das nicht einmal bitter bereuen…….
    Alles Gute für dich und deine Family. Ich habe mir jetzt eine Antwort angemaßt, das kann schon sein, aber weißt du noch, wie du mich angerufen hast, als Anni krank war – du hast es nur gut gemeint und ich meine es ebenso, nur gut !!

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    1. Hallo Elvi,
      ich kann sehr gut verstehen, dass du gerne meiner Mutter helfen möchtest und dass es schwer auszuhalten ist, wenn ein Mensch leidet.

      Dennoch alles hat seine Geschichte, alles hatte seine Zeit, alles hat seinen Grund warum es so ist wie es eben nun mal ist.
      Es geht mir überhaupt nicht um die Vergangenheit und ich glaube dir, dass sie ihr Bestes was sie im Stande war geben zu können gegeben hat.
      Mir geht es um das jetzt und hier. Um sie gegenseitige Wertschätzung und das aufarbeiten dessen was ist und was uns immer wieder voneinander trennt.
      Denkst du es fiel mir leicht den Kontakt abzubrechen? Denkst du eine Tochter macht das mal einfach so nur weil es nicht nach ihrem Kopf geht? Weißt du wie viele Jahre ich gebraucht und wie viele versuche ich gestartet habe um die Hoffnung, dass alles irgendwann gut wird, aufrecht zu erhalten?
      Und nun ist es wie es ist. Ich habe meinen Weg gefunden, meine der mich jeden Abend in den Spiegel schauen lässt und mir sagt es ist ok, gut und richtig wie es jetzt ist.
      Ich verbiete ihr weder den Kontakt zu mir noch zu den Kindern. Meine einzigste Bedingung ist die, dass wir uns mit therapeutischer Hilfe wieder annähern und darüber habe ich bis jetzt keine Antwort mehr erhalten.
      Du siehst Leid hat nicht immer nur eine Seite auch wenn man dafür gerne einen Schuldigen sucht oder finden möchte.

      Und ja auch ich mache Fehler bei meinen Kindern. Mehr als mir lieb ist und dennoch weiß ich es sind meine Kinder! Ihnen gehört meine ganze Liebe die ich im Stande bin in mir entstehen zu lassen, das bedeutet, wenn sie wütend auf mich sind, bin ich im Stande das auszuhalten. Sie zu halten und wenn sie irgendwann einmal der Meinung sind ich hätte als Mutter so große Fehler gemacht, dass sie den Kontakt zu mir abbrechen….dann habe ich es wohl verdient und dennoch würde ich die ganze Welt und jeden Therapeuten anrufen der mir Tipps geben könnte um die Beziehung zu retten. Dabei geht es um sie und mich und so viel mehr was da zwischen uns sich aufgestaut hat. Dafür braucht es Mut, Offenheit und Verletzlichkeit. Das ist kein „ich mache das mal kurz“ sondern eine bewusste Entscheidung sich dem allen was da in mir lebt und der Schmerz der zwischen uns steht zuzuwenden. Dafür muss man in einer Beziehung bereit sein, wenn man es wirklich wirklich will. Zwingen kann und will ich niemandem aber für meine Kinder bin ich bereit alles zu tun! Das ist glaube ich der große Unterschied. Es geht nicht um mich sondern nun mehr um sie.
      Alles Liebe Isi

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      1. Hallo, liebe Isi,
        es ist schön, dass du so spontan antwortest, wenn ich es auch etwas ungewöhnlich finde, dass das alles hier im öffentlichen Raum stattfinden muss. Man macht das vielleicht heute so, es ist en vogue, es kann aber auch so viel zerstören, wenn man die halbe Welt an seiner Nabelschau teilhaben lässt, meinst du nicht? Wie wirst du dich dereinst fühlen, wenn deine Kinder solche Verletzungen veröffentlichen und ihr Innerstes nach außen kehren ohne Rücksicht auf Verluste? Ich hoffe nur, dass deine Mum deinen Blog nicht liest. Mich würde das umbringen. Zum Glück sind meine Kinder offen und ehrlich zu mir/uns und brauchen diese ganze Bloggerei nicht. Wobei sicher bei uns auch nicht alles glatt gelaufen ist. Man kann auch aus Fehlern lernen und sich weiterentwickeln.
        Ich würde euch gerne helfen. Sag mir, ob ich irgendetwas tun kann.
        Ich wünsche euch von ganzem Herzen alles Gute, vor allem Frieden !!

        I believe in Karma, and I believe that if you put out positive vibes to everybody that’s all you’re going to get back !

        Take good care of yourselves
        Elvi

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  3. Sorry, ich habe etwas Wichtiges vergessen:
    …..man kann sich weiterentwickeln und vor allem VERZEIHEN !!!!! Eine der wichtigsten Tugenden im menschlichen Zusammenleben.

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    1. Guten Morgen Elvi,
      ich kann dich verstehen. Ich kann nachvollziehen dass du gerne helfen möchtest nur ist es so: du kennst meine Mama zwar länger aber nicht so intensiv wie ich oder hat sie dich auch geschlagen also monoton physisch und verbal abgewertet weil du nicht ihrem inneren Bild der Tochter entsprichst die sie gerne gehabt hätten.
      Um Leid verstehen zu können musst du deine Wertungen oder Bewertungen über einen anderen Menschen ablegen und bereit sein beide Sichtweisen kennen zu lernen um eine Neutralität herstellen zu können.
      Für das bist du aber nicht bereit. Du siehst das Leid meiner Mutter und liest meine Texte genau unter den Gefühlen die du für sie empfindest und dadurch kannst du „mich“ gar nicht sehen geschweige denn ein Verständnis dafür entwickeln.
      Und das ist ok für mich!
      Ich sage nichts gegen meine Mutter oder bin in irgendeiner Art und Weise sauer auf sie sondern auf die Krankheit die in ihr wohnt und ja die sie nicht sehen kann oder will und dessen bin ich nicht mehr bereit hinzunehmen.
      Das ist alles und wie ich bereits erwähnt habe, muss ein Mensch sehr lange und sehr viel leiden, bis er sich entscheidet diesen Schritt gehen zu wollen. Dieser Mensch hat einen sehr langen Leidensweg hinter sich gebracht bis er diese Entscheidung letzten Endes traf. Ob du den Weg meiner Verarbeitung wie ich ihn nun mit diesem Blog gehe, kannst du interpretieren wie du möchtest, weil mich das im Endeffekt nicht interessiert. Ich mache dies weil es mir gut tut, weil ich dadurch eine Freiheit erlange, sein und sagen zu dürfen was und wie ich bin ohne Sanktionen von einem System erwarten zu müssen, dass durch und durch erkrankt ist. Weil es Freiheit bedeutet das Trauma zu sehen, zu erkennen und für die Menschen die nach mir kommen, eine Heilung zu ermöglichen.
      Ich muss nur Angst haben vor Dingen die ich nicht sehen oder wahrhaben will die verschwiegen werden, in der Hoffnung sie werden ganz still und heimlich sterben. Aber das ist nicht so! Ich habe viele Anläufe versucht mit ihr ins Gespräch zu gehen aber sie will mir weder zuhören noch meinen Schmerz sehen. Also sie hätte ihre Chance gehabt und nun habe ich meinen Weg mit mir in den Frieden zu kommen gefunden. Also du hast die Entscheidungsfreiheit deinen Kindern zuzuhören und ihrem Gefühl Raum zu geben oder du nimmst sie und ihre Gefühle nicht ernst, dann wird ihre Psyche andere Wege finden um ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen.
      Was ich sagen würde wenn meine Kinder dies tun? Ganz ehrlich? Nichts weil es ihr Leben ist und wenn sie diesen Weg wählen um in ihren Frieden zu kommen stehe ich da voll und ganz dahinter! Weil dadurch nichts passiert und sich auch nichts für mich verändern wird außer dass andere Menschen ebenfalls in ihr inneres Blicken und eine Verbindung herstellen, denn das was bei mir passiert ist, kennen auch andere und es ist höchste Zeit um sich darüber auszutauschen, die Wahrheit zu erkennen und den „feind des Traumas“ endlich zu vernichten. Denn dieser ist unendlich mächtig und die Glaubenssätze und Angst die in dir lebt gehören einzig und alleine zu dir und zu niemand anderem sonst.
      Und Karma ja schön und gut aber was tu ich denn genau? Außer Friedensarbeit zu leisten. Für mich, für meine Familie, für meine Kinder, dass sie in ihre Kraft kommen, in den Glauben und die Liebe an sich selbst. So dass sie sich annehmen und dadurch andere Menschen ebenfalls annehmen und lieben können als die Menschen die sie sind ohne sich ständig getriggert, wütend oder selbstzerstörerische zu handeln!
      Meine Mutter hat Dinge getan die ich als Kind hinnehmen musste und nun nicht mehr bereit bin dies zu akzeptieren. Das ist alles!

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  4. Liebe Isabell, ich möchte gerne auch etwas sagen zu Deinem Blog und natürlich auch zu dieser Unterhaltung, obwohl mir natürlich auch bewusst ist, dass alles, was wir von uns geben, unserem Inneren entspringt. Als Du vor einigen Wochen diesen Blog gemacht hast, habe ich mich gefreut, weil es endlich einen Raum gibt, in dem Deine Gedanken und Deine Gefühle ihren Platz bekommen und einfach sein dürfen. Dass es heute en vogue ist, so öffentlich mit allem umzugehen, sehe ich aus einem anderen Licht, nämlich endlich (!) werden Altlasten aus dem Keller geholt, vor die Türe gestellt, entstaubt und letztlich einiges entsorgt. Du bist ein Segen für die, die keine Stimme haben und der Mut, sich so öffentlich selbst an den Pranger zu stellen mit allem, was da in einem ist, den bewundere ich total und weiß gleichzeitig auch, dass wir in eine neue Welt hinein gehen, in dem genau das immer mehr Normalität erfahren wird. Du gibst dem Unaussprechlichen eine Stimme, Du machst einzelne Worte zu einer Sprache und erlaubst somit anderen, sich auch aus ihrem Versteck zu bewegen und sich zu zeigen. Und nein, ich bin keine Mitläuferin, die Dir uneingeschränkt in allem folgt, sondern unsere Kommunikation bewegt sich auf Augenhöhe, wo jede genau das sein darf, was sie ist, mit allem, was in uns ist und wir erlauben uns das, das es sich zeigen darf, genauso wie die Blume, die einfach blüht, ob es jemand möchte oder nicht. Wir bewegen uns in einem völlig anderen Terrain und zwar dort, wo alte Konventionen, Normen und Regeln kein Wachstum mehr erfahren, sondern von allen Seiten gedreht und gewendet und auf ihre Brauchbarkeit überprüft werden. Das ist anstrengende Herzensarbeit und ja, verursacht manchen tiefsitzenden Schmerz, sich an die Oberfläche zu begeben und sich zu zeigen. Im Grunde sind wir Tiefseetaucher, wir gehen an Stellen, wo es zwickt und richtig weh tut und das alles, um eine bessere Welt zu kreieren. Wir sind uns darüber bewusst, dass diese bessere Welt in uns entsteht, sofern wir bereit sind, den ganzen alten Gerümpel, den wir der Liebe in den Weg gestellt haben, wegzuräumen. Wir wissen, dass das Kind in uns ob seiner Defizite und seinem erfahrenen Mangel rebelliert und uns auch immer wieder in die Irre lenkt, dass es noch etwas nachzuholen oder zu reparieren gäbe, mit dem wir auf andere Menschen angewiesen wären. Wenn Schuld-, Scham- und Angstgefühle in uns aufsteigen, dann schauen wir hin und nicht weg, nehmen unser Kind in den Arm und erleben seinen Schmerz und sein Leid, über nicht gehalten worden sein, über nicht im Leben wirklich ankommen dürfen, nicht gesehen, nicht beachtet worden sein, keine Geborgenheit, keinen Halt erfahren haben, letztlich kein wirkliches Fundament für ein So-Sein-wie-wir-sind, entwickelt zu haben. Wir übernehmen Verantwortung für uns uns wissen, dass nur das der einzig gangbare Weg hin zu einem besseren und glücklichen Leben ist. Ich mag die Diskussionen mit Dir, ich liebe Deine Texte, weil sie mir zeigen, wo auch meine „Löcher“ sind und wo ich mich schon bewege oder der Angst noch aus dem Weg gehe. Ich gehöre der Generation Deiner Mutter an, habe zwei Töchter, die in Deinem Alter sind und ich habe gelernt, mit ihnen über ihre Gefühle, Gedanken und Beweggründe zu diskutieren und mit ihnen danach mit Tränen im Gesicht in den Armen zu liegen, einfach anzukommen in dem Moment, in diesem Leben, in dem vieles durch vergangene Dogmen und Strafen noch verschüttet liegt. Meine Mutter gehört einer anderen Generation an, die viel Leid und Angst erfahren haben, die ihre Gefühle abstellen musste und durch ihre Kinder getriggert wurde mit ihrer eigenen nicht gelebten Kindheit und den dazugehörigen Gefühlen wieder in Konfrontation zu kommen. Sie mussten alles abstellen und haben sich selbst irgendwann so weit abgestellt, dass sie sich nicht mehr fühlen können. Für sie ist das alles Normalität geworden und ja, wir wissen das, Du genauso wie ich und mit uns ganz viele Menschen, die dem Schweigen ein Ende bereiten wollen und Angst und Schrecken endlich eine Stimme geben wollen, damit unsere Nachkommen nicht auch schweigend durch ihre Leben gehen müssen, wohl wissend, dass unter dem alten Teppich immer noch all der Dreck der letzten Jahrzehnte liegt. Wir decken den Teppich auf und holen den Schmutz hervor, wir machen öffentlich, was andere sich (noch) nicht trauen zu sagen, wir ebnen den Weg für ein neues Bewusstsein der Menschen und haben gleichzeitig die Intention unsere noch lebenden Bezugspersonen von einst, mitzunehmen. Nein, wir sind nicht mehr deren Kinder in dem Sinne, wir sind erwachsen geworden, haben uns abgenabelt oder sind gerade dabei, und doch, wir wissen, dass wir ihre Kinder bleiben und unsere Kinder auch die unseren. Wir wissen das und doch wissen wir auch, dass wir, sobald wir erwachsen sind, gleichberechtigte Partner sein und uns auf Augenhöhe begegnen können. Unsere Sehnsucht besteht darin, alle mitzunehmen, das zu fühlen, was wir fühlen und gleichzeitig bestehen unsere größten Ängste daraus, jemanden zurück lassen zu müssen. Jedoch auch da haben wir gelernt oder sind gerade dabei, es zu lernen, dass es nicht so ist, sondern dass alles unserem Inneren entspringt und nur hier erlöst werden kann. Wir haben gelernt nach innen zu schauen, sich auf uns zu verlassen und das Lernen geht jeden Tag weiter, weil genau das ist das Leben. Was ich Dir persönlich noch sagen möchte, höre auf Dein Herz, schütze es, wenn Du spürst, dass es geschützt werden möchte und lebe und liebe das Leben, welches Dir den Weg weist. Lebe den Augenblick, denn nur hier hast Du die Macht und die Wahl Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig zu wissen, egal, wie sie aussehen mögen, in dem Moment war alles richtig. Der Augenblick ist kostbar, das kostbarste, was wir besitzen. Mach weiter so, Du bist auf einem guten Weg, auch wenn es weh tut und manchmal richtig schwierig wird, höre immer wieder auf Dein Herz, auf die innere Stimme, die Dir sagt, was für Dich richtig ist. Und noch eines, die vor uns haben riesige Angst vor Fehlern, die sie gemacht haben könnten, weil sie nicht realisieren können, dass es Fehler in dem Sinne nicht gibt. Sie wurden in ihrer persönlichen Freiheit so eingeschränkt, dass sie nur den Grund, der ihnen blieb, noch sehen können und viele haben es einfach versäumt, das auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und zu hinterfragen. Nun klopfst Du an die Tür und es ist verständlich, dass diese sich nicht sofort oder vlt. auch gar nicht mehr öffnen wird. So ist es ratsam immer wieder bei Dir anzukommen, weil nur hier, in Dir ist der einzige Reichtum, der Dich das alles aushalten lässt und den Schmerz letztendlich in Liebe verwandelt und was dann ist, tja, das werden wir dann sehen, oder?

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    1. Wow so viele Wörter die eine Tiefe beschreiben die ich lange Zeit nicht habe wahrnehmen noch sehen können! Ich immer wieder gefallen, aufgestanden und mir gedacht habe, verdammt was an mir ist so falsch und dann lernte ich irgendwann mit dem Herzen zu sehen und in meinem Körper zu fühlen. Dass da etwas ist, dass da etwas lebt und das war der kleine Vorgeschmack des Glücks, der Lebendigkeit, der Dankbarkeit, der Liebe. Ja ich glaube viele verstehen den Reichtum ihrer inneren Welt noch nicht oder können/wollen es aufgrund der Leere ihres inneren Kindes (das den Schmerz zurückhält) nicht fühlen. Sie sind da und doch sind sie nicht da und führen einen Krieg gegen die Welt da draußen weil der Feind im Inneren so laut nach einem Schuldigen schreit. Es ist ein Spiel, ein sehr sehr trauriges Spiel…. und deshalb bin ich von Herzen dankbar dich getroffen zu haben. Du die mir immer wieder den Spiegel vorhält und keine Angst davor hat mir so richtig radikal die Meinung zu sagen. Danke, danke dass wir uns öffnen und zusammen wachsen können, uns Sicherheit geben in den Momenten in denen die Unsicherheit oder unser Wächter der alten Prägung laut nach uns ruft. Und wir ihn dennoch durchschauen und unseren neuen Weg weiter beschreiten können. Wir haben Angst so unglaublich viel Angst und ich frage mich ehrlich gesagt vor was? Wenn wir nicht glücklich sind warum bringen wir dann nicht den Mut auf einfach mal los zu gehen und etwas anderes zu versuchen. Weil genau das ist es, das Alte macht uns nicht glücklich also gehe ich los, probiere aus, vielleicht scheitere ich, vielleicht aber erreiche ich das ein oder andere Herz eines anderen Menschen und schon hat sich dieser Blog für mich gelohnt. Meckern und nichts zu tun ist eine sehr destruktive Lösung. Aber die Welt braucht Menschen die mutig sind, die hinschauen, die ins Handeln kommen und über sich hinauswachsen können. Danke 🙏 danke für diese Unterhaltung. Sie hat mir wieder so viel Bewusstsein gegeben, über die Veränderung die bereits in mir geschehen konnten!

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  5. Danke für deine ausführliche Antwort, Isi ! Ich beschließe diese Kommunikation mit dem Gedanken von Frau Seidel und hoffe, du mögest trotzdem wieder an die Tür klopfen . Never give up hope !!
    Alles, alles Gute
    wünscht dir Elvi (Für mich ist dieser Talk jetzt beendet )

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  6. Es geht nicht darum, wieder an die Tür zu klopfen, um dem alten Ballast zu begegnen, sondern Veränderung beginnt genau in dem Moment, wo zwei Menschen aufeinander zugehen können, die bisher keinen Einklang miteinander gefunden haben. Hoffnungen haben bedeutet abzuwarten, dass etwas geschieht, was mich in die Defensive treibt und wo ich mich abhängig von dem anderen Menschen mache, da ich ihm die Entscheidung überlasse, wann, wie und wo er sich wieder bei mir meldet. Die Kunst liegt darin erst einmal zuzuhören und sodann die Angst zu überwinden, sofern ein aufeinander zu gehen noch möglich und förderlich ist. Manchmal ist es besser, eine verschlossene Tür auch zu zu lassen, weil entweder nicht der richtige Zeitpunkt für eine Annäherung ist oder das sich schützen müssen, wichtiger als der Kontakt ist. Die Zeit heilt alle Wunden, sagt ein altes Sprichwort, welches für mich so noch nie Gültigkeit hatte. Meine Erfahrung ist die, dass die Zeit mir dabei hilft, mit meinen Wunden zu leben. Was noch kommen wird, weiß ich heute nicht, denn das Leben zeigt sich erst in der Unmittelbarkeit des Augenblicks. Wir möchten so gerne den anderen verändern, um das Leben in eine Schatulle zu pressen, von der wir glauben, dass wir in ihr einen Schatz hüten könnten. Kaum jemand ist bereit, das Korsett der Angepasstheit und Starrheit ein wenig aufzuschnüren und es irgendwann abzulegen. Wir müssten uns nackt machen, uns zeigen mit Schmerz und Pein bis auf den Boden der tiefsten Tiefen und doch, da wir hier keine Kontrolle mehr über die Geschehnisse haben werden, geben wir auf und kontrollieren wieder jede einzelne Minute unseres doch so kostbaren Lebens. Zu einer Veränderung gehören immer zwei, die sich auf Augenhöhe begegnen, alles andere wäre glatter Selbstbetrug. Kein Mensch, der ein wenig in seiner Tiefe gearbeitet und Mechanismen in seinem Leben verstanden hat, wird sich nochmals in eine ausweglose Situation begeben, weil das absolut töricht wäre. Und doch bleibt das Ende offen; es ist immer so, dass das Ende so lange verhüllt bleibt, bis der Schleier sich hebt und wir sodann endlich sehen können. Und liebe Isabell, was ich schon einmal vorweg nehmen möchte …….. gewöhne Dich daran, die Ver-rückten sind wir, weil wir nichts, einschließlich uns, mehr an dem Platz lassen, wo es vorher gewesen ist.

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