
Wenn wir die Depression zu Wort kommen lassen würden, würde sie uns folgendes mitteilen…..
„Ich bin müde. Ich bin unheimlich müde. Ich kann nicht mehr. Bin erschöpft und am Rande meiner Kräfte. Das bisherigen Leben hat mir alle Energie geraubt und ich bin leer. Vollkommen leer. Du musst und wirst es nicht verstehen, weil ich es mir selbst einmal nicht erklären kann, was dieser Körper und diese Psyche hier mit mir machen. Ich bin nicht glücklich und jeder Tag ist eine reinste Herausforderung für mich. Bereits morgens, sehne ich mich auf den Abend wenn alles wieder zur Ruhe kommt und schweigt. Eigentlich befinde ich mich in einem Zustand eines Lebenden toten. Ich habe mich damit arrangiert. Ich habe angenommen, dass ab jetzt das Leben sich nun einmal so anfühlen wird. Ich bin hilflos, weil ich mir nicht mehr selbstständig helfen kann. Es fühlt sich an, wie wenn ich alles irgendwie über mich ergehen lassen müsste.“
Alle psychischen Erkrankungen haben ihren Ursprung in der Familie.
Es geht um das Bild dass meine Eltern von mir einst in mich gepflanzt haben und welchem ich nicht entspreche. Wenn wir durch Erziehung gebrochen werden, wird aus uns Menschen ein Soldat. Ein Soldat dessen einzige Aufgabe es ist zu funktionieren und so gut es geht sein innerstes zum Schweigen zu bringen.
So sind wir Menschen aber nicht gemacht. Jeder Mensch hat sein eigenes verletzliches Wesen und seinen Persönlichkeit mit Temperament welches sich mit der Zeit entwickelt.
Wird die Familie aber von einem Trauma beherrscht, darf es Individualität nicht geben. Zum Schutz, weil dadurch dein Überleben gesichert werden kann.
Es gibt Regeln und an diese Regeln hast du dich gefälligst zu halten.
Missachtest du diese Regeln, dann hast du mit einer Strafe zu rechnen und diese kann gewaltig ausfallen.
Macht euch einmal bewusst, das Leben welches unsere Kinder leben steht in keinem Vergleich zu irgend etwas anderem. Das Leben, die Art und Weise wie wir ihnen begegnen. Wie wir sie auffangen und begleiten. Wie wir mit ihren Emotionen umgehen ist ihre Welt. Und diese Welt ist erst einmal fix. In dieser Welt kennen ich mich aus, in dieser Welt ist mir alles vertraut. Habe ich eine einigermaßen gute Resilienz kann ich dieses Leben mit meinem Scheinich sehr gut meistern.
Habe ich sie jedoch nicht zerbreche ich daran. Entweder erkrankt mein Körper oder meine Psyche. Und nun passiert folgendes was wir beachten sollten, wird mir als Kind signalisiert, dass ich schwach bin, dass ich mir nicht helfen kann, dass ich keine Selbstwirksamkeit habe, erlebe ich unbeschreibliche Ohnmacht. Momente in denen ich sozusagen das Leben über mich ergehen lassen muss. „Ich bin schwach. Ich kann mir nicht helfen. Ich bin allem ausgeliefert. Ich bin unerwünscht. Ich darf mich niemandem mitteilen. Ich muss alles alleine schaffen. Ich darf niemandem sagen wie es wahrhaftig in mir aussieht.“
Gegen diese Überlieferung, die tief in meine Seele stecken, versuche ich anzukämpfen. Ich versuche ein anderes Fremdbild zu erschaffen um den inneren Schmerz nicht mehr fühlen zu müssen.Deshalb stecke ich all meine Energie in Leistung oder in irgendwelche Gruppen und Vereine/Hilfsorgas…. engagiere mich überall um nur nicht fühlen zu müssen. Denn ich kämpfe gegen mein inneres Trauma an. Denn die einzigsten die dieses Trauma auflösen und bei welchem ich den Schmerz entladen könnte, meine Eltern sind, die, wenn sie das Bewusstsein hätten, sagen könnten. „Ich habe dir ein falsches Bild von dir vermittelt. Ich wollte, dass du deine Verletzlichkeit die ich selbst vernichten musste, zerstören. Ich habe dir damit signalisiert, dass du so wie du bist nicht liebenswert bist. Dass du anders sein müsstest und falsch bist. Ich wollte dich zu einem harten Wesen erziehen, das funktioniert weil ich geglaubte habe, dass ich dich damit vor dem Schmerz bewahren kann, welcher mir einst widerfahren ist. Dies tut mir Leid von ganzem Herzen unglaublich Leid.“
Da die meisten Menschen ihr Trauma weder sehen, noch wahrnehmen, noch daraus hinaus wachsen werden ist dieser Wunsch ein Traum welcher sich nicht erfüllen wird.
Also nein es wird auf dieser Welt niemand geben der dich retten wird. Es wird niemand geben der dir das schenkt was du so sehnlichst vermisst. Ein Mensch sein zu dürfen der einfach nur sein darf. Sein darf mit all seiner Verletzlichkeit. Weil genau diese Verletzlichkeit seine größte Stärke ist.
Der Zustand in welchem du dich befindest ist das Resultat deines chronischen Überlebensmechanismus aus welchem du nicht mehr heraus kommst und der dorsale Vagus dich nun schützt. Du spürst also deinen Schmerz nicht mehr aber auch nichts anders. Du befindest dich also im stand by modus.
Die Medizin versucht mit Psychopharmaka dagegen anzukommen, was aber auch oft nicht funktioniert. Was dir jedoch helfen könnte ist zurück zu kommen. Zurück zu reisen um deine eigene Liebe wider zu finden.
Um die Verbindung zu dir erneut entstehen zu lassen und du aufhörst gegen den Zustand innerlich ankommen zu wollen. Die Schwere, die Leere, die Erschöpfung zu lässt. Dein Körper ist der treuste Freund den du hast und wenn du gegen ihn kämpfst bedeutet das, dass du ihm täglich selbst das Messer in deine Haut rammst.
Dein Körper ist dein Zuhause und deine Seele lebt in ihm.
Ich kann dir nicht beschreiben, wie schön es ist erneut in dein zuhause zurück zu kehren bzw. wie unbeschreiblich verbunden es sich anfühlen kann endlich wahrhaftig in deinem zuhause anzukommen aber der Schmerz der in dir lebt will zum Ausdruck gebracht werden. Er will aus deinem Körper herausfließen dürfen und das nun einmal in dem, dass du erneut einen Zugang zu deiner Wut bekommst. Auf all die Ungerechtigkeit. Wut auf deine Eltern. Wut auf das Leben. Wut auf die Menschen.
Sie ist vollkommen in Ordnung und sie darf sein. Sie darf und muss sein, weil Wut die einzigste Energie ist die deine Energien wieder zum fließen bringen kann. Durch die Wut findest du in deine Trauer die dich sehr wahrscheinlich überfluten wird. Denke daran. Alle Emotionen leben in dir und sie leben bereits seit vielen Jahren in dir. Sie können dich nicht umbringen auch wenn es sich so anfühlt. Sie sind da um einen Ausgleich zu schaffen um alles wieder ins Gleichgewicht bringen zu können.
Ich weiß, dass der Weg hart ist aber was hast du zu verlieren.
Was könntest du wirklich verlieren.
Es steckt so unglaublich viel Lebenskraft in dir sonst würde es dich bereits nicht mehr geben.
Ich verneige mich vor dir.
In tiefer Ehrfurcht und VerbundenheitI
Isabell