
Wenn wir damit beginnen, uns uns selbst zuzuwenden, kann es dazu kommen, dass du mit sehr unangenehmen Gefühlen in Berührung kommst.
Das ist deshalb so, weil du viele dieser Gefühle lange Zeit in dir unterdrücken oder von dir abspalten musstest.
Du hast dich sozusagen, perfekt auf deine Ursprungsfamilie einschleifen lassen und so lange du deiner Rolle treu bleibst wirst du in deiner Familie auch auf wenig Widerstand stoßen, wenn du aber plötzlich beginnst Grenzen zu setzen, deine Angst äußerst oder dich zu etwas wahrhaftig bekennst was dein Gegenüber nicht verstehen kann, passieren plötzlich andere Dinge.
Du wirst abgewertet, als seltsam, eigenartig, naiv oder zu sensibel abgestempelt, weil es für dein Gegenüber einfacher ist, dich zu manipulieren um dich wieder in die alte Rolle zu bringen anstatt, dass dieser sich mit seinen Gefühlen, die durch dich berührt werden, auseinandersetzt.
„Hör damit auf, dann können wir Freunde bleiben oder aber du lernst mich von einer anderen Seite kennen“, ist die unausgesprochene Ansage die du bekommst. „Ich habe dich geboren und geformt und nun hast du dich an das Drehbuch zu halten, das ich einst geschrieben habe.“
Aber bist das wirklich du?
Macht dich das wirklich glücklich?
Was macht nun aber Veränderungsprozesse so anstrengend?
Es sind die unbewussten, automatischen Abläufe die du tief in dir verinnerlicht hast.
Alles was wir lernen unterliegt einem Prozess von „Misserfolg zu Erfolg“ und je öfter diese Synapsen benutzt werden desto breiter und stärker wird der Weg den unser Gehirn benutzt um von A nach B zu kommen.
Zum Beispiel:
Die Eltern streiten,
ich gehe in mein Zimmer drehe die Musik auf und beginne zu zocken. Ich lenke mich sozusagen vom dem Schmerz in mir ab. Flüchte in eine Parallele Welt. Und bei jeder Spannung bei jedem Konflikt flüchte ich wieder in eine eigene Welt.
Oder
Mama schickt mich auf mein Zimmer.
Ich höre irgendwann auf zu weinen weil es eh nichts bringt und beginne meine Laufbahn als People Pleaser weil ich lerne damit es mir gut geht, muss ich schauen, dass es den Menschen um mich herum gut geht, sonst muss ich mit einer Bestrafung rechnen
Oder
Mama lässt mich bei einem Konflikt allein und spricht nicht mehr mit mir.
Erlebe ich Verlustangst und werde auch als erwachsener Mensch bei jeder Spannung meine Not besuchen und zwar immer dann, wenn mein Gegenüber Abstand braucht, sich zurück zieht, nicht reden kann, fühle ich wieder die Not und Einsamkeit des kleinen Kindes in mir.
Um nun die Dynamik zu durchbrechen, indem ich mir ein neues Verhalten aneigne, brauche ich
1.Bewusstsein in Form von Wissen
2. Bewusstsein über mein Nervensystem
3. Bewusstsein über den Prozess wie lernen funktioniert.
Denn auch wenn ich es verstanden habe, brauchen Veränderungsprozesse Zeit und Achtsamkeit. Dein Nervensystem muss in einem ruhigen und regulierten Zustand sein. Du brauchst Kapazität um deine Emotionen halten zu lernen und das Wissen darüber wie dein Verhalten einst entstanden ist. Dankbarkeit, Verständnis und Mitgefühl sollten deine Begleiter auf diesem Weg sein.
Ab dem Moment, ab dem du erkannt hast, dass du dir ein anderes Verhalten dir aneignen möchtest, beginnen die Prozesse.
Du brauchst also das Wissen was sich verändern soll um aus den bildlich gesprochenen noch steinigen und holprigen Landwirtschaftswegen (Verbindungen in deinem Gehirn), eine Straße zu errichten. Das passiert jedes Mal, wenn du anstatt dein altes, das neue Verhalten zeigst. Ist der Stress zu groß, bist du müde, überfordert, hast Angst oder bist gereizt, wird dein Nervensystem dein altes Verhaltensmuster benutzen, weil du schließlich damit überlebt hast. Das ist laut deines System der sicherste Weg.
Das bedeutet du musst viel Geduld und eine gute Verbindung zu dir selbst Aufbauen, welche dir helfen kann, dein altes Verhalten durch Dankbarkeit mit deinem neuen Verhalten zu ersetzen.
Es geht also nicht darum, dass du nicht willst oder nicht Willensstark genug bist um dein Verhalten zu ändern sondern Verhaltensveränderung schlicht und einfach ein sehr komplexer und in sich verwobener Prozess ist den wir nicht so einfach durchbrechen können.