
Gerade fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich fühle. Ich fühle dich.
So oft bleiben wir in unserer Programmierung stecken.
Halten uns auf im Raum der Sicherheit.
Im Raum in dem ich alles kenne. Bin nett und freundlich.
Und dann bekommen wir Kinder und die haben oft einfach keinen Bock auf „nett und freundlich sein“. Sie wollen nicht. „Weil“ hören wir dann. „Kein Bock“. „Mach halt du“.
Und dann reagieren wir. Nicht wir reagieren sondern etwas in uns reagiert.
Wären wir begleitet worden.
Hätten wir jemanden gehabt, der uns wirklich sieht, was denkst du hätte dieser Mensch dann getan?
Gestern tobte wieder einmal ein Sturm durch unser Haus. Um mich herum brüllte und schrie es. Ich sah Wut und Ohnmacht. Alten Schmerz und Hilflosigkeit. Trauer und ich blieb da. Ich schaute mir all das in Ruhe an, wie wenn ich abends auf dem Sofa liege und zusammen mit meinem Mann eng aneinander gekuschelt eine Serie ansehen. Ich fühle mit. Sie berührt mich aber sie triggert mich nicht.
Aber wenn meine Kinder tief in ihrem Sturm feststecken und ich da sitze und sie anschaue weiß ich nicht was da mit mir passiert ist.
Es kommt ein Impuls hoch es zu beenden. Selbst zu schreien und sie darauf hinzu weiße, dass das so nicht geht. Ich könnte ihnen Angst machen.
Oder ich akzeptiere es und warte ab. Warte ab so lange wie es dauert.
Und ich wartete ab.
Ich beobachtete sie, wie sie mit ihren Tränen und schweren Gefühlen kämpften.
Mich überkam eine unfassbare Traurigkeit. Eine Traurigkeit, dass ich als Kind dafür abgestraft wurde. Dass ich bis heute noch tiefe Selbstzweifel und Ängste habe. Dass ich niemals gut genug sein werde. Dass ich ein Wesen bin, dass man niemals lieben kann, weil dieser Schmerz in mir, mich immer wieder zu einem Wesen werden lässt was ich eigentlich gar nicht bin aber was auf mich zurück fällt wenn ich aus einer Familie komme die sich mit Heilung so absolut nicht auseinandersetzen will.
Einmal nur einmal ein ehrliches in die Augen schauen und
„es tut mir Leid. Ich habe dir so weh getan.“ und dann unter Tränen zusammen zu sacken würde mir all den Schmerz nehmen. Dann wäre meine Seele frei aber das wird es nicht geben niemals.
Also hole ich tägliche meine Liebe in kleinen Schritten zu mir zurück.
Ich liebe euch so sehr. Ihr seit in mir entstanden und ihr werdet immer in mir leben.
Zu lieben bedeutet mutig zu sein oder sagen wir nur die mutigsten Menschen können in sich spüren was wahre echte Liebe ist.
Ich will meine Verantwortung nicht in die Hände eines Gottes geben.
Ich werde geliebt, das weiß ich, immer aber was mir passiert ist eine Erfahrung aus der ich lernen und mich entwickeln darf. Mein Inneres daran wachsen soll. Ich in die Selbsterfahrung komme.
„Ich will dass ihr aufhört zu streiten“ sage ich zu meinen Kindern und kann es selbst nicht einmal obwohl ich es vornehmen nicht mehr mit meinem Mann zu streiten.
„Das ist doch gar nicht so schlimm. Hab keine Angst.“ sagte ich früher während ich gleichzeitig, den Chortermin absage, weil ich Angst vor den anderen Menschen habe.
„Du kannst die Hausaufgaben doch alleine machen.“ sage ich, während ich meine Bewerbung am liebsten mit meinem Mann schreibe, der sagt „ja ja genau so hört es sich gut an.“
„Ich will nachts nicht alleine in einem Bett liegen wo niemand ist. Ich will euch spüren. Ich will euch kuscheln und küssen. Ich will diese Nähe leben.“
„Mama warum kann man manchen Menschen nicht vertrauen.“
„Na ja vertrauen kann man eigentlich nur sich selbst. Vertrauen entsteht in dir in deinem Herzen wenn du bereit bist alles fühlen zu wollen. Menschen verraten einander weil es der Schmerz zu ihnen sagt. Wenn wir niemanden haben, der es gut mit uns meint. Der unser Herz sieht und uns bedingungslos liebt, brauchen wir einen Weg um mit all der Angst und Eifersucht und Wut und Trauer umgehen zu können und dann verraten wir einander, damit der andere fühlt was du selbst in deinem Herzen trägst. Fühle das was ich fühle und das hilft mir damit klar zu kommen. Weißt du mein Schatz wir sind alle sehr verletzte Menschen und wenn du so vor mir stehst und schreist und brüllst, sehe ich nicht einen Jungen der mir weh tut oder mir weh tun will sondern dann sehe ich erstens deine Stärke, wie viel Kraft in deinem Körper lebt und dann sehe ich dich und deine Verletzlichkeit und dann liebe ich dich. Ich liebe diesen wundervollen Jungen von ganzem Herzen und weiß wie wundervoll du bist und wir immer gemeinsam Wege finden werden.
Deshalb sehe es. Akzeptiere, dass in diesem Menschen Schmerz lebt und gehe du voraus. Deine Verletzlichkeit. Deine Tränen sind das schönste Geschenk, dass dir das Leben geben kann. Bewahre sie. Halte deine Seele fest.“