Konflikte sind Lernchancen

„Es tut mir Leid“, sagt mein Mann.
„Entschuldige“ und umarmt meinen Körper.
Er drückt sich an mich und ich lasse die Umarmung zu.

„Ich weiß“, sage ich. „Ich weiß, dass es dir Leid tut.“

„Keine Ahnung, was da passiert, dass wir nicht einfach darüber sprechen können und dann so miteinander streiten“sagt er.

„Soll ich dir sagen, was mein Körper mir über deinen verrät?“frage ich ihn.
Er schaut mich an.

„Dein Körper und dein Verhalten zeigen mir, dass du Angst hast. Du hast aber nie gelernt eine Sprache für deine Angst zu finden. Du machst dir Sorgen um unseren Sohn. Du liebst deinen Sohn. Du willst das Beste für dein Kind und deshalb willst du ihn in diese Gesellschaft zwingen. Das kann ich alles verstehen und super nachvollziehen, das Problem dabei ist, dass du dabei deinen Sohn verlierst.
Ich konnte mit dir gestern da noch nicht so offen drüber sprechen, da ich manchmal auch noch Zeit brauche um mein Inneres zu klären, um zu verstehen, was mir mein Herz sagen will, weil ich mich auch manchmal dafür schäme, dass ich nicht so gut funktioniere und meine Gefühle in mir so laut sind.
Da ist ein ganzer Kindergarten und alle sprechen durcheinander und ich muss erst einmal verstehen, was die mir alle sagen wollen bis mir klar wird wie der Weg weiter geht.
Mein Herz ist dann so laut und sagt Isi das machst du nicht ohne es in diesem Moment zu verstehen.
Und dann bin ich auch hart zu mir, weil ich es eben noch nicht für mich geklärt habe und kann dich gar nicht mit einem liebevollen Blick sehen, weil ich gar keinen Raum für dich in mir habe. Da ist alles mit mir gefüllt. Verstehst du ?

Ich verstehe dich. Ich sehe dich. Ich sehe deine Angst, die habe ich auch.
Aber viel mehr sagt mein Herz, gib ihm Zeit.
Wenn du kontrollieren willst, geht es um Misstrauen und um das fehlende Vertrauen zu deinem Kind.
„Ich glaube nicht dass du das schaffst.“
„Ich vertraue dir nicht“
„Du bist zu schwach und deshalb muss ich dich zwingen“ sind die Botschaften die du ihm dadurch sendest.

Klar wäre es der einfachere Weg ihn einfach zu zwingen und zu sagen, so du musst das jetzt aber ist es der Richtige?
Willst du das?
Willst du mehr deiner Angst glauben anstatt ihm den Raum zu geben den er braucht und mit der Unsicherheit zu leben, dass wir jetzt erst einmal nicht wissen wie es weiter geht?
Ich weiß es nicht und ich nehme es an, dass ich es eben nicht weiß.
Unser ganzer Weg bis hierher ist geprägt davon sich auf das Leben einzulassen.
Bei uns lief alles anders wie bei anderen Familien und was habe ich daraus gelernt.
Vertraue deinem Kind und es wird fliegen. Habe Geduld und schenke ihm Liebe, Zeit, Verbindung.

Also auch mir tut es Leid. Auch ich war nicht offen zu dir, so dass es gestern eskalieren musste. Deshalb entschuldige und dennoch muss ich dir eines sagen.

Wenn du so wütend wirst habe ich Angst vor dir.
Ich habe nicht Angst vor dir als meine Mann aber ich habe Angst vor deinem Schutz. Vor dieser Härte und Kälte in die du gerätst wenn du wütend wirst. Ich habe Angst dass du mir doch irgendwann einmal weh tun könntest. Das ist so. Ich habe es zu oft erfahren, dass meine Mutter in einem dysregulierten Zustand total ausgeflippt ist. Das sagt mir mein Körper. Er fühlt sich absolut nicht mehr wohl und sicher, wenn ich dich emotional nicht mehr erreichen kann. Dann bis du weg. Einfach weg und nur noch Kälte umgibt dich.

Ich liebe dich und ich komme mit diesem Verhalten absolut nicht klar. Das muss ich dir jetzt sagen.“

Hinterlasse einen Kommentar