Wie lieben wirklich geht

„Ich liebe dich“, flüstert mir mein Mann leise zu während er sich ganz nah an mich schmiegt. Wenn alles leicht und schwerelos ist, kann Liebe einfach nur einfach sein. Dann ist es auch eine wundervolle Vorstellung für immer zusammen zu sein, sich die Hände zu reichen und sich das „Ja“ Wort zu geben. Für immer du und ich? Für immer ein wir?

Wir haben eine Vorstellung von der Liebe, wie die Liebe sein sollte. Wie lieben geht. Doch letzten Endes haben wir absolut keine Ahnung. In Wirklichkeit stehen wir da mit leeren Taschen, einer gebrochenen Seele vor einem Abhang und warten darauf doch noch erhört zu werden. Dass es doch noch diesen einen wundervollen Menschen gibt der uns retten wird, der uns raus zieht aus unserem Sumpf und uns die Schönheit der Welt zeigt. Der immer gut drauf ist, jede Schwäche hinnimmt. Der im richtigen Moment, die richtigen Worte über die Lippen kommen lässt. Der uns stützt wenn wir es brauchen und uns frei lässt wenn wir unsere Autonomie benötigen.

Manche sprechen von der großen Liebe, von Seelenverwandten und davon nicht mehr ohne den Anderen leben zu können oder der alle Herzenswünsche von den Augen des Partners abliest und sie erfüllt. Dieser Mensch der uns im tiefen Inneren vereint und ganz werden lässt.

Und wie fühlt sich das für dich an? Nach dir? Willst du auch diese Beziehung haben? Klingt es nach einer wahren Beziehung oder ehr nach der Verbundenheit zwischen Eltern und Kind? Dieses bedingungslos angenommen sein? Haben diese Wünsche etwas mit einem erwachsenen Menschen zu tun?

Ich habe die Illusion der Liebe aufgegeben oder in das Gefühl der Liebe welches das Verliebt sein in uns erzeugt welches aber nichts mit unserem Partner zu tun hat.

Wenn dieser sich an die Vorstellung unseres Kopfes hält, ist er die wunderbarste Frau oder der wunderbarste Mann auf diesem Planeten. Wir schwelgen im Gefühl der Verbundenheit, des Einsseins, des Glücks. Aber das hat nichts mit Liebe zu tun. Das hat nur etwas mit der Erfüllung von Wünschen oder der Befriedigung unserer seit Jahren hungernden Bedürfnisse „endlich gesehen, endlich gehört, endlich geliebt, endlich anerkannt zu werden“ zu tun.

Aber das Leben ist nicht immer leicht und das Leben ist nicht immer schön. Das Leben kann manchmal so richtig scheiße sein und so richtig weh tun und dann? Was tun wir dann? Stehen wir zueinander? Können wir die Verbindung halten? Können wir uns trotz Stress und Druck von Außen immer noch sehen? Kannst du immer noch das Gefühl fühlen welches euch einst einmal verbunden hat. Kannst du die Illusion deines Wunschpartners aufgeben, ihn sehen, annehmen und lieben, genau so wie er oder sie vor dir steht.

Für mich hat Liebe nichts mehr damit zu tun etwas geschenkt zu bekommen oder dass mir mein Mann sagt wie sehr er mich liebt. Denn das weiß ich, das spüre ich. Liebe hat erst einmal nur etwas mit mir zu tun und darum mir meines eigenen Wertes selbst bewusst zu werden und wenn ich das weiß und wenn ich das fühlen kann wo meine tiefen Wunden und Baustellen sind. Diese Versuche zu heilen. Die komplette Verantwortung für mein Denken und Handeln zu übernehmen, bin ich bei mir. In meinem Mitgefühl. In der Annahme meiner selbst und dann kann ich auch dich sein lassen wie du bist.

Dann sehe ich das Liebe darin besteht, mir nicht immer meine Wünsche zu erfüllen und zu dir selbst zu stehen. Den Mut zu haben „nein“ zu sagen und „ja“ zu mir. Den Tränen freien Lauf zu lassen oder auch mal in sich selbst zusammenbrechen zu dürfen ohne verurteilt zu werden sondern ich darf sein, so wie ich mich gerade fühle. Schwach, verletzt, überfordert, hilflos, ängstlich und ohnmächtig und dennoch bleibt mein Partner an meiner Seite. Er verlässt mich nicht oder urteilt über mich nur weil ich gerade nicht mehr kann. Sondern ist da, bei mir, sieht mich, hört mich, mit all meinem Schmerz und hält mich aus, beruhigt mein Nervensystem und lässt mich nicht allein oder straft mich mit Liebesentzug, weil ich nicht in seine Vorstellung passe.

„Liebe mich dann wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am Meisten“, heißt ein Spruch. Oft wollen wir uns schützen. Der Stolz steht uns im Weg. Aber stolz hat nichts mit Liebe zu tun. Es ist die Angst, die Angst vor dem Sog der Tiefe der eigenen Emotionen. Der Berater der hierfür tätig wird ist unser Kopf aber was weiß unser Kopf wie das mit unseren Gefühlen so geht und was das Beste oder Sinnvollste wäre? Er schützt uns, hält uns auf Abstand.

Liebe ist Hingabe und Hingabe ist Liebe. Nicht mehr und nicht weniger. Wir sehen immer nur das was wir sehen wollen und das was wir uns einreden glauben wir und suchen im Außen die Bestätigung für uns im Innen.

Wir haben viele sehr herausfordernde Monate hinter uns und mir war immer bewusst, dass wir das irgendwie schaffen werden, dass es Wege und Möglichkeiten gibt, alte Systeme zu sprengen und neue zu errichten und wir wurden belohnt. Mehr als belohnt. Wir arbeiten an uns. Jeder für sich. Täglich und wir erleben Wunder. Wunder darin, dass wir immer mehr erfahren, lernen, uns gegenseitig bereichern und uns an den anderen verschenken wollen. So, dass jeder für sich sein eigenes Leben liebt und wir uns gegenseitig freiwillig immer wieder füreinander entscheiden.

Dankbarkeit ist glaube ich die Zutat für das große Glück und wahrhaftiges Interesse hinter das Verhalten des Anderen sehen zu wollen. Wirklich verstehen zu wollen wer er oder sie ist? Was diesen Menschen in seinem Kern ausmacht und ihn dann ins Herz zu schließen mit all seinen Macken und Fehlern und ihn genau dafür zu lieben.

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