Das neue Leben

Unser Leben besteht aus vielen erlebbaren aber nicht greifbaren Momenten. Wir müssen begreifen was für unseren Verstand nie fassbar und durchdrungen werden kann. Unser Kopf ist ein wundervolles Werkzeug der uns in unserem Leben unterstützen, strukturieren und planend zur Seite stehen kann. Zu mehr ist er aber auch nicht zu gebrauchen denn Liebe, Hingabe, Mitgefühl empfindet er als Gift. Verletzlichkeit ist wortwörtlich der Feind des Verstandes, der sich mit Strategien, Prägungen, Glaubenssätzen ausgestattet hat um unser Überleben sichern zu können.

Das ist eine feine und großartige Leistung, die wir von Herzen dankend anerkennen sollen. Um uns dem Leben hingeben zu können mussten wir diese Strategien lernen und sie uns aneignen, unabhängig davon ob wir es wollten oder nicht. Denn wenn wir uns für dieses nicht entschieden hätten, wärst du vermutlich nun nicht mehr am Leben. Deshalb gilt ihnen all meine Hochachtung und dennoch dürfen wir uns nun von ihnen verabschieden, da ein Kind andere nicht rationale, strukturierte und regulierte Verhaltensweisen aufzeigen kann wie ein erwachsener, der sich seiner selbst bewusst ist.

Wir alle tragen diesen Unverbundenheit in uns. In unseren Körpern, in unserem Herzen. Dann lebst du, dann funktionierst du, dann ist dein Körper anwesend aber leider ohne Bewohner. Eine Verpackung ohne Inhalt. Niemand kann uns dies so wundervoll vor Augen führen wie unsere Kinder.

„Je lauter sie nach dir schreien oder je leiser sie werden und sich zurück ziehen umso mehr solltest du in dich hineinfühlen wie viel von DIR gerade, jetzt, hier, im Moment ANWESEND ist.“

„Wo also bist du“, oft höre ich, ich bin doch da. Ich sitze direkt vor dir. Aber ich fühle dich NICHT.

Menschen haben Bedürfnisse die gestillt werden müssen, damit wir uns wohl fühlen und dann gibt es Sehnsüchte.

Wir kommen auf diese Welt,mit einem großen, offenen Herzen. Wir leben jeden Moment so intensiv als wäre es der letzte den wir jemals erleben werden. Wir erleben oder wir bestehen aus einem großen Repertoire an Gefühlen. Die wir nicht benennen und auch nicht regulieren können aber sie fließen. Sie fließen einfach so durch uns hindurch. Wir schreien und lachen vor Freude und Glück, wir weinen und schreien vor Wut und Ohnmacht, wir werden ruhig und verletzlich wenn wir Angst haben und jammern wenn wir bedürftig sind, weil uns manchmal alles zu viel wird. Wir wollen wahrhaftig gesehen und verstanden werden. Wir wünschen uns in eine Verbindung mit einem anderen Menschen einzutauchen, in der wir echt und authentisch sein können.

Das ist normal. Das alles sind wir. Immer noch. Du und ich haben immer noch dieses ganze Paket an Gefühlen in uns nur spüren wir es nicht mehr. Es ist weg, verdrängt. Irgendwo in deinem Körper hinter einer Tür, verschlossen. Wie ein Kind, das irgendwann mit dem schreien aufhört, resigniert, sich zurück zieht, weil es eh keine Chance, keine Hoffnung mehr hat, dass sich das Leben oder der Mensch ändern kann.

Wir Erwachsenen wissen sehr gut, wie schwer eine Veränderung in unserem Verhalten ist. Wie oft wir uns Dinge vornehmen, angehen wollen, fest davon überzeugt sind etwas nicht mehr zu tun um dann, letzten Endes sich den alten Prägungen und Mustern hinzugeben weil diese nun einmal stärker sind als unser Verstand, unsere Logik, die genau weiß, dass das was wir tun einfach falsch ist.

Aber wie viel Verständnis und Mitgefühl hast du gegenüber deinem Kind? Was erwartest du von deinem Kind? Sollst du seine oder es deine Wünsche erfüllen und warum glaubst du zu wissen was das Richtige sei? Woher nimmst du dir das Recht? So lange wir uns nicht unserer Vergangenheit, unserem Schmerz, unserer Trauer über uns selbst, unseren in uns lebenden Traumata nicht gestellt haben weißt du nicht wer du bist. Du lebst. Jeden Tag ohne dir deiner selbst bewusst zu sein.

Wir setzen morgens unsere Masken auf, programmieren uns nach dem was wir gelernt haben und dann geht es los. Wer bist du ohne Maske, wer bist du ohne Kontrolle und Macht und wer bist du in einem verletzlichen und bedürftigen Zustand?

Ein Mensch? Ein überaus wertvoller Mensch? Glaubst du mir das? Kannst du dir das auch ohne Funktion vorstellen? Kannst du es in dir fühlen? Diesen warmen, weichen, sanften Kern.

Ja, das bist du. Das ist, das Leben. Das ist die Liebe. Das ist Verbundenheit im Einklang mit dir selbst. Das bedeutet zu sterben und wieder geboren zu werden. Das bedeutet die gesamte Kontrolle aufzugeben, hinab zu tauchen und dem Urvertrauen in die Arme sinken zu dürfen. Das Leben ist gut, es ist immer auf unserer Seite, nur kannst du es nur dann sehen, verstehen und begreifen, wenn du die Brille, der Verdrängung wahrhaftig ablegen willst. Dann ist es da und fängt dich auf. Dann beginnt dein „neues Leben“.

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