Kinder und Gewalt, wie passt das zusammen?

Warum haben Kinder die Gabe die schlimmsten und für uns als unangenehm und beschämend empfundenen Seite in uns sichtbar werden zu lassen. Weil sie vielleicht die einzigen Menschen sind, die unserem Herz so nahe kommen, dass es weh tut? Die wir so unendlich lieben und gleichzeitig sehr wütend werden können? Mit niemandem gehen wir so respektlos und erniedrigend um als mit unseren Kindern. Dessen müssen wir uns einmal ganz knallhart stellen. „Liebes Kind, entweder du verhältst dich nach meinen Spielregeln oder ich….schreie, drohe, entziehe dir all meine Liebe, dass du merkst wie viel Macht ich über dich habe. Du sollst funktionieren hörst du? Das ist mein Wunsch an dich! Du musst funktionieren.“

Ist das dein Wunsch? Wirklich? Der, dass sich dein Kind irgendwann selbst innerlich ablehnt und für blöd und dumm hält weil du es immer wieder so behandelst? Weil du über dich ähnliches denkst? Ebenso hart und kalt gegenüber dir selbst auftrittst?

Machen wir uns bewusst, dass erst im Jahr 2000 ein Gesetz zur Ächtung der Gewalt an Kindern in Kraft trat. Ab diesem Zeitpunkt haben Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Aber bis dieses in Kraft trat mussten viele Säuglinge, Babys, Kinder und Jugendliche Gewalt, Übergriffe und Misshandlungen über sich ergehen lassen und/oder kamen dabei zu Tode. Für den Saat oder das Jugendamt ist es äußerst schwer rechtzeitig, außer in einer akuten Gefahrensituation eine Inobhutnahme anzuordnen, den Überblick zu behalten. Es werden immer noch zu viele Kinder geschlagen, sagen wir physisch und emotional misshandelt, gedemütigt. Weil es niemanden interessiert.

Dein Kind kommt zwar durch dich aber es gehört dir nicht. Es wird dir auch niemals gehören sondern es gehört einzig und allein sich selbst und wenn du das nicht erkennst, es nicht achtest und ehrst wird es irgendwann den Schmerz nicht mehr aushalten und gehen. Es wird sich von dir abwenden oder im schlimmsten Fall sich selbst verlassen. Dann ist es mehr Tod als lebendig. Kinder sind in einer Familie immer das schwächste Glied. Ohne uns sind sie nicht im Stande zu überleben. Sie sind abhängig ob sie wollen oder nicht und wir nutzen dies unbewusst aus. Weil wo bitte sollen sie denn hin? Das hier ist ihr zuhause.

Es gab noch niemals so viele Anlaufstellen um Hilfe in Anspruch zu nehmen wie in unserer heutigen Zeit. Ich als Erzieherin und Sozialpädagogin stand irgendwann mit meinem drei Monate alten Sohn im Sozialpädiatrischen Zentrum und mit sechs Monaten in einer Beratungsstelle der Diakonie. Weil ich nicht mehr konnte. Weil ich als Mutter überfordert war und mir nicht mehr zu helfen wusste. Weil ich Verhaltensweisen an mir entdeckte, die mir Angst machten und mit denen ich nicht mehr leben wollte. Weil ich nur noch Verhaltensweisen bei meinem Sohn wahrnahm die mir es schwer machten ihn zu lieben.

Und dann saß ich da in der Beratung und heulte Rotz und Wasser. Ich fühlte meine ganze Überforderung und kam kaum zum erzählen. Ich dachte, wenn das so weiter geht bringe ich mich um und meinen Sohn ebenfalls. Ich war körperlich aber besonders psychisch am Ende. Das Leben wollte ich so definitiv nicht mehr führen. Also saß ich da und wurde von einer Kollegin beraten. Sie hörte zu und hatte die Idee, Filmaufnahmen von meinem Sohn und mir zu machen um sie einige Tage später zu besprechen und genau das taten wir. Durch ihr Verständnis und das fließen lassen meiner Emotionen bekam ich erneut Kraft und konnte anhand der Filmaufnahmen sehen, was für ein wundervolles Baby ich hier habe. Wie aufmerksam er mich beobachtet. Wie sehr er an einer Interaktion mit mir bemüht war und dass sich irgendwann alles auch wieder ändern wird.

Ich akzeptierte das was ist und nicht das was ich mir gewünscht habe. Das ist mein Kind welches ich von ganzem Herzen nun annehmen und all meine Liebe zukommen lassen kann. Ich besorgte mir Hörbücher und legte mich zusammen mit ihm schlafen um mich ebenfalls auszuruhen und gewann die Liebe zur Natur und zu den Tieren. Ein immer gleicher Ablauf und plötzlich war meine Kraft zurück.

Selbst jetzt lege ich mich noch jeden Tag mit meinem kleinen Sohn zum Mittagsschlaf hin während der Große am iPad spielen darf. Das war nie mein Wunsch oder meine Vorstellung aber das Leben ist kein Wünscheerfüller sondern das Bewusstsein aus jedem Moment für alle das Beste herauszuholen. Denn der Richter der darüber urteilt was gut und schlecht war, bist du, ganz alleine du. Denn du musst wissen ob du leiden möchtest um irgendwelche Erwartungen zu erfüllen oder ob du leben und Kompromisse machen möchtest. Ja dann gibt es nun einmal das iPad und Mama hat Zeit für sich, damit sie später wieder Zeit und Energie für uns hat.

Ich jedenfalls bereue keinen einzigen Schritt von damals. Ich würde mir immer wieder Hilfe holen und tue dies immer noch wenn ich regelmäßig Termine bei meiner Therapeutin ausmache. Das ist Selbstfürsorge, das ist Selbstliebe. Ich freue mich sogar darauf, da ich jedes Mal wieder neue Erkenntnisse über mich selbst gewinne und empfinde dies als eine wundervolle Vorbildfunktion für meine Kinder, dass auch sie bereits durch mich oder uns lernen, dass Leid kein normaler Zustand in unserem Leben sei muss und jeder die Handlungsmacht hat etwas dagegen zu tun. Die Verantwortung dafür zu sich selbst zurück zu holen und sich um sich selbst zu kümmern.

Darüber bin ich stolz und unendlich dankbar. Denn ich muss mich als wahrhaftiger Mensch finden um mich glücklich zu machen und dadurch ergibt sich ein Ablauf der ganz von selbst ineinander übergeht. Wie ein Wasserspiel, das ineinander fließt, ganz weich und geschmeidig um am Ende in einem großen und ganzen Sein der unendlichen Liebe von Neuem zu beginnen. Das ist dann keine Arbeit sondern Freude am eigenen Tun, am Gestalten und Mitwirken seines Lebens, das in einer aus tiefsten Herzen empfunden Dankbarkeit und Demut heraus entwickelt wird. Dein Kind ist und du bist. Das ist alles und dann vertraue darauf, in dem Bewusstsein, dass diese Erde mehr ist als du es mit deinem Verstand jemals erfassen wirst.

Meine Kinder sind meine Lehrmeister. Immer, jeden Tag. Danke, dass es euch gibt. Ihr seid perfekt! Für mich absolut perfekt auch wenn ich es manchmal nicht sehen kann. Mein Herz ist sich dessen immer bewusst und dann entschuldige ich mich für meine Unachtsamkeit und meine unbewussten Handlungen.

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