Meine Welt ist nicht die Welt meines Kindes.

Mein kleines zerbrechliches Wesen. Du, welches das Leben liebt, welches es entdecken, erkunden und erforschen will. Du, der so sehr angezogen wird von dieser Welt, vom Lernen und verstehen wollen. Immer und ständig.

Ich komme kaum hinterher, all das durcheinander zu beseitigen, dass ihr hier täglich hinterlasst. Aber ihr macht es mit so viel Liebe und Hingabe. Ich habe es mittlerweile akzeptiert, dass das Leben nun einmal nichts mit Kontrolle oder Vorstellungen zu tun hat sondern daraus besteht sich darauf ein zu lassen. Ich sehe und beobachte meine Gedanken und tue nichts. Weder mich Ärger noch gebe ich ihnen die Erlaubnis, dass ich nun mein Verhalten an sie anpasse. Es ist wie es ist und in ein paar Monaten oder Jahren verändert sich wieder alles.

Mein „Feind“ sitzt in meinem Kopf, in meinen Beziehungsmustern, Konditionierungen und Prägungen. Wenn du nicht aufpasst hat er die Führung über dein Leben, was du tun und lassen sollst, wie du dich gegenüber anderen oder im Job präsentierst. Du agierst, ständig anstatt zu reagieren und dann kommt da ein kleines Wesen auf diese Welt. Es möchte dich kennenlernen und lässt sich auf dich ein und du? Was tust du?

Du möchtest ihm deine Welt erklären was es zu tun und zu lassen hat, wie es zu fühlen und zu denken hat, wie es sich aus deiner Sichtweise verhalten soll. Warum? Wie fühlt es sich an wenn dich ständig jemand bewerten würde. „Du backst den Kuchen falsch, hast schon wieder das Geschirr stehen lassen, du könntest dir in der Arbeit ruhig ein bisschen mehr Mühe geben, die Wäsche müsste besser gebügelt sein, ein gesünderes Mittagessen wäre von Vorteil und mit deinem Kind hast du heute auch noch nicht gespielt?“ und das monoton, immer hängt dir diese Person mit ihrer Stimme am Ohr. Wie wäre das?

Und nun schau auf dein Kind, beobachte was du tust, was du sagst, wie du über es sprichst und was du über es denkst?

Wann ist es lieb und wann nicht? Wovon hängt dies ab? Was machst du wenn es einen scheiß Tag hat und aus dem Nörgeln nicht mehr heraus findet? Bestrafst du es für seine Emotionen? Weil du es nicht aushältst? Weil du dir Ziele am Morgen gesteckt hast die du abends abarbeiten wolltest und nun dein Kind dir einen Strich durch die Rechnung macht?

Wie oft plane ich was und wie oft sage ich es wieder ab, streiche es von meiner Liste. Warum? Weil es sich nicht lohnt. Es ist schon genug Stress vorhanden um im Laufe des Tages alle Bedürfnisse erfüllen zu können warum also sollte ich mir noch mehr Last zulegen. Dann nicht. Dann sitzen wir einfach im Garten und gießen so lange die Kinder wollen. Ich fülle so oft die Gießkanne auf bis sie keine Lust mehr haben oder sitze einfach nur da und schau ihnen zu, wie sie über die Wiese rennen. Und es macht mir Freude. Der Druck kommt nicht von den Kindern sondern von uns, „komm schon, beeil dich“ und wenn ich als Kind nun mal noch keine Selbstregulation habe und ständig etwas erwartet wird ist relativ schnell und in relativ kurzer Zeit das Konto des Anderen leer und wenn ich dann noch mehr will. Gibt es einen Wutanfall oder sagen wir einen kleinen Nervenzusammenbruch weil dein Kind sich weder gesehen, noch gehört, noch gefühlt fühlt von DIR!

Ich liebe den systemischen Ansatz. Da er das große Ganze umfasst und niemals einen einzelnen Menschen. Wenn einer aus dem System ausbricht ist es nicht der, der krankt und wieder genesen muss, sondern der der zeigt, dass etwas nicht stimmt. Auf ihm liegt der Fokus der Dynamik, der alle Beteiligten mit beeinflusst. Aber besonders liegt der Schwerpunkt zwischen den Eltern und dann erst zwischen Kind und Eltern.

Deshalb, wenn dein Kind sich „ daneben“ benimmt hat es meist seinen Grund und da ist es wichtig diesem auf die Schliche zu kommen, wo es im System krankt und gemeinsam daran zu arbeiten.

Ich lerne so viel, jeden Tag und es ist schmerzhaft, wenn ich spüre was für Fehler ich schon aus Unwissenheit gemacht habe und gleichzeitig bin ich dankbar für all das was ich dann neues erfahren und lerne, um das Leben zwischen mir und meinen Kindern zu erleichtern.

Denn wenn ihr Tank gefüllt ist sind sie auch wieder bereit zu kooperieren und wenn nicht dürfen ihre Gefühle sein, da sein, ihren Platz einnehmen. Sie dürfen schreien und toben und ich sitze da und bin anwesend, in Kontakt mit ihnen und warte bis der Sturm vorbei zieht ohne darauf Einfluss zu nehmen. Denn jetzt bin ich da, jetzt kann ich sagen „du bist nicht allein, wir stehen das zusammen durch“ später geht das nicht mehr. Dann müssen sie auf das zurück greifen was sie kennen, was sie erlebt und durchlebt haben. Ich habe meist das Bild vor Augen, was ich gerne weiter geben möchte, wie meine Kinder mit ihren Kindern umgehen werden und das hilft mir auf meinem Weg zu bleiben.

Ein kleines Beispiel will ich noch nennen:

Unser Sohn hatte vor ein paar Wochen Geburtstag und er hat ein Gokart geschenkt bekommen welches mehrer hundert Euro gekostet hat. Er fand es toll die einzelnen Teile zusammen zu stecken und fest zu schrauben. Irgendwann saß er dann am Tisch zwischen meinem Mann und mir, irgendwie traurig. „was ist denn los“, fragte ich ihnen und er sagte „ Mama, ich bin traurig weil ich mir mehr Geschenke gewünscht habe.“ „Mehr Geschenke zum auspacken?“, fragte ich ihn. „Ja genau“, antwortete er. „Ach mein Schatz, das tut mir leid, diesen Wunsch kann ich dir leider nicht mehr erfüllen. Entschuldige“ „Ach schon gut Mama.“ sagte er, sprang auf und rannte gut gelaunt zu seinem Fahrzeug.

Wie ihr seht, es geht um das hier, um das jetzt, um das ernst nehmen der Emotionen und nicht um die Moral oder die Worte, sondern um das was dahinter steckt. Und ja ich kenne die Sprüche „kannst du nicht genug bekommen, können wir dir schon wieder nichts recht machen, was willst du denn noch, nie bekommst du genug.“ und das ist mein Schmerz und der darf auch schön bei mir bleiben und hat bei meinen Kindern nichts zu suchen.

Deshalb geht es darum, dass ich sie und ihre Welt kennen lerne und mich auf sie einlasse, damit sie auch bereit sind meine Welt kennen lernen zu wollen. Freiwillig, mit Neugier und Interesse.

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