Wie entsteht Eigentlich Krieg

Um das Wesen Mensch in seiner Tiefe begreifen zu wollen braucht es unheimlich viel Bewusstsein. Bewusstsein darüber wie unsere Persönlichkeit entsteht. Wie wir uns entwicklen. Reifen. Wachsen. Prägen.

Das alles sind unheimlich komplexe und fragile Prozesse.
Die wir nur in der eigenen Tiefe ergründen können, bevor sie uns dann im Außen auffallen.
Das was wir erleben sind Trigger. Menschen geknüpft an Situationen die in uns eine Emotion hervorrufen, mit der wir gelernt haben um zu gehen, uns eben hindurch begleiten können oder eben nicht. Und wenn nicht passiert folgendes. Der Moment friert ein. Und es gibt eine Instanz in uns die emotional klein und gefangen bleibt.

In der Psychiatrie gibt es im ICD die so genannte multiple Persönlichkeitsstörung in der ganz bewusst verschiede Anteile des Menschen getiggert und dadurch einzeln unwissend von den anderen Anteilen zum Leben erweckt werden können. Dann sehen wir vor uns einen Menschen, in einem erwachsenen Körper, der sich in seinem emotionalen Verhalten dem eins drei jährigen Kindes gleicht. Dies sind Menschen die in ihrer Kindheit starke Vernachlässigung und/oder Gewalt, Missbrauch erlebt haben.

Und genau da kommen dann wir ins Spiel. Was macht das mit dir wenn du das siehst? Wie würdest du dich verhalten? Was würdest du tun? Was würdest du sagen? Was macht das mit dir und deinem Körper?

Bindungstraumata sind Traumata die in den ersten Jahren deines Lebens in einer zwischenmenschlichen Beziehung durchlebt werden und energetisch dich so überfordern, dass die Energie in dir eingefroren wird. Die Situation ist so überwältigend, dass du sie als Kinder weder lösen noch irgendwie beeinflussen kannst.

Deshalb hast du mit deinem erwachsenen Verstand keinen Zugriff darauf. Du kannst dir nicht erklären was hier jetzt gerade passiert. Weshalb sich dein Körper anspannt, wenn du in eine Konfliktsituation gerätst. Weshalb Männer oft mit Frauen Probleme haben die ihre Vorgesetzt sind. Dabei geht es nicht um die Angst vor der Vorgesetzten, denn diese wird gar nicht wahr genommen. Es geht um die Angst vor Frauen.

Die meisten Männer haben unglaubliche Angst vor dem weiblichen Geschlecht.
Das ist aber keine Angst auf die ich bewusst zurück greifen kann sondern es ist der Widerstand der es verunmöglicht eine glückliche Beziehung mit der Partnerin überhaupt führen zu können. Sich sexuell der Frau wahrhaftig an zu nähren.

Bindungstrauma sitzt so tief in unseren Zelle und von dort aus steuern uns diese Anteile. Deren Aufgabe es ist nie mehr in solch eine Abhängigkeit wie die zwischen Mutter und Kind zu geraten. Der Kopf dabei, unsere rasenden Gedanken, unser Verstand hat nur eine Aufgabe und die lautet Schutz. Schutz vor all dem bösen das dort Außen herum läuft.

Schutz vor all den Gefühlen die wir nie mehr fühlen wollen. Schutz vor dem Grauen welches in menschlicher Form herum läuft und alles vernichten möchte.

Aber gibt es das?

Als ich in der Psychiatrie gearbeitet habe, gibt es Methoden die bei Selbst und Fremdgefährdung angewendet werden und das bedeutet dann den Menschen zur Not gegen seinen eigenen Willen zu fixieren oder ihn in einen isolierten Raum zu bringen, der von oben bis unten gepolstert ist und in dem es nichts gibt mit dem sich der Mensch sein leben nehmen/verletzen könnte. Alles ist fest verbunden mit dem Boden.

Aber wie kommen diese inneren Zustände zustande?

Durch die Not die in deiner Seele lebt. In deinem Körper. In der tiefe deines Seins.

Ein Säugling kennt weder Raum noch Zeit. Er lebt aus seinem Gefühl heraus. Er weiß, dass er nur überleben kann, wenn er erwachsene Bezugspersonen um sich hat. Die ebenso daran interessiert sind, sein Überleben zu sichern.
Doch wenn wir Eltern werden, kommen wir vermutlich zum ersten Mal so richtig mit unserer Dysregulation in Verbindung. Mit unserem Kampf oder Fluchtmodus. Mit all der Überlebenseneergie die in unserem Inneren gespeichert ist. Mit der Kapazität uns selbst und ein weiteres Wesen zu begleiten. Besonders wenn wir ein Schreibaby haben, erleben wir einen Erschöpfungsgrad der irgendwann kaum mehr zu bewältigen ist.

Und was tun wir nun. Was passiert nun wenn wir diesen Säugling schreien lassen. Wenn aus Liebe, Wut oder sogar Hass werden kann und du einen Menschen in dir kennen lernst, vom dem du nicht einmal wusstest, dass es ihn gibt. Dann ist da nicht nur dieses fragile und verletzliche Wesen, dass unentwegt schreit sondern auch die Gefühle von Wut, Aggression, Trauer, Hass für die du kaum Kapazität hast und die du irgendwie bewältigen musst, weil sie sich sonst ganz selbst verständlich einen Weg suchen bevor deine Psyche zusammenbricht und du den wundervollen Nervenzusammenbruch oder Richtung Burnout steuerst. Dann hörst du auf zu kämpfen, wirst hart zu dir und deinem Gegenüber und lebst ab jetzt ohne Emotionen weiter.

Wenn du aber erwachst, bist du nun angekommen. Im Kern deines Schmerzes. In der Überlebensenergie die sich in deinem Körper befindet. Wir werden nur nicht zum Monster, weil wir ein Bewusstsein haben. Weil wir erzogen wurden und durch die Erziehung genau wissen, dass wir so niemals sein dürfen und wenn wir doch einmal in ein Verhalten der Not rutschen, gemein werden, schreien, Gewalt anwenden….. schreibe ich es dir zu. Weil du ….. Nicht weil ich….. Sondern weil du……

Nein da gibt es kein negative Energie in uns oder etwas das wir austreiben müssten sondern da ist etwas kleines in uns erwacht, das unglaublichem Schmerz ausgesetzt ist und welche Hilfe, Unterstützung und Co-Regulation erfahren sollte. Es geht immer um Bedürfnisse, die wir erfüllt bekommen müssen um uns wohl, sicher, beschützt, behütet, gesehen fühlen. Wir brauchen ein Zuhause in dem wir uns einfach fallen lassen können. Wir brauchen etwas zu essen und jemand der sich um unsere körperliche Gesundheit kümmert. Der uns tröstet und uns in Phasen der Bedürftigkeit trägt. Der uns reguliert wenn wir in Zustände des Dysregulation verfallen. Der mit uns die Impulskontrolle übt und nicht dafür bewertet, abwertet oder sanktioniert.

Passiert das nicht, bleibt dieser Mangel in uns und wir sind davon überzeugt, dass wir irgendwann einmal in eine Machtposition kommen werden in der wir exakt den Spieß umdrehen werden. Dann habe ich alle Macht und werde diese nie mehr abgeben. Ich habe mir innerlich geschworen nie mehr der Ohnmacht begegnen wollen. Egal was kommt aber ich kämpfe, ich kämpfe mein ganzes Leben bis ich irgendwann erschöpft zusammen breche. Nichts wird mir jemals mehr die Macht nehmen können. Das ist wie ein kleines Kind das sich an etwas lieb gewonnen festklammert.

Und genau daraus entsteht Krieg. Weil ich mich in einem chronischen Überlebensmodus befinde und der Kampf in mir, das ständige kontrollieren, das ich brauche um innere Sicherheit zu schaffen ins Außen projiziere.

Der Schmerz in mir ist das was ich nach Außen trage und denke es dort lösen zu können. Und dabei bräuchten wir alle eine erwachsene Instanz.

Aber was ist eine erwachsene Instanz.

Es ist ein innerer Erwachsener den wir uns mit der Zeit selbst erschaffen können und der all die Arbeit tut, zu der unsere Eltern nicht fähig waren. Der liebevoll mit uns spricht. Der uns auffängt wenn wir fallen. Der uns hält wenn alles zusammen zu brechen droht. Der die Tränen trocknet und uns einfach wohlwollend zur Seite steht.

Ich bin nicht mein Verhalten. Aber ich trage nun einmal als erwachsener Mensch dafür die Verantwortung für all das was ich tue.

Ja viele von uns, wünschen sich im tiefen Inneren die Erlösung. Eine Erlösung von dem Schmerz, von der Leere, von der Unruhe, von dem Gefühl nicht dazu zu gehören, anders zu sein, keine Energie mehr zu haben, vor der Einsamkeit.

Ja das gehört alles zu uns und es liegt in unserem Inneren ob wir uns uns selbst widmen wollen.

Es ist keine Last die uns auferlegt wurde oder etwas mit dem wir lernen müssen zu leben.

Es ist keine Fremdenergie sondern es ist der Schmerz vor dem wir ein Leben lang davon laufen weil wir glauben, dass uns dieser zerstören würde, wenn wir einmal stehen bleiben und ihm liebevoll in den Arm nehmen.

Stelle dir vor, du stehst da als kleines Kind. Voller Verzweiflung. Voller Not und Einsamkeit. Erwachsene Augen schauen dich an, was du schon wieder für ein Theater machst. Wenden sich voller Scham von dir ab. Du kleines Wesen, du welches es nicht einmal Wert bist, dass sie dir überhaupt zuhören. Und dann stehst da du. Du als erwachsener Mensch. Du als der Mensch der du heute bist und gehst hin. Kniest dich neben dieses kleine wundervolle Wesen und sagst „Ich bin hier. Jetzt bin ich hier und wenn du möchtest kann ich dich auf meinem Arm nehmen und dich von hier weg bringen. Ab jetzt bin ich da und lasse dich nie mehr allein. Ab jetzt beginnt für uns zwei ein neues Leben. Ich werde dir zuhören. Dich umsorgen. Dich pflegen. Dich tragen, wenn deine Beine müde geworden sind. Ich werde mit dir tanzen und über die Sommerwiese rennen. Ich werde mit dir ins Gras fallen und in den blauen Himmel schauen. Ich liebe dich.“

Was bewegen diese Sätze in dir?

Das ist Liebe. Das ist die Form von Liebe welche dir einst hätte begegnen sollen. Das ist wahrhaftige elterliche Liebe.

Das passiert aber nicht.

Der Weg führt durch dich hindurch zu einem Leben voller Bewusstsein. Bewusstsein für dich. Für deine Liebsten. Für all deine Gefühle.

Trigger verschwinden. Du lernst dich deinem Schmerz zu öffnen und das viel Male, bis all die Überlebensenergie abgeflossen ist und du ihm nur noch liebevoll begegnen kannst.

Es gibt dort Außen keinen einzigen bösen Mensch. Es gibt nur Menschen die in ihrer Psyche als Kinder stecken geblieben sind und die so viel Schmerz in ihrer Seele tragen, dass sie nur schwer wieder heilen können.

Also dein Guru musst du nicht finden. Du musst ihn nicht einmal suchen. Er lebt in dir in Form deiner Gefühle und die Lösung besteht nicht darin, sie aus zu agieren sondern halten zu lernen. Ihnen eine Heimat in dir zu geben. Bis sie sich irgendwann einmal alle zusammen in deinem inneren vereinen. An einem sicheren Ort zu dem niemand Zugang hat außer du selbst.

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