Aufopferung vs. Bewusstsein

Seit knapp fünf Jahren bin ich nun Zuhause und seit vier Jahren Tag und Nacht Mama. Ich kann mich an genau drei Erlebnisse erinnern in denen die Kinder einen Tag ohne mich verbracht haben und ich abends wieder zusammen mit ihnen im Familienbett lag. Natürlich waren sie bei ihrem Papa aber beide Jungs sind die ersten Jahre regelrecht an mir geklebt bis sie von sich aus Zeit mit ihrem Papa verbringen wollten, wie unser großer Sohn es mittlerweile liebt. Sein Papa ist sein ein und alles, sein Vorbild und sein großer Held. So wie Papa spricht, so übt er es ebenfalls, wie er sich bewegt und wie er mit mir umgeht wird beobachtet und nachgeahmt.

Der Kleine bleibt am liebsten noch ganz nah bei mir und lässt mich nur wiederwillig für einen kurzen Moment gehen. Ja manchmal ist es nervig und ja manchmal fühle ich diese Ohnmacht endlich mal wieder mein Leben leben zu können, für mich zu sorgen und Zeit mit Freundinnen verbringen zu können und dennoch weiß ich es wird irgendwann wieder kommen und darauf freue ich mich sehr.

Vielleicht finden ein paar von euch mein Verhalten als aufopfernd, alles nur für die Familie, für die Kinder.

„Wo bleibe ich und wann komme ich endlich mal wieder dran. Das kann doch nicht ewig so weiter gehen.“ ich kenne diese Gedanken und ich fühle die Gefühle von Erschöpfung, Ruhe und den Mangel eigener Bedürfnissen die alle mal wieder erfüllt werden wollen und dann sitze ich da und fühle sie, einfach so. Nehme sie ernst und wahr. Jedes Einzelne wird betrachtet und bekommt seinen Raum und dann lasse ich los. „Danke dass du mir zeigen wolltest, was ich gerade brauche. Danke, mein inneres Kind, dass du dich um mich sorgst. Danke, dass ich fühle und mich im Alltag der Familie nicht vergesse.“ und das war’s. Sie dürfen fliegen, weg fliegen. Wohin sie wollen. Und ich lerne demütig zu sein.

Meine Leben besteht mittlerweile fast nur aus bewussten Entscheidungen, die ich für mich selbst oder die wir für die Familie treffen. Deshalb überlegen wir genau, was brauchen wir, was vermissen wir, was trauen wir uns zu und wie können wir Stress vermeiden? Welche Wünsche hast du, welche habe ich und welche haben die Kinder. Wollen wir das wirklich, brauche ich das oder brauche ich das nur um zu? Ja um etwas zu entkommen oder mir etwas kurzweilig zu befriedigen und dann überlege ich muss das nun wirklich sein? Ist es das Wert oder kann ich noch warten?

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass sie viele Dinge brauchen die ihnen angeblich gut tun. Einige auf die sie, davon sind sie überzeugt, niemals verzichten könnten. Das ist mir soooo wichtig und dann ist es doch nur eine Methode um nicht das Gefühl fühlen zu müssen was dahinter steckt. Die Leere, das getrieben sein, die nicht auszuhaltende Unruhe, die Scham, die Einsamkeit, die mangelnde Selbstliebe, die eigene Unzufriedenheit, der eigene Selbsthass den man zu unterdrücken versucht. Die Betäubung auf allen möglichen Wegen hört nicht auf und sie kostet Kraft unglaublich viel Kraft.

Wenn ich also all die Kraft in etwas investiere, was ich nicht annehmen möchte, was aber dennoch da ist, verpulvere ich so einfach mal Dreiviertels meiner Energie und dann frage ich dich, wie willst du mit dem Rest deiner Familie, deiner Frau/ deinem Mann und deinen Kindern gegenüber treten indem sie auf dich Rücksicht nehmen. Indem dass sie dich schonen weil du eh nicht mehr kannst? Weil nichts mehr geht? Weil alles zu viel ist und du eigentlich gar kein Bock mehr hast? Weil eine Stimme in dir schreit „bitte ich halte das so nicht mehr aus. Bitte bitte tue endlich etwas“ und was machst du?

Welche Maßnahmen ergreifst du. Augen zu und Ohren zu und weiter geht’s? Weil das nun mal so läuft, weil der Druck, das Leid und der Stress noch nicht groß genug sind oder dein Kind immer noch ruhig und brav funktioniert. Weil es ja schließlich das Kind und nicht du bist das Hilfe braucht?

Ich würde all das ganze mal überdenken.

Und wenn nun ein Gedanke kommt in der Form ich brauche keine Hilfe, weil ich bin doch schon reflektiert genug oder für uns zählt das nicht, ich brauche das nicht oder das alles hilft eh nicht, geht der Selbstbetrug einfach weiter.

Wenn etwas nicht stimmt, wenn es einem in der Familie schlecht geht brauchen wir therapeutische Hilfe weil unser System mit unseren Methoden die wir kennen und die uns zur Verfügung stehen, am Ende ist. Wir brauchen etwas Neues von Außen, dass die Dynamiken durchschaut und neue Wege aufzeigen kann um neue Verbindungen entstehen zu lassen.

Also ja ich opfere mich zum Teil für meine Kinder auf, weil sie klein sind, weil ich mich für sie entschieden habe, weil sie mich brauchen, weil ich weiß dass sie immer autonomer werden, weil sie von sich aus mich loslassen werden, weil mir bewusst ist, dass ich meine Bedürfnisse auch mal zurück stellen und die Gefühle aushalten kann, weil es mir wichtig ist, dass der Hunger nach Liebe und die Erfüllung der Bedürfnisse meiner Söhne an erster Stelle steht und es für mich unendlich traurig wäre wenn ich sehe wie sie mit 30 oder 40 Jahren immer noch auf der Suche nach der bedingungslosen Liebe, nach gesehen, mach Verbindung, nach Anerkennung aus sind nur weil ich als Mama oder als Papa die Verantwortung für meine Kinder nicht tragen wollte und der Teufelskreis von Neuem beginnt.

Die Kindheit ist ein Klacks im Leben von uns Menschen aber dieser Klacks enthält alles, alles darüber ob du ein glückliches oder ein Leben im Mangel und Leid führen wirst.

Es geht nicht ums Außen und es ging nie ums Außen, das ist ein Hirngespinst alles wirklich alles spielt sich in dir ab. In deinen Gefühlen, in deinen Gedanken, in deiner oft mangelnden Selbstregulation.

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