
Wir geraten in Konflikten nicht aneinander weil unsere Kommunikation nicht stimmt oder wir lernen müssten wie wir kommunizieren sollten, sondern es liegt daran, dass wir verinnerlichen, dass wir in bestimmten Momenten eben gar nicht kommunizieren können.
Wenn unser Nervensystem in einen dysregulierten Zustand gerät, unser präfrontaler Cortex in den stand by Modus wechselt und unser Stammhirn seine Tätigkeit aufnimmt, sind wir nur noch am Überleben. Projizieren alles mögliche in das Verhalten des anderen hinein, welches wir wiederum interpretieren, in unserem inneren mit dem abgleichen was wir bisher erlebt haben, was anschließend ein Gefühl erzeugt, welches unser Verhalten steuert und beeinflusst.
Es geht also nie um das Verhalten des anderen, was derjenige tut oder sagt. Es geht vielmehr um all die Erfahrungen die wir aus unserer Kindheit eben noch nicht verarbeitet haben und die sich genau in solchen Momenten, in denen sich die Anspannung in unserem Körper zeigt, wachgerufen werden.
Wir können lernen eine neue Umgangsform des miteinander zu entwickeln, in dem wir nicht mehr primär auf das Verhalten sondern mehr über unsere Gefühle sprechen in der Form wie ich mit meinen Kindern kommuniziere:
„Boah, wow du bist nun richtig wütend…. Magst du mit mir darüber sprechen, was dich gerade so verletzt hat? Was ist passiert?
und wenn nicht braucht es Zeit, Anwesenheit eines zweiten Nervensystems, dass sich zur Regulation zur Verfügung stellt.
In erster Linie geht es nie darum wer Recht oder Unrecht hat und ob das was das Gegenüber erzählt realistisch ist. Es geht vielmehr darum, meinem Gegenüber mitzuteilen, wie es in meinem Inneren gerade aussieht.
„Ich kann gerade nicht weiter sprechen. Der Satz den du gesagt hast, macht mich wütend und ich brauche nun Zeit um herauszufinden weshalb, weshalb er mich so sehr trifft. Ich komme gleich wieder und dann kann ich dir mehr sagen. Aber jetzt gerade bin ich nur mit meinem Schmerz verbunden und ich würde dich nur angreifen wollen.“
Vorwurf der im Raum steht:
„Du schätzt meine Arbeit überhaupt nicht. Dir ist gar nicht bewusst was ich alles leisten muss.“
Die Begleitung in mir könnte dann folgendermaßen aussehen.
„Wenn ich ehrlich bin ja es stimmt. Ich habe damit ein Problem, dass ich nicht das Gefühl habe, dass du auf der Arbeit ebenso viel leisten musst wie ich zuhause bei den Kindern. Ich fühle mich nicht gesehen und gewertschätzt. Bei vielem was ich tue habe ich das Gefühl, dass du es überhaupt nicht siehst oder wahrnimmst. Ich bin viel alleine. Das macht mich müde und frustriert. Mir fehlt die Arbeit, der Austausch mit anderen. Den ganzen Tag mich und die Gefühle der Kinder zu begleiten bringt mich an die Grenzen meines menschlichen Seins, ich beginne zu schreien und bin im Anschluss sauer auf mich selbst, weil ich nur kurz etwas für mich tun wollte und ich die Kinder eben nicht so programmieren kann wie ich es mir wünsche. Das Leben ist oft nicht planbar und ich sitze da mit all der emotionalen Last, meiner Vergangenheit und den Gefühlen die bei den Kindern wacht gerufen werde und versuche gleichzeitig ebenso den Alltag zu bewältigen. Zu kochen, zu putzen, zu bügeln, die Wäsche zusammen zu legen, zu spielen und gute Laune zu haben.
Ja das ist viel. Das ist meine Arbeit die ich täglich verrichte und die von mir die höchste Anerkennung bekommen sollte. Mir ist bewusst was ich tue aber habe ich dir das jemals erzählt. Habe ich dir jemals wirklich ganz offen mitgeteilt wie es mir geht. Wie es sich für mich anfühlt „Mama zu sein“.
Ich spüre tief in mir, dass wir uns da verloren haben. Wir beide sind mehr am Überleben anstatt ein Team zu sein. Wir haben nur noch wenig Zeit um uns wahrhaftig auszutauschen, uns die Zeit und den Raum zu nehmen um dem anderen zuzuhören. Den Mut aufzubringen, wie es gerade in meinem Inneren aussieht.
Und da fühlt es sich gerade sehr leer an. Bedürftigkeit begleitet mich jeden Tag und ich schenke mir so viel Mitgefühl wie ich eben gerade für mich aufbringen kann.
Manchmal bin ich sauer über das Leben über die Einsamkeit über die Traumata die in mir und in den vorherigen Generationen leben. Dass ich eben keine Eltern habe, die ebenso an Bewusstseinsarbeit interessiert sind, zuhören, verstehen wollen.
Also ja ich bin wütend auf dich, auf deine Arbeit, darauf, dass du raus kommst, dich mit anderen Menschen unterhalten kannst, dass du keine Gefühle begleiten musst und nicht ständig jemand etwas von dir will.
Und ja ich gebe zu, dass ich dich durch all das was in mir wach gerufen wird, seit ich Mutter bin, dich nicht mehr richtig sehen kann. Ich weiß nicht wie es dir geht? Ich weiß nicht was dich bewegt? Ich weiß nicht wie es in deinem inneren aussieht? Ich würde mir wünschen, dass du mit mir darüber sprichst. Es mit mir teilst anstatt zu warten bis es in der Wut aus dir heraus platzt.
Es tut mir Leid. Es tut mir Leid, dass ich dir passiv aggressiv gegenüber trete anstatt offen und ehrlich mit dir zu kommunizieren.
Das ist nicht in Ordnung. Entschuldige.
Eltern zu werden, die ihre Kinder bewusst begleiten wollen und die Verbindung zum Partner nicht verlieren möchten, stehen vor unbeschreiblichen emotionalen Herausforderungen.
Der einfache Weg ist zu funktionieren und sein Herz zu verschließen.
Der schwierige Weg, bedeutet bildlich gesprochen, mitten im Kampf die Waffen fallen zu lassen. Das Bewusstsein zu erweitern. Das eigenen Herz zu öffnen, um die Verantwortung für die eigenen Gefühle und das eigene Verhalten zu sich zurück zu holen.
Weshalb sollte ich das tun?
Weil es einen Menschen braucht, der eine neue Form des Umgangs in der Familie beginnt zu etablieren. Wir greifen immer auf das zurück was wir erlebt haben, das bedeutet transgenerationel.
Und nun die Frage, was willst du an die nächste Generation weiter geben?