Die Stimme des Herzens

Im Leben wird es viele Momente geben, in denen ich mich nicht verstehen werde.

Es wird viele Momente geben in denen ich glaube kämpfen oder fliehen zu müssen.

Es wird Momente geben in denen ich wie vor einer Wand stehe.

Meine Finger streichen sacht über den Stein. Fühlen eine Poore nach der anderen. Ich lehne mein Gesicht ganz vorsichtig an. Spüre wie rau und kalt sich die Steine anfühlen. Gebe etwas meines Gewichts an die Mauer ab. Mein Gesicht wendet sich dem Himmel zu und ich sehe nichts als diese Mauer. Diese Ohnmacht ist mir aus meiner Kindheit sehr bekannt.

Zumindest scheint es so.

In einer Therapiesitzung sagte mir einst meine Therapeutin, „wenn sie in einer Bäckerei Schuhe kaufen wollen, werden sie dort niemals fündig werden aber wenn sie aus dem Laden heraus treten und bereit sind um sich herum zu schauen, werden sie vielleicht einen Schuhladen entdecken.“

Und genau so ist es.

Wenn wir uns in einem Moment der Dysregulation befinden sehen wir nur die Farben schwarz oder weiß. Kämpfen oder flüchten und wenn das nichts hilft erstarren wir und hoffe so zumindest überleben zu können. Aber ist das wirklich erwachsen und passt dieses Gefühl zum derzeitigen Moment oder spielt mein Nervensystem mit mir gerade wieder sein Spiel?

Und ich nehme deshalb all die anderen Farben nicht mehr wahr.

„meine Gefühle überfluten mich gerade und ich kann dir nicht mehr antworten“

„ich möchte, dass du mich bitte in den Arm nimmst und mich ganz fest hälst, damit mein Körper die Erfahrung macht, dass ich bei dir sicher sein kann.“

„ich möchte gerade alleine sein weil meine Worte nun nur noch verletzend sein werden.“

„ich könnte gerade schreien vor Schmerz und Wut und Angst. Ich weiß nicht warum das so ist aber es fühlt sich unglaublich bedrohlich an. Ich werde mich nun etwas von dir weg setzen und beobachten was das mit mir macht. Dies hat nichts mit dir zu tun sondern nur mit mir.“

„ich glaube, ich habe Angst.“

„ich glaube, dass ich sehr oft die Verbindung zu mir verliere weil ich mehr schaffen möchte als ich kann und dadurch werde ich blöd zu dir und den Kindern. Das tut mir Leid.“

„entschuldige für meine Härte, entschuldige, dass ich manchmal so unglaublich abweisend bin.“

„ich bleibe hier. Ich halte dich. Ich gehe nicht weg. Ich habe gerade keine Angst vor dir. Das was passiert, hier gerade berührt mein Herz. Alles in mir wird warm und weich. Das Eis schmilzt. Die Sonne lacht zwischen den Wolken hervor. Die Vögel beginnen zu singen und ich fühle mich so wohl mit dir. So unglaublich wohl dass ich es nicht mit Worten ausdrücken kann. Danke für diese Erfahrung.“

„halte mich auch wenn ich weine. Auch wenn ich schreie oder mich versuche aus der Umarmung zu winden, wenn mich meine Not besuchen kommt.“ Ich sinke in deinen Armen zusammen und du hälst mich. Ich lasse los. Darf schwach sein. Und du siehst mich. Und liebst mich dennoch.

Sind Sätze die ich sagen könnte

Für die Sprache der Liebe brauchen wir Mut. Also einen inneren Freund und Begleiter, der uns manchmal an die Hand nimmt und mich führt und ich ihm folge.

Ich weiß so vieles noch nicht und das ist OK.

Unsicherheit mein stetiger Begleiter.

Denn im Leben geht es um Entwicklung und wenn wir schon alles kennen und wissen würden , worüber würden wir staunen? Was könnten wir dann noch entdecken?

Es geht immer um den Raum den wir eröffnen dürfen für eine Begegnung. Für eine Berührung. Für einen Kuss. Für die Angst die berichten möchte weshalb sie da ist. Für die Wut die zum Ausdruck gebracht werden will. Für all die Tränen die betrauert werden wollen für all die unsichtbaren Momente. Für die Überforderung und Einsamkeit.

Alle Gefühle tragen eine Botschaft in ihrem Kern.

Es sind kleine Liebesbriefe, nur für mich.

Es geht darum sie zu entschlüsseln, verstehen und lesen zu lernen.

Sie berichten so viel über das Kind, das du einmal warst.

Sie wollen nur, einzig und allein von mir gehört, verstanden und akzeptiert werden.

Es ist die einzige Verbringung zwischen mir, meinem Herzen, meiner Seele.

Es ist die Sprache der Seele.

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