
Kinder sind kleine Lebewesen.
Kinder sind kleine Menschen die uns abgöttisch lieben.
Die Liebe verschwindet nicht plötzlich nur weil sie in die Pubertät kommen.
Was sich verändert ist ihre Abhängigkeit und der Mut endlich einmal alles in Frage zu stellen.
Wenn wir auf diese Welt kommen sind wir abhängig.
Abhängig und zwar in jedem Moment deines Leben.
Du hast zwar überlebt aber was du bis dahin erfahren und erlebt hast weißt du nicht.
Ich erinnere mich nicht mehr aber mein Körper erinnert sich.
Nicht „ich“ finde viele Momente bedrohlich, mein Körper fühlt sich unwohl, unsicher, Angst breitet sich aus.
Viele Momente fühlen sich deshalb so bedrohlich für uns an, weil wir keine Erinnerung haben.
Uns fehlt die Erinnerung, dass wir als Säugling schreien gelassen wurden.
Dass wir nichts zu Essen bekamen.
Dass wir vielleicht körperlich misshandelt
Dass wir angeschrien wurden.
Meine Kinder sagen oft “ Mama ich habe Angst. Ganz schlimme Angst und ich sage ja das stimmt. Das kann sein, dass es daher kommt, dass es Momente gab, als ihr kleine Babys wart in denen ich euch furchtbar angeschrien habe. Nicht weil ich euch etwas böses wollte, sondern weil ich nicht wusste wie ich mit eurem Schreien umgehen sollte. Das fühlt sich für mich ganz schlimm an und deshalb konnte ich euch nicht einfach so im Arm halten und euch zuhören. Nein ich musste dagegen etwas tun und genau deshalb kann es sein, dass daher eure Angst kommt. Ihr braucht mich. Jetzt. Und das ist ok.“
Wir machen Fehler.
Wir sind Menschen und wir können daraus lernen indem wir Verantwortung übernehmen.
Eben nicht vernünftig handeln sondern sagen ok, das habe ich damals verbockt, dein Verhalten ist nicht logisch aber du brauchst mich und ich bin da.
Verantwortung zu übernehmen ist etwas schönes. Das schönste und zugleich schmerzhafteste was ich in den letzten Jahren lernen durfte.
Das hat nicht das Leben getan oder jemand Fremdes oder der Zufall oder oder oder.
Das war ich.
Ich habe aufgrund meines Schmerzes dich verletzt.
Ich wollte meine Angst nicht fühlen und habe dich verletzt.
Ich wollte meine Wut und Überforderung nicht fühlen und habe dich verletzt.
Ich wollte Kontrolle ausüben um Sicherheit zu erlangen und habe dich verletzt.
Ich wollte dich benutzen und manipulieren und habe dich verletzt.
Erwachen tut weh, denn woher haben wir all die Verhaltensweise, Impulse, unkontrollierten Ausbrüche, wenn wir ihnen nicht irgendwo begegnet wären.
Zu mir finden oft so zauberhafte und verletzliche Wesen ihren Weg. Menschen die fühlen. Die das Trauma nicht mehr leben wollen. Deren innere Stimme so wie bei mir so laut geworden ist, dass sie sie nicht mehr ignorieren können. Deren Körper anfängt Schmerzen zu produzieren und sie wissen wollen, was ist das und wo kommt das her und was will mir das sagen?
Ihnen wird von ihrer eigenen Familie eingeredet, dass sie empfindlich seien, komisch, seltsam, übertrieben emotional seien.
Das ist der einfachste Weg um einen Menschen, der die toxische Dynamik in einem Familiensystem erkannt hat wieder zurück in seine alte Rolle zu bringen.
Trauma will sich selbst erhalten.
Trauma wirkt starr.
Trauma verteilt klare Rollen.
Trauma will nicht verstehen.
Trauma trägt dazu bei, dass Angst bestehen bleibt und niemals eine wirkliche Verbindung zwischen Menschen aufgebaut werden kann.
Ich bin unter Menschen und fühle mich doch fürchterlich einsam.
Ich fühle. Das ist das was das Trauma niemals will. Fühlen. Denn dadurch fällt es irgendwann in sich zusammen und stirbt.
Ich fühle mich. Ich fühle mich wieder.
Ich fühle mich in mir.
Das Wesen das ich bin. Das Wesen mit dem ich auf die Welt gekommen bin. Das Wesen das sich bis jetzt verstecken musste. Das Wesen das total ausgemerkelt und bedürftig auf dem Boden liegt bin ich.
Liebe entsteht nur, wenn ich als Kind die Erfahrung mache geliebt zu werden.
Mein „ich“ wird geliebt.
Mein „ich“ wird gesehen.
Auf mein „ich“ wird Rücksicht genommen.
Mit meinem „ich“ wird sich auseinander gesetzt.
Mein ich lebt im Herzen meiner Eltern, weil der größte Teil von ihnen in mir lebt.
Ich lebe in ihnen und sie leben in mir, ob wir wollen und uns dagegen währen oder ob wir ihr Verhalten für gut befinden und es freiwillig übernehmen.
„ich liebe dich“ sagte plötzlich mein kleiner Sohn der neben mir sitzt.
“ oh ha, wo kommt denn das her?“ frage ich ihn.
„Das sagst du doch auch immer zu uns und nun sage ich es dir, einfach weil ich es will.“
Ich werde geliebt.
Weil ich ein guter Mensch bin, das tut weh.
Das tut so weh, dass mich mein eigenes Kind sieht und meine Eltern mich niemals werden sehen können.