Starkes „Ich“ und starkes „Du“

Was eine wohlwollende Beziehung ausmacht, haben wir nicht gelernt, haben wir nicht gefühlt und nicht vorgelebt bekommen.

Vielleicht hatten ein paar einzelne Personen das Glück in einem Elternhaus aufzuwachsen in dem die Eltern einen würde und respektvollen Umgang gepflegt haben, die ihre Bedürfnisse, Wünsche, Grenzen kannten sowie ihre eigene Person als Bereicherung und Wertschätzung erlebt haben.

Bei vielen ist dies aber nicht der Fall und wir sind auf Wegen unterwegs die wir einerseits kennen und das wiederholen was wir erlebt haben oder wir uns manchmal sehr unsicher und einsam anfühlen, wenn wir Neues beginnen zu durchschreiten.

Es ist wie ein Buch dessen Seiten neu von uns geschrieben werden. Jedes Wort, jeder Satz ist ein kleines Wunder entstanden aus den Gedanken die aus dem nichts auftauchen und für immer in schriftlicher Form festgehalten werden.

Wenn wir uns für den neuen Weg entscheiden stehen wir erst einmal im Nirvana, im so genannten „Niemandsland“ denn das was du einst über dich selbst geglaubt hast und was dein Selbstbild jahrelang aufrecht erhalten hat, gibt es nichts mehr. Du stehst da mit einer unendlichen Leere und Traurigkeit das fühlen zu „müssen“ was sich bereits vor dir in deinem Körper angestaut hat und sich nun endlich in Worte fassend zu Materie entwickelt und durch deinen Mund, deine Stimme, durch ein Wort in diese Welt entlassen lässt.

Deine Worte schweben durch die Luft und auf einmal fühlt sich innerlich alles so viel leichter an. Ja ich habe meine Geschichte, nein es geht niemals um Perfektionismus oder sich schützen zu müssen weil die Welt böse ist oder etwas böses will, es geht darum, dass ich als Mensch dieses Leben geschenkt bekommen habe mit einem unantastbaren Wert. Ich bin wertvoll und das unabhängig von dem was sich durch mein Verhalten zeigt.

Das eine sind Strategien die sich verändern lassen aber das Andere ist eine Tatsache.

„Ich bin eine Bereicherung für diese Welt auch wenn ich es innerlich in mir, in manchen Momenten, noch nicht zu 100 Prozent spüren kann.“

Unsere Kinder können dies noch. Unsere Kinder wissen sehr klar was ihnen gefällt, was sie wollen oder ihnen gut tut manchmal können wir ihnen ihre Wünsche erfüllen und manchmal auch nicht. Dann entsteht die Wut, die Hoffnungslosigkeit und Trauer.

Dann stehen sie da, schreien, werfen sich auf den Boden, schimpfen, treten, beißen. Ihr Nervensystem ist in einem komplett dysreguliertem Zustand. Die neueren Gehirnregionen wie der präfrontale Cortex haben sich abgeschalten und evolutionär ältere Regionen sind aktiv und lassen uns ausagieren. Dies passiert aufgrund des Hormons Adrenalin das durch das aktivieren des Sympathikus ausgeschüttet wird. Unser Kind ist weder kognitiv in der Lage sich zu beruhigen und zu reflektieren noch kann es hören was wir sagen.

Das was durchdringt sind Stimmungen, Energien, Empathie für den Gefühlszustand den unser Gegenüber gerade durchlebt. Erst durch das Bewusstsein, dass wir in uns in Sicherheit befinden, beginnt der Parasymathikus sich zu aktivieren, plus der dorsale Vagusnerv, der den Blutdruck und den Herzschlag reguliert sowie sofort damit anfängt den Körper zu entgiften.

Darum braucht es ein starkes „Ich“ das sich auf den Weg macht, um sich selbst kennen zu lernen, den Mut zu haben neue Wege zu gehen und das Vertrauen, dass dies für die eigene Familie die richtige Entscheidung ist. Es braucht Menschen die sich ihrer selbst bewusst werden wollen. Einen neuen Zugang zu sich finden. Ihre Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche und Grenzen neu entdecken wollen. Dadurch Mitgefühl für sich selbst aber auch für die Menschen um sich herum zu entwickeln.

Wenn ich wieder selbst mit mir in einer wahrhaftigen Verbindung stehe, kann ich mich annehmen mit all meinen guten und weniger guten Seiten. Ich bleibe offen und reflektiert. Sehe was ist und nicht was sein soll. Erlebe meine Gefühle nicht mehr als Bedrohung sondern als ein kommen und gehen. Mir ist bewusst, dass ich der Fels in der Brandung bin und mit, alles an mir und meinem hoffentlich regulierten Nervensystem liegt, ob wir einen Konflikt wohlwollend begleiten oder aber eskalieren lassen.

Egal wann und wo es zu einem Konflikt kommt! Unsere Kinder sind immer in NOT, sie können aufgrund unserer Entwicklung sich überhaupt nicht anders verhalten als es evolutionär in unseren Genen vorgegeben ist.

Deshalb ist es kein unerzogenes Kind weil es schreit, sich auf den Boden wirft, haut und kratzt sondern ein Kind das ganz dringend einen erwachsenen Menschen braucht der sagt „ich sehe dich, deine Verzweiflung und deine Wut. Ich bin für dich da.“

Es ist nicht mehr und nicht weniger als die Achtsamkeit in diesem Moment trotz dieser ganzen Gefühle in einer Verbindung zu bleiben und zu warten bis der Sturm vorübergezogen ist und erneut Ruhe einkehren kann.

Dann werden alle unsere Gefühle in unserem Leben integriert und ich bin geliebt auch wenn ich wütend oder traurig bin.

Ich fühle das was ich erlebe und erlebe das was ich fühle, wenn wir uns dagegen stellen, stellen wir uns gegen die Natur und das funktioniert nicht.

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