Ich bin meine beste Freundin.

Wenn ich Bilder aus meiner Schulzeit anschaue, sehe ich ein hübsches, nettes Mädchen. Eines das ehr ruhig und zurückgezogen war. Vermutlich hätte ich mich von Außen komplett anders gesehen und mich toll gefunden, wenn ich nicht selbst dieser Mensch gewesen wäre, der in diesem Körper lebt.

Ich hätte absolut nichts an mir aufzählen können was ich mochte, was mir an mir selbst gefiel. Ich hasste mich, meinen Körper, mein Verhalten. Dieses absolute nicht verstehen können meiner selbst. Ein Drama was sich immer und immer wieder wiederholt ohne an den Kern oder Auslöser zu geraten der dem ganzen ein Ende hätte setzen können. Es sollte weg, diese ganzen schweren zerstörerischen Gefühle die mein inneres auffraßen sollten weg. Ich hatte einen Wunsch und der war endlich jemand anderes sein zu wollen. Jemand der geliebt und anerkannt wird, der Freunde hat und Wertschätzung erfährt. Der gerne auf Partys eingeladen wird und mit dem man Zeit verbringen möchte.

Also war die Einsamkeit mein ständiger Begleiter. Sie legte sich auf mich wie ein schwerer Mantel der mich mit seinem Gewicht fast erdrückte. „Du musst dich ändern, anpassen, dich selbst aufgeben, damit du endlich in diese verdammte Welt passt.“ redete ich mir ein. Ich feilte an meinen sozialen Defiziten. Zu Beginn war ich schwach und verletzlich doch irgendwann nur noch ein harter unemotionaler Fels, dem nichts mehr wirklich ausmachte. „Dann sollen die Anderen halt lachen, mir doch egal. Mir ist alles egal.“ so schützte ich mich vor dem immer wieder aufbäumendem Schmerz der in meinem Inneren lebte.

Ich war in meinem Leben die meiste Zeit allein und einsam und habe mich dafür abgewertet und geschämt. „Was Bitteschön ist so schlecht an mir, dass niemand etwas mit mir zu tun haben will? Wieso hat niemand Interesse daran mich kennenzulernen.“

Es folgten oberflächlichliche Bekanntschaften in denen ich immer die große Liebe sah. Mein Hunger danach war groß, riesengroß und deshalb tauschte ich auch meinen Körper dafür ein, um ein kleines bisschen Zuneigung zu bekommen.

Heute schaue ich darauf zurück. Auf das Mädchen von damals und wenn ich könnte würde ich zurück reisen, was ich manchmal auch tue, und halte sie im Arm. Lange, sanft, heilend. Ich halte sie einfach und höre ihr zu. Gebe ihr alles was sie sich damals so sehr gewünscht/gebraucht hat und dann plötzlich ist alles anders.

Mittlerweile liege ich da, in unserem Garten, in unserem Gras. Höre die Kinder spielen und schaue in den satten, hellblauen, wolkenlosen Himmel in dem Schwalben ganz schwerelos und leicht ihre Runden ziehen. Ich fühle Liebe, so viel Liebe für mich selbst. Eine Ruhe, eine Verbundenheit, ein all eins sein mit der Welt. Endlich öffne ich meine Augen und sehe, dass ich mir selbst all das Leid zugefügt habe. Einst habe ich mich verlassen, denn wer soll mich lieben, wenn ich es selbst nicht tue. Wenn ich mich selbst nicht mag wie ich bin.

Das alles hat aufgehört, das Karussell in meinem Kopf wurde gestoppt. Es hat aufgehört sich zu drehen und es bleibt nichts zurück als dieser eine unfassbar friedliche Moment der Stille in mir. Ich fühle mich wohl, bei mir, in mir, was mir keiner mehr nehmen kann. Endlich kann ich das Wunder fühlen welche ich selbst bin. Ich bin mein bester Freund, der alles aufgegeben und alles gewonnen hat. Der jeden wertschätzt der das Leben ein Stück des Weges mit mir teilen mag, der aber genau so gerne einfach nur alleine ist.

Ja mittlerweile liebe ich die Stille. Die Stille in der Natur, mit Hund oder Pferd. Beim Schwimmen, wenn ich meine Bahnen ziehe oder wenn ich einfach nur irgendwo sitze und dem Wunder des Lebens bei der Arbeit zuschaue. Ich mag mich, ich mag mich so sehr wie noch niemals zuvor und auch wenn diese Erkenntnis unsagbar schmerzhaft war, mir mein eigenes Gefängnis erschaffen zu haben, bin ich jetzt dankbar für die Einzigartigkeit und das Bewusstsein mit welchem ich nun durchs Leben gehen darf. Ich liebe mich, meinen Mann, meine Familie, meine Freunde ohne Verpflichtungen, ohne Erwartungen aber mit unendlich viel Dankbarkeit.

Ich habe gelernt, dass ich ganz alleine für mein eigenes Glück verantwortlich bin und das einerseits so leicht und gleichzeitig so schwer ist. Der Schlüssel liegt darin, alles wohlwollend anzunehmen und zu fühlen was sich gerade in dir zeigen mag. Alles ist, wie es ist und nur du kannst den Sinn dahinter entschlüsseln um dir bewusst zu werden was du aus all diesen Momenten lernen kannst. Geb dich dem Leben hin, dir hin und schaue was passiert, so lernst du dich selbst kennen und verstehen.

4 Kommentare zu „Ich bin meine beste Freundin.

  1. Ich hatte eben nen längeren Kommentar geschrieben, doch soll ständig meine Daten eingeben. Das geht mir auf den Geist. Bei anderen funzt das problemlos. Da bleib ich fortan lieber weg von dir, weil du ja auch eher narzisstisch eingestellt bist und nicht auf Gegenbesuch kommst ..

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  2. Wie kann man denn bitte jemanden schreiben, dass er / sie eher narzisstisch eingestellt ist und woher nimmt ein Mensch die Gewissheit, dass es wirklich wahr ist? Auf so eine Person würde ich auch dankend verzichten. Etwas zu tun ist doch nicht gleich damit verbunden, dass genau das auch zurück kommt, sondern es kommt dann zurück, wenn keine Erwartungen dahinter stecken. Sorry, der Text mit der sich die beste Freund zu sein ist ist eine Sache und sehr schön beschrieben, aber diese Antwort hat mich dann doch mehr interessiert, weil ich sie als ziemlich unterirdisch empfinde. Und was ist bitte so schlimm daran, hier ein paar wenige Daten einzugeben? Also ich versteh’s nicht.

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