Lebendige Liebe

„Du sagst, dass du mich liebst Mama und dann schreist du mich an. Bezeichnest mich als faul, als laut, als dass ich dir nicht zuhöre und dich ignoriere. In Wirklichkeit habe ich dich aber nicht gehört und wenn du dann kommst, mit all deiner Wut macht mir das Angst. Du schaffst es durch dein Verhalten innerhalb von Sekunden dass ich mich klein, hilflos und dumm fühle.

Mama diese Welt und all ihre Strukturen, Regeln, Vorgänge überfordern mich. Sie lösen in mir Gefühle der Überforderung aus, plus, dass ich Bedürfnisse habe, die ich dir nicht mitteilen kann, weil ich selbst nicht einmal weiß was ich wirklich brauche, was ich wirklich will.

Und dann kommst du auf mich zu. Anhand deiner Energie spüre ich schon wieder wie genervt du bist, dass ich doch bitte hier nun kein Drama mache und einfach funktionieren soll. Weißt du wie weh das tut nicht gesehen und nicht gehört zu werden. Ich bemühe mich gebe immer mein bestes und dennoch reicht es nicht aus.

Mama es würde mir schon so viel helfen wenn du mit mir über deine Gefühle sprechen würdest. Ah du bist gerade selbst überfordert, hast Angst, bist wütend.

„Warum frage ich dich dann. Weshalb bist du wütend“ und deine Antwort ist, „weil es mir nicht gut geht. Weil ich mich mit Papa gestritten habe. Dies löst kein schönes Gefühl in mir aus und mit diesem darf ich nun eine zeitlang sein. Weißt du, sagt Mama, auch in jedem erwachsenen Menschen steckt ein kleines Kind das manchmal wütend ist, traurig, nicht weiter weiß und Angst hat und um das muss meine Mama sich nun auch kümmern.“

Ich schaue sie an, weil wir uns dadurch begegnen, weil wir uns dadurch sehen und spüren, dass wir alle mit ähnlichen Momenten zu kämpfen haben.“

Wenn wir unsere Kinder in eine neue, bewusstere Welt begleiten wollen, müssen wir alles was wir bisher über Kinder und Erziehung glauben zu wissen, vergessen.

Wir müssen vergessen, dass wir Kinder alleine schreien lassen, damit sie etwas über ihr Verhalten lernen und sich dadurch ändern.
Wir müssen vergessen, dass wir Kinder erziehen und brechen müssen damit sie sich in diese Gesellschaft einfügen.
Was sie lernen ist wie ein Soldat befehle auszuführen, sich zu unterwerfen, weil sie eh keine Chance haben und zu gehorchen weil ihr eigentliches „ich“ niemals eine Rolle spielt.

Frauen die so aufwachsen, werden wiederum in Beziehungen an Männer geraten, die toxisch sind. Die Gewalt an ihnen ausüben. Die sie unterdrücken, beleidigen, Gewalt androhen oder sie ausüben. Sie laufen ein leben lang der Liebe hinterher die sie nie bekommen werden.

Männer werden immer das Gefühl haben nicht gut genug zu sein. Sie verausgaben sich im Job. Fühlen sich von ihren Frauen übergangen, manipuliert, ihnen wird die Luft zum Atmen genommen. Sie sind ständig auf der Flucht und fühlen sich nur entspannt, losgelöst und frei wenn sie alleine sind oder sich mit ihren Kumpels treffen. Alles andere engt sie regelrecht ein.

Ihr seht, dass beides nicht mit der Gegenwart und mit einer erwachsenen Frau oder einem erwachsenen Mann zu tun hat sondern es lediglich die Strukturen/Schutz sind die im damals entstanden und bis heute in uns das Gefühl auslösen, dass ich alles ertragen MUSS um geliebt werden zu können oder ich erdrückt und manipuliert werde und niemals sein darf.

Schaffen wir den Sprung in die Verletzlichkeit können wir ein Feld der Heilung erschaffen. Einen Raum in dem wir unserem eigenen Schmerz begegnen können. Denn du sowie ich tragen den selben Schmerz in unserer Seele, nur haben wir unterschiedliche Mechanismen entwickelt und diesem entkommen zu können.

Gestern Abend sagte ich zu meinem Mann,
„weißt du, wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir tiefer blicken. Wenn mich unser Sohn anschreit, dann bedeutet das für mich, dass ich ebenso reagiere und dies mein Ventil ist um meine Energie aus meinem Körper zu befördern. Also kann ich ihn dafür nicht ablehnen oder schimpfen. Wenn er mich haut, ist dies gerade das Verhalten das mir zeigt, wie sehr er in seiner eignen Not steckt. Dass er Hilfe braucht und diese mir sprachlich nicht mehr mitteilen kann. „Dass das nicht geht, was ist wenn er auch jemand anderes haut, hauen ist Gewalt, ich hätte mich das niemals getraut, was erlaubt er sich seine eigene Mutter zu schlagen.“ hat alleine mit mir und meiner Vergangenheit zu tun und ist eine Reaktion meines inneren auf das Außen. Mein Sohn sehe ich in diesem Moment nicht mehr und kann deshalb auch nicht bewusst agieren.
Wenn ich möchte, dass aus unseren zwei Söhnen wundervolle Menschen werden, dann muss ich alleine das Potenzial sehen, das in ihnen lebt. Ich weiß wohin sie sich entwickeln können, wer sie später einmal sein können, weil ich sie fühlen kann. Weil ich diese Wundervollen Wesen spüre, die noch nicht wirklich da sind, die aber einmal da sein werden, weil aus Liebe einzig und alleine Liebe entstehen kann. Weil ich mich in das Vertrauen begebe, dass sie alles lernen werden, wenn sie die Kapazität dafür entwickelt haben. Ich gebe ihnen Zeit um zu lernen, um ihre Erfahrungen zu machen um sie am Ende in meinen Armen aufzufangen. Dann werden wir gemeinsam lachen oder gemeinsam weinen. Aber meine Aufgabe als Mama ist in den ersten Jahren zu geben. Ich gebe meine bedingungslose Liebe an euch weiter damit ihr aus dieser Liebe heraus wachsen, gedeihen, euch entfalten könnt ohne etwas zu bekommen außer mich an euch zu erfreuen. Damit ihr euch sicher geliebt und geborgen fühlt. Denn nur in wahrhaftiger Sicherheit, kann ein Mensch das zerbrechliche Wesen, das wir alle sind zum Ausdruck bringen, indem das mein Kind weinend vor mir steht und sagt „Mama aber das tut doch dem anderen Menschen weh, da müssen wir etwas tun, dieser fühlt Schmerz.“ und ich ihn dann anschaue, in den Arm nehme, Küsse und sage “ Ja mein wundervolles Kind genau so ist es und ich kann gerade nichts tun. Es gibt Momente auf diese Welt wo wir nichts tun können außer zu hoffen, dass wir alle an Bewusstsein gewinnen.“

Und dann halte ich dich. Lasse dich weinen. Trockne deine Tränen. Schaue dir in die Augen. Höre deinen tiefen Atemzug und spüre die tiefe Liebe für dich die aus meinem in dein offenes Herz fließen darf.

Die Magie die Heilung in sich birgt ist mit keinen Worten zu beschreiben.

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