Durch den Schmerz gelangst du in deine Freiheit

„Dir kann man es wirklich überhaupt nicht Recht machen“ sagt mein Mann zu mir. „Was mir kann man es nicht recht machen? Ernsthaft?“ entgegen ich ihm. „Ich sage dir doch ganz klar was ich mir von dir wünsche und das bist du nicht bereit für uns zu tun!“ Eine Spannung, eine unheimlich zerstörerische Spannung liegt in der Luft. Ich stehe an der Schwelle mal wieder meine Selbstkontrolle zu verlieren, abzutauchen in das Trauma das ich einst erlebt habe und welches mich in manchen Moment heim sucht um die Macht über mein Leben erneut zu übernehmen.

Die Spannung in meinem Körper ist nicht mehr auszuhalten. Ich will weg, schreien oder alles zerstören. Ja ich will ihm weh tun. So wie er es gerade mit mir gemacht hat. Wenn er mein Mann wäre, würde er mir nicht so weh tun. Er würde wissen, dass mich dieser Satz „ man kann es mir absolut nicht Recht machen“ trifft. Mir weh tut, an mir zweifeln lässt und dennoch sagt er es. Ich hadere mit mir. Mein Kopf legt mir innerlich Sätze zurecht mit denen ich dich richtig zerstören könnte. Ich habe das Gefühl, dass ich es in mir kaum noch aushalten kann.

Meine Körper fühlt sich schwer an, unendlich schwer. Wie wenn ich auf diesem Stuhl auf dem ich gerade sitze nie mehr aufstehen kann, weil ich nicht fähig bin dieses Gewicht in mir zu bewegen. Es lähmt mich und gleichzeitig möchte ich diesen Druck los werden der mich innerlich auffrisst. „Du bist Schuld, du bist Schuld, dass ich mich so er erbärmlich klein und elend fühle“. Ich will etwas sagen aber irgendwas in mir hält mich zurück.

Ich ziehe die Beine an meine Brust und lege meinen Kopf auf meine Knie. Dann gebe ich mich hin, dem Gefühl das sich bereits die ganze Zeit in mir ausbreiten will. Tränen laufen über meine Wangen. Viele, viele Tränen. Bäche. Ich atme tief, meine Arme umschlingen meine Knie und ich bin da. Bei mir. In einer Verbindung mit mir.

Jetzt plötzlich taucht ein Satz in mir auf. Mein Glaubenssatz „DU BIST ES NiCHT WERT.“ Mein Mann hat durch diesen einen Satz mich zurück gebracht, in meine Kindheit, in meinen Schmerz. „Du bist es nicht Wert, dass ich dich sehe, dass ich mit dir spiele, dass ich dir zuhöre, dass ich mir merke was dir wichtig ist, dass ich dich nicht abhole, dass ich nicht dein Essen koche welches du magst, dass ich mich für deine Gefühle, Ängste und Wünsche interessiere, dass ich dir sage wie sehr ich dich liebe. Ich will lieber an meiner Vorstellung von dir festhalten, als den Menschen zu sehen der du in Wahrheit bist. Erfülle meine Wünsche und ich belohne dich mit all dem nach was du dich sehnst. Wenn nicht bist du selbst Schuld, bist du falsch, nicht liebenswert genug. Ich höre dir nicht zu, interessiere mich nicht für dich aber fälle gleichzeitig das Urteil über dich, „dir kann man es wirklich nicht Recht machen.“

Ich halte mich, fühle diesen Schmerz, diese Wut, diese Trauer. Kämpfe nicht mehr dagegen an sondern lasse alles fließen. Gehe in das tiefe Mitgefühl mit mir selbst und lasse los. Lasse mich hinabziehen in das Reich meine Gefühle und bleibe doch achtsam im Atmen bei mir, in der Gegenwart in dem Bewusstsein, dass ich gerade eine Zeitreise mache.

Ich bin hier, bei mir. In einer tiefen Verbindung mit mir selbst und mein Mann habe ich komplett vergessen. Ich fühle einzig und alleine mich. Ein Gefühl der Heilung, der Liebe die meinen Körper erfasst und alle Energien bewegt von denen ich überzeugt war, dass ich ein nicht liebenswerter Mensch bin. Das darf gehen, all das darf aus mir herausfließen. Sie waren lange genug meine Begleiter.

Es kehrt Ruhe ein, Stille. Ich sehe aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Regentropfen schmiegen sich an die Blätter der Bäume und glänzen in den Farben des Regenbogens. Rot, gelb, grün, lila, blau. Sie faszinieren mich und ich kann nicht aufhören, das Wunder, das sie sind zu betrachten. Ich lebe, ich liebe, ich habe mich wieder. Dankbarkeit flutet meinen Körper. Dankbarkeit, darüber, dass ich jetzt das Wunder des Lebens entschlüsseln, betrauern und wieder neu zum Leben erwachen darf, dass ich noch so viele wundervolle Jahre voller Hingabe, mit Lebensfreude und der Liebe zum Leben erleben darf.

Ich wollte euch dies beschreiben um euch einen Einblick zu gebe, wie faszinierend, ausgeklügelte und auch „hinterhältig“ unsere Psyche mit den einst erlebten Wunden in uns umgehen kann. Wie wir durch diese Welt laufen ohne uns zu spüren, uns verraten und bekämpfen. Nichts, absolut nichts kann dich verletzen, wenn du nicht selbst felsenfest davon überzeugt bist. Suche deinen Frieden in dir und du wirst dich nie mehr schützen müssen.

Das Leben ist mein Begleiter, mein Freund, es beschützt mich und will, dass ich wieder heile, um zu dem Menschen zu werden der ich einst war.

Liebe ist nichts für Feiglinge. Liebe fordert seinen Tribut. Aber wenn du den Mut hast dich ihr hinzugeben wirst du mehr als belohnt werden. Das versteht nur unser Verstand nicht. Er wird es niemals begreifen können. Das Leben besteht aus Magie und wir werden es niemals entschlüsseln und verstehen können aber wir können es leben. Mehr braucht es dazu nicht, als es einfach nur zu leben.

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