Das Gefängnis der Kindheit

Gestern hatte ich ein wundervolles Gespräch mit meiner Freundin.
Es handelte von Einsamkeit und Isolation und woher dies kommt und weshalb dies im erwachsenen Alter immer noch so präsent sein kann.

Die Kindheit ist eine unbeschreiblich zerbrechliche Phase. Wir kommen als Wesen in diesem Körper an. Wir entwickeln mit den Jahren unsere Identität, unsere Persönlichkeit, unser ich, was viele Jahre dauert und aus den Spiegelungen unserer Bezugspersonen und gemeinsamen Erfahrungen entsteht.

Da gibt es mich mit meinem Körper und meinem Wesen, beides muss sich kennenlernen und „gezähmt“ werden. Was passiert in meinem Körper wenn ich wütend werde? Wenn ich Angst habe? Wenn ich das Gefühl habe verlassen zu werden? Was passiert in mir wenn ich angeschrien, beschimpft und verlassen werde?

Ein Kind hat noch nicht die Fähigkeit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Es nimmt also alles in sich auf und entwickelt daraus Überzeugungen und Glaubenssätze die tief in unserem Unterbewusstsein wirken und wir nicht einmal wissen, dass es sie gibt, weil wir es eben nicht mehr spüren können.

Wir brauchen also bewusste erwachsene, denen bewusst ist, dass jeder Mensch erst einmal in seinem eigenen Universum existiert und wir uns nur begegnen. Bei Kindern ist es jedoch so, dass sie erst einmal auf meinem oder auf dem Planeten meines Mannes leben, da sie noch keinen eigenen, kein eigenes Fundament haben.

Wir als Eltern sind sozusagen da, damit das Kind die Erfahrung macht, dass es immer und überall in Sicherheit ist, dass es absolut nichts gibt wodurch die Bindung gefärdert werden kann. Du bist mein Kind und egal was du sagst oder tust, es ist ein Ausdruck deiner Emotionen und ist absolut keinen Gefahr für mich. Was jedoch nicht bedeutet, dass alles was mein Kind tut akzeptiert wird sondern wir uns begegnen, Reibung entsteht und wir uns anstatt sich unsere Schutzstrategien begegnen.

Wenn wir jedoch mit Erziehung aufgewachsen sind und es für deine Bezugspersonen normal war, die Bindung zu dir abzubrechen wenn du bestimmte Gefühle oder ein bestimmtes Verhalten gezeigt hast, handelte es sich hierbei für dich um einen Moment in dem es für unser Nervensystem/Gehirn um Leben und Tod ging.

Es fehlte ihnen schlichtweg das Bewusstsein für sich selbst und auch das Bewusstsein für dich und dein Wesen.

Die folgen die daraus entstehen, ist eine tiefer Verunsicherung deiner Wahrnehmung

„Nein, das war gar nicht so“
„Du übertreibst mal wieder“
Ich ignoriere dich.
Ich rede deine Emotionen klein.
Ich bestrafe dich, wenn du nicht entsprechend funktionierst.
Ich gehe dich verbal an.
Ich verlasse dich oder du musst isoliert werden.

Das Kind lebt also in ständiger Gefahr einen Bindungsabbruch zu erleben, wenn es nicht so agiert wie es sich die Eltern wünschen.
Das Kind lebt also ständig in Angst und die Amygdala ist ständig am bewerten, haben meine Eltern Kapazität für meine Wut. Darf ich meine Emotionen zeigen um sie irgendwann regulieren zu lernen oder muss ich diese Anteile weg packen und mich von ihnen abtrennen?
Was kann ich meinen Eltern zumuten und bis deshalb ganz viel am überprüfen was andere Menschen für angebliche Erwartungen an mich haben oder aber ich trenne mich komplett von der Bindung ab und lasse gar niemanden mehr wirklich an mich heran. Lebe immer außerhalb der Bindung, damit ich diesem Gefühl von Beschämung und Isolation nie mehr begegnen muss bringe ich mich selbst in die Isolation und bin letztlich dadurch selbst von mir getrennt um das Bedürfnis nach wahrhaftiger Verbindung nicht mehr spüren zu müssen.

Also ja Einsamkeit war für dich so wie auch für mich eine lange Zeit das Gefühl, das in unserem Leben äußerst präsent war und in der tiefe einem Gefühl von gefangen sein und absoluter Isolation gleichzusetzen ist.

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