Von Ignoranz und Arroganz

Das Leben ist eine Reise, eine emotionale Reise. Entweder versuchen wir ein bestimmtes Gefühl in unserem Inneren zu erzeugen oder wir versuchen davor zu fliehen, um es nicht fühlen zu müssen. Getrieben von der Angst die tief in unserem Inneren lauert und innerhalb von Sekunden alles vernichten könnte, wenn das was da schlummert in unser Bewusstsein rücken würde. Dann überleben wir.

Also leben wir weiter mit den vielen Häuten, Schichten, die wir uns im Laufe der Reise zugelegt haben. Kämpfen gegen uns selbst. Gegen die Wahrheit, die irgendwie versucht an die Oberfläche zu kommen. Dies führt dazu, dass wir auch die Gefühle unserer Kinder nicht spüren, deuten und aushalten können.

Gerade kommen wir von unserem Kurzurlaub zurück. Es war schön, wunderschön. Menschen zu treffen, die wir lange nicht mehr gesehen aber mit denen wir tief im Herzen verbunden sind.

Als nun unser Sohn am Ende des Urlaubs begriffen hat, dass wir nun nach Hause fahren, war die Leichtigkeit, das Glück, die Freude weg, von einem Moment auf den anderen. Dann stand ein tief trauriger Junge vor mir, der mich anschrie „ Mama ich will aber nicht heim, ich will nicht heim, ich will auch nicht weiter…. ahhhh, Mama ahhhhh.“

Er schluchzte, der Körper bebte und tobte. Ich nahm ihn in den Arm, fest in den Arm. Ich fühlte seinen Schmerz, seine Enttäuschung, sein Unverständnis, dass so etwas schönes nun enden soll. „ich verstehe dich so gut mein Schatz. Es war schön so schön und nun gehen wir heim. Das ist blöd, das ist so richtig, richtig blöd.“

Und dann saßen wir da, auf der nassen Brücke. Ich hielt mein wütendes, schreiendes Kind fest im Arm. Andere Menschen gingen vorbei, welche ich nur an den Füßen sah, die an uns vorüber liefen. Manche wollten helfen. „Hier ist ein bisschen Fischfutter, vielleicht hilft das dem Kleinen ja oder Gummibärchen die wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern?“

Ja ernsthaft, glauben Menschen immer noch, dass ablenken oder klein reden von Gefühlen hilft den Umgang mit den eigenen Gefühlen zu erlernen? Ich weiß es ist gut gemeint, ein Kind abzulenken oder zu besänftigen aber es hilft nicht dem Kind, sondern nur mir selbst um schnellst möglich, aus der für mich unangenehmen Situation zu fliehen. Denn, wenn ich ehrlich bin, bin ich derjenige der nicht weiß wie ich mit den Gefühlen meines Kindes umgehen soll. Für mich ist es unangenehm aber mein Kind ist in Not!

Ich wollte all das nicht und es hätte eh nicht geholfen. Also blieben wir weiter sitzen. Hörten dem Schluchzen zu das aus dem Mund meines Sohnes kam. Der Schmerz der seinen Raum haben wollte. Fühlten unsere Verbindung und die Gegenwart des Seins, des eins Seins, das man nur in der Schwangerschaft so tief empfindet oder genau in diesem Moment. In dem es nur die bedingungslose Liebe gibt.

Irgendwann, nach dem alles intensiv betrauert wurde standen wir auf. „Mama ich will in die Trage, ich will zu dir“ sagte mein Sohn. „Natürlich“ sagte ich zu ihm und flüsterte ihm leise zu, „weißt du, ich liebe dich“. Er schmiegte sich an meinen Rücken und wir liefen weiter. Das war’s. Kurze Zeit später war alles vergessen.

Er war glücklich und in der Gegenwart wie vor der Erkenntnis, dass es nun nach Hause geht. Es war abgeschlossen und er hatte die Zeit es verarbeiten zu können und dennoch finde ich es immer noch traurig und bin irritiert wie wenig Menschen über ihre eigenen Emotionen wissen und sich nicht mit ihnen auseinandersetzen wollen?

Warum? Weil es zu anstrengend ist? Weil die Zeit oder die Kraft fehlt? Der Mut? Oder ist es einfach nur Bequemlichkeit? Arroganz oder Ignoranz im Bewusstsein, dass ich mein Leid an meine Kinder einfach, so mir nichts dir nichts weiter gebe?

Ich weiß es nicht ……… mir fehlt das Verständnis, denn wenn ich etwas aus ganzem Herzen liebe, was ich glaube, was wir unseren Kindern gegenüber empfinden, wie kann ich ihm oder ihr dann so etwas antun?

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