Für meine Kinder

Ich lese und lese und lese. Sauge alles was mein Interesse im Bezug auf „Trauma und innere Kindheilung“ weckt wie ein Schwamm in mich auf. Weil es mich interessiert. Weil es mir hilft mir selbst auf die Schliche zu kommen. Mich zu ertappen und zu entlarven.

Wissen hilft mir dabei über mich selbst bewusst zu werden über meine Gedanken, meine Gefühle, mein Verhalten und dann, ja dann beginne ich mit der Umsetzung, welche mir immer wieder misslingt. Es funktioniert und ist dennoch schwer, herausfordernd, schmerzhaft.

Oft schaue ich nach vorne. Auf den Berg der noch vor mir liegt welchen ich erklimmen will und viel zu wenig zurück, auf das was ich gemeistert, geleistet habe, wo ich her komme.

Ich sehe euch. Euer Wesen, eure Persönlichkeit die ihr bereits jetzt schon ausgebildet habt. Euren unheimlichen Willen auf das Leben, auf das Lernen, darauf alles kennen zu lernen und zu erkunden. Viele Male schaffe ich es euch zu begleiten, eure Gefühle richtig zu deuten und dementsprechend zu halten. Euch auszuhalten. Euch die Stütze zu sein die ihr braucht um euch sicher zu fühlen. Trotzdem erlebt ihr immer noch zu oft die Momente in denen ich euch nicht die Mama sein kann die ihr verdient habt, die schreit, die euch nicht trösten kann, die euch weg schickt, die euch auch wenn es kurz ist alleine lässt, die euch das Gefühl gibt mir zu viel zu sein.

Dann schäme ich mich für mich selbst, für meine Gedanken, für mein Handeln, dafür, dass ich nicht mehr geben kann und euch das unbewusst zufüge womit ich heutzutage immer noch zu kämpfen habe. Ihr bekommt die Wut ab, die ich mich nicht traue bei den Menschen zu entladen die diese Grenzüberschreitungen und Verletzungen begangen haben. Die Angst die ich nicht fühlen will weil sie aus meinen Erfahrungen stammt und nichts mit euch zu tun hat. Die Überforderung die ich spüre, weil ich es einfach nicht schaffe euch beiden gerecht werden zu können oder falsche Entscheidungen getroffen habe und mir es zu spät auffällt.

Ich bin keine Perfektionistin die auf irgendetwas bestimmtes zusteuert oder die irgendjemand etwas beweisen will. Mein Maßstab ist der euch so wenig Wunden wie nur möglich zuzufügen. Durch eure Augen sehe ich den Schmerz, durch euren Mund höre ich eure Wut und durch euren Körper, der manchmal so bedürftig ist und ihr immer wieder getragen werden wollt spüre ich eure Angst und Überforderung welche das Leben an euch stellt.

Jetzt seid ihr klein und ich groß. Jetzt braucht ihr mich, weil ihr euch selbst eure Bedürfnisse nicht erfüllen könnt. Jetzt stehe ich in der Machtposition von euch Dinge zu verlangen welche ich glaube welche ihr können oder erfüllen solltet. Und selbst das ist manchmal einfach zu viel und ich lasse es sein. Ihr braucht nichts um zu, ihr seid wundervoll genau so wie ihr seid.

Wir leben ein Leben, das doch meist aus sehen und gesehen werden besteht. Aus hören und zuhören. Aus Versuchen wahrzunehmen was sich gerade im Anderen abspielt. Es ist unsere Verletzlichkeit die allen Zauber in sich verbirgt. Aber wer ist gerne verletzlich, wer von uns ist gerne bedürftig? Bei unseren Kindern akzeptieren wir es meist bis zu einem gewissen Punkt und „dann ist aber auch mal gut“. Weil wir es sonst nicht mehr aushalten können. „Hör auf schreit eine Stimme in uns, hör bitte endlich auf, du treibst mich in den Wahnsinn.“

Diese Stimme, ist manchmal noch in mir zu hören aber viel öfters schmiegt sie sich mittlerweile in meinem Inneren mit dazu, wenn ich euch zusehe wie eure Wut einen Weg aus eurem Körper findet, indem ihr mich anschreit und wir uns letzten Endes in einer Umarmung neu miteinander verbinden. Erneut eins werden aus einem Moment der Zerrissenheit in welcher das Wort Bedingungslosigkeit neu definiert wird und wenn nicht, weil mir bewusst wird, dass ich euch die Verantwortung übergeben habe, gehe ich auf die Knie, schaue euch an und entschuldige mich aus ganzem Herzen bei euch für mein Verhalten, für meine Worte, für den Schmerz den ich euch zugefügt habe.

Ihr seid so klein, so winzig, habt kaum Lebenserfahrung und könnt dennoch bereits so unglaublich viel. Immer wieder werde ich überrascht von eurem Denken, von der Art und Weise wie ihr eure Gefühle wahrnehmt und mit ihnen umgeht. Welche Frage ihr an mich oder das Leben habt.

Ihr bedeutet mir alles. Mein Herz ist mehr als erfüllt, wenn ich mit euch zusammen bin. Ihr habt alles revolutioniert wovon ich einst überzeugt und fest daran geglaubt habe, dass man mit Kindern so umgeht.

Nein ihr habt mich eines bessern belehrt, dadurch lerne und erfahre ich, was vertrauen bedeutet, was eine authentische Beziehung ausmacht und zu was Liebe in der Lage ist zu öffnen, zu verarbeiten und zu heilen.

Ihr werdet für mich immer an erster Stelle stehen und so lange ihr mich braucht werde ich da sein und leider, und dessen bin ich mir auch bewusst, wird die Zeit irgendwann enden. Dann habt ihr euch voll getankt mit Liebe und Sicherheit und ihr startet los in diese Welt voller Zuversicht und Vertrauen. Lust darauf alles zu entdecken, was es zu entdecken gibt.

Manchmal haben wir Mütter Angst. Angst, dass uns die Zeit davon rennt oder abhanden kommt welche wir nutzen sollten um zu ….. ich spüre hingegen, dass genau jetzt, genau hier die wichtigste Zeit meines Lebens statt findet und diese niemals mehr kommen wird. Das was hier gerade passiert werde ich niemals mehr nachholen können. Also lasse ich los, vertraue dem Leben und bin mir bewusst, dass ich sehr gerne fünf oder zehn Jahre meines Lebens „opfere“ um mich danach wieder meinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu widmen.

Nein ich bin mittlerweile nicht mehr bedürftig also nicht mehr all zu sehr und bin erwachsen geworden. Das ist der Preis den man überreicht bekommt, wenn du dich den Herausforderung des Lebens stellst anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen, denn dies habe ich mit meinen Kindern und der Führung des Lebens zu verdanken.

3 Kommentare zu „Für meine Kinder

  1. Es reicht schon, den Kindern Vorbild zu sein. Ein Kind das Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit bekommt, wird später auch Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit schenken usw.

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    1. Ja es hört sich vielleicht „einfach“an und vielleicht ist es auch einfach aber wenn es so einfach wäre, hätten wir dann nicht schon längst alles verändert? Stünden wir nicht dann bereits ganz wo anders? Es hört sich alle so einfach an und ist letzten Endes so unglaublich schwer.

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  2. Ne, es ist sehr schwer. Es ist mit das Schwerste. Es gibt ständig Rückschläge, weil Eltern ja keine gefühlskalten Maschinen sind, sondern selbst von Emotionen bestimmt. Da braucht sich keiner Vorwürfe oder ein schlechtes Gewissen zu machen. Kinder können sehr anstrengend sein und ein Machtwort sprechen und Grenzen ziehen ist wohl auch nötig .. Man kann nie perfekt sein, jeder macht Fehler und dürfen Kinder auch mitbekommen .. Ich bin mir ja selbst auch nicht sicher bei dem, was ich so von mir gebe und mein Leben besteht auch aus Versuch und Irrtum ..

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