
Ich möchte euch einladen.
Ich möchte euch mitnehmen in das Reich der inneren Welt, wenn der Schmerz abfließen, die Erkenntnis daraus empor wächst, wir die kindliche Bewusstseinsbrille ablegen und zurück bleibe ich.
Mit ich, meine ich einen Menschen. Ein unglaublich verletzliches Wesen.
So wie du und ich es sind.
Also lege ich mit konkreten Beispielen los, damit du erkennen kannst, dass jedes Gefühl „für dich“ ist.
„Warum dauert das so lange“ schreit mich mein kleiner Sohn an.
Tränen treten in seine Augen.
Seine Hände ballen sich zu Fäusten. Seine Augen werden zu schlitzen, seine Mundwinkel ziehen sich nach unten, der ganze Körper ist angespannt. Er ist bereit zu kämpfen. Er kämpft gegen die Realität an, die nicht mit seiner Wunschvorstellung seines kindliches Verstandes übereinkommen kann.
Er schreit und rennt weg. Stapft die Treppen hoch in sein Zimmer. Knallt die Türe zu.
Ich folge ihm langsam. Gehe in das Zimmer lege mich zu ihm.
„Mama warum dauert das so lange? Warum dauert das so lange?“
„Weil ich nichts daran ändern kann“, sage ich zu ihm. „Das kann ich leider nicht beeinflussen.“
Er nimmt einen kleinen Block und donnert ihn mir auf den Kopf.
Einmal, zweimal, dreimal, viermal. Er hört auf. Schaut mich an. Nimmt Blickkontakt zu mir auf und haut nochmal zu. Ich verstecke mein Gesicht in meiner Armbeuge und lass es geschehen. Lass zu, dass er mich haut. Und es ist ok. Es ist nicht schlimm. Es ist ganz ruhig in mir. Ganz friedlich. Weil ich das Gefühl, das in ihm tobt selbst kenne. Weil ich es fühlen kann. Weil ich seinen Schmerz spüre, der gerade in ihm tobt.
Wieder haut er zu und wartet ab. Beobachtet. Schaut wie ich reagiere. Was ich tue was ich sage. Er versucht heraus zu lesen was in mir passiert.
Und ich tue nichts. Bleibe sitzen warte ab. Halte aus. Bleibe anwesend. Bei meinem Kind. Bei meinem Kind, das ich so unendlich Liebe.
Wieder, noch ein Schlag und noch einer.
Dann kommt der Satz „Mama bitte sage einfach, dass 10 Tage nicht lang sind.“ kommt es plötzlich über seine Lippen.
„ok….ok 10 Tage sind nicht lang“ antworte ich ihm.
Und schon entspannt sich alles. Sein Körper atmet durch. Ein kurzer Moment der reinen Stille. „Und nun nehm mich in den Arm, ich brauche Liebe. Ich brauche Liebe Mama.“ flüstert er mir zu und so sitzen wir da. Eng umschlungen. Magie umgibt uns. Ich liebe dich, weil ich dich fühlen kann, nicht weil ich dich aufgrund deines Verhaltens bewerte.
Ein anderes Beispiel:
Wir schauen Anna und die wilden Tiere.
„Mama, werden die Schweine geschlachtet? Mama stimmt das, dass alle Schweine mit den Ohrmarken geschlachtet werden? Mama das sind so viele….“
Er beginnt zu schluchtsen. Zu weinen. Sein Körper sackt in sich zusammen. Ich nehme ihn in den Arm und sage nichts. Mir fehlen die Worte um überhaupt etwas sagen zu können als, „ja genau so ist es“.
„Aber warum, warum müssen die alle sterben?“
„Weil der Bauer damit sein Geld verdient und weil wir Fleisch essen und wenn wir Fleisch essen wollen, müssen dafür Tiere sterben.“
Wieder beginnt er zu weinen. Ich will das nicht Mama. Ich will das nicht.
„Ich verstehe dich“. Ich halte ihn einfach nur während seine Tränen in mein Pulli fließen.
Wenn alle Gefühle willkommen sind, sind wir sehr verletzliche und mit allem verbundene Wesen. Wir lesen aufgrund unserer Spiegelneuronen im Gesicht unseres Gegenübers ab, wie es demjenigen geht. Wir haben ein unbeschreiblich intelligentes Nervensystem das sofort jede Spannung wahr nimmt und uns selbst dafür aktiviert.
Wir sind feinfühlig und nehmen das wahr, was unser Gehirn sich jedoch nicht erklären kann.
Unsere Gefühle, sind zu aller erst nur für uns da. Sie erzählen mir etwas über meinen bisherigen Weg. Über alles was ich erlebt und durchlitten habe.
Gefühle sagen nie etwas über den anderen Menschen aus sondern sie beschreiben meine Zustände, die ich bereits als Kind durchleben musste. Und dann frieren wir ein. Werden wir getriggert egal ob von unseren Kindern, unserem Partner oder von fremden Menschen gehen wir zurück. Reisen in die Zeit zurück, als wir 1,2,3,4,5 Jahre alt waren und eben keine Erklärung finden, weshalb wir uns fühlen wie wir uns eben fühlen, weil wir uns nicht daran erinnern können. Deshalb schreiben viele Coaches oder spirituelle Lehrer davon, dass wir Gefühle fühlen sollen anstatt sie zu denken.
Denken und erklären ist eine Strategie und holt uns aus dem Fühlen heraus aber wenn wir bereit sind, unser Bewusstsein erweitern zu wollen, müssen wir fühlen um aus dem kindlichen Schmerz heraus zu wachsen.
Dann lassen wir uns eben nicht wieder allein, so wie wir es damals erlebt haben. Reißen uns zusammen und werten uns ab, damit wir weiter funktionieren, sondern bleiben anwesend. Weinen, lassen alle Tränen aus unserem Inneren heraus fließen und bleiben bei uns. Begleiten uns durch diesen Zustand hindurch. Wenn du diese Prozesse einige Male durchlaufen hast, wird auch der Wunsch, nach gehört, gesehen und anerkannt zu werden weniger, da du die Verbindung zu dir zurück erobern konntest.
Das Bedürfnis gesehen, gehört, gelobt und Anerkennung zu erfahren ist ein sehr menschliches aber auch sehr kindliches Bedürfnis, das unsere Eltern hätten stillen sollen. Der Wunsch nach bedingungsloser Liebe und dem Gefühl vollkommen angenommen zu sein.
Aus diesen Erlebnissen heraus, kappen wir irgendwann die Verbindung zu uns selbst, weil der Schmerz unerträglich wird und wir uns fragen:
„wie muss ich sein oder was muss ich tun, um die Menschen um mich herum zufrieden zu stellen? Um sie zu regulieren, also zu co-regulieren, damit sie mir keinen weiteren Schmerz zufügen?“
Wir kommen als Kinder nicht auf den Gedanken, dass unsere Eltern bindungstraumatisiert sind „wie es eben bei den aller meisten Eltern“ der Fall ist und wir deshalb vollkommen im Recht sind, perfekt sind, so wie wir gerade eben sind, sondern wir Beginnen die Schuld bei uns selbst zu suchen.
Die Chance die in der Heilung steckt ist mehr Raum für sich selbst zu entwickeln. berührbarer zu werden. Nicht mehr hart zu werden, sich zurück zu ziehen, in einem Gefühl von „mir doch egal“ zu verschwinden oder die komplette Wut auszuagieren, weg zu laufen oder oder oder.
Du entwickelst die Kapazität für dich. Findest Erklärungen für deine Emotionen, warum sie da sind und was sie von dir wollen. Das Bewusstsein anwesend zu bleiben um mit allen Emotionen sein zu können. Nicht nur bei dir, sondern auch bei deinen liebsten.
Und dann gibt es Raum, ganz viel Raum für dich, für deine Seele, für deine Heilung,
denn wenn ich nichts zu verbergen habe, kann ich auch mit dir über alles sprechen und muss nichts mehr zurück halten. Denn wenn ich es zurück halte, gebe ich ein Gefühle weiter ohne dem anderen zu erklären, weshalb ich mich verhalte wie ich mich eben verhalte und der andere wird damit beginnen die Schuld bei sich selbst zu suchen und zu fragen „was ist an mir falsch oder was stimmt mit mir nicht?“