Mein geliebtes inneres Kind

Es ist ein Moment, ein Moment der dir vorkommt wie eine Ewigkeit. Der dich umhüllt von schwere von Ohnmacht, von Hilflosigkeit und unendlicher Wut. Ja du bist sauer, so richtig wütend. Dein Herz rast, dein Körper bebt. Du könntest gerade alles vernichten. Du fühlst wie alle Energie aus dir herausgezogen wird und du nicht im Stande bist dich zu regulieren.

„Scheiße, scheiße noch eins“ „Du Kind, du Ehemann/Ehefrau/Freundin/Freund“ wie kannst du mir nur so etwas antun. Wie kannst du mich nur so verletzten. Mich der Mensch der sich freiwillig für dich entschieden hat und du bist undankbar. Siehst und hörst mich nicht. Schenkst mir keine Anerkennung, kein Wohlwollen. Wie konnte ich nur so dumm sein? Wie konnte ich mich nur in jemanden verlieben der mir die ganze Zeit zeigt, dass ich nicht gut genug bin. Nicht liebenswert genug. Einfach nichts Wert bin und mal ehrlich irgendwann verlässt du mich doch sowieso. Oder ich sitze da und rede nicht. Kein Ton, nichts, weil ich nicht weiß was du von mir willst. Weil ich nicht weiß wie Beziehung geht. Es ist zu viel. Zu viel Nähe, zu viel Gefühl, zu viel Angst und Überforderung.

Hör auf! hör endlich auf und lass mich mit all deinem „ich bin nicht gut genug“ in Ruhe. Ich halte es nicht mehr aus! Mein Körper schmerzt. Ich atme und versuch mich irgendwie zu beruhigen. Aber es kommen mehr Gedanken und mehr Gefühle und mehr Schmerz noch mehr Schmerz und du bist Schuld oder die Kinder oder….. ich nicht, ich bin gut und richtig und bin im Recht! Ich mache vieles richtig und bemühe mich aber du, du bist so undankbar. Wie blind konnte ich nur sein.“

Das kann ein Innerer Dialog eines verzweifelten kleinen Kindes im Körper eines Erwachsenen sein. Das da sitzt und dem alles zu viel wird. Das durchflutet ist von überforderten Gefühlen aus der Kindheit und das sich dessen nicht bewusst ist. Es ist die Wut, die Wut die das Kind davor beschützen möchte fühlen zu müssen. Empathie entwickeln zu können um in das Mitgefühl und die Trauer zu gehen. Aber der Stress aufgrund der überforderten Gefühle haben den Frontalen Cortex bereits ausgeschaltet und du wütest vor dich hin. Schreist und suchst nach Schuldigen um deinen Gefühlen entkommen zu können.

Du wünscht dir dass es aufhört, dass es endlich vorbei ist. Dass du wieder in die Entspannung und den Frieden kommst. Dass du nicht mehr das Gefühl hast gleich durchdrehen zu müssen.

In dir stecken so viele ungeweinte Tränen, Angst, Ohnmacht und Überforderung, für all die Momente in denen du alleine gelassen wurdest.

Aber nun bist du groß, nun bist du der Erwachsene und du hast die Möglichkeit zu handeln. In dem du dich aus all diesen Momenten befreist. Und dann schließe die Augen und stell dir dich als kleines Kind vor in einem Moment der dir heute noch in deinem Herzen weh tut. In dem du dich besuchst in den Situationen von damals und sagst

„Hallo mein Schatz, hier bin ich endlich. Ich habe deinen Ruf nach mir gehört, deine Verzweiflung, deine Wut die du auf diese blöde scheiß Welt hast. Weil niemand da war der dir helfen konnte. Weil du alleine warst. Mutterseelenallein und es niemand gab der dich gesehen hat, der dir geholfen hat in Momenten in denen es für dich so richtig scheiß weh getan hat. Es war absolut niemand da der dich dann umarmt und dir all die Liebe geschenkt hat. Es war keiner da der sagt, ich sehe dich endlich, komm in meinen Arm, ich liebe dich, du bist mir wichtig.

Aber nun kannst du das. Geh hin zu deinem Kind. Höre ihm oder ihr zu was er/sie dir zu erzählen hat. Ob sie oder er dir noch vertraut oder das Vertrauen in dich bereits verloren hat. Darfst du hingehen und dein Kind umarmen oder schreckt es vor dir zurück? Wie alt ist es? Wo siehst du es? Steht oder liegt es da? Weint und schreit und tobt es weil du es so lange nicht sehen wolltest oder liegt es zusammengekauert auf dem Boden und hat bereits aufgegeben? Dann spreche mit ihm oder ihr, sag dass es dir Leid tut. So unendlich Leid, dass du sie oder ihn immer wieder im Stich gelassen hast – so wie deine Eltern es bereits viele Male mit dir getan haben. Und dann, vielleicht, eines Tages wird es sich öffnen und ihr könnt euch sehen. Umarmen. Euch all die Liebe schenken von der ihr immer geträumt habt. Dieses ankommen in dir selbst und die Akzeptanz dessen was du bist anzunehmen und nicht dessen was du sein sollst.

Dann bist du endlich wieder da, bei dir, als das Wesen das du immer schon warst und das nicht gesehen werden konnte. Dann kannst du sagen: „Ich liebe dich mein Kind. Es tut mir Leid für all den Schmerz den ich dir zugefügt habe, weil ich so große Angst hatte all diese Schmerzen, die du ertragen musstest, fühlen zu müssen. Aber nun bin ich da und ich halte dies aus, weil ich nun groß bin, erwachsen und ich mich um dich mein Kleiner oder meine Kleine kümmern kann. Du kannst mir vertrauen und ich werde mich ab jetzt gut um dich Sorgen. Du bist ok und in Ordnung, vollkommen in Ordnung und das warst du schon immer! Nur konnten dies deine Eltern nicht sehen. Ich werde dir zuhören und da sein wenn du mich brauchst. Ich werde mit dir trauern, schreien und toben wenn die Wut erst einmal raus muss. Und dann werde ich dich umarmen und halten. Einfach nur halten.“

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