Wenn ich nichts ändere, ändert sich rein gar nichts.

Woher kommen all die Überzeugungen?
Woher kommt die Vorstellung was richtig und was falsch sei?
Wie ich zu denken, zu fühlen und mich zu verhalten habe?
Weshalb ich mich für das eine schäme und mich für etwas anderes anerkennend lobe?

Diese Fragen stellen wir uns nicht.
Es ist einfach so wie es ist.
Wie jeder Mensch eben ist und wie wir jeden Menschen akzeptieren und in Ruhe lassen ohne bewusst mit ihm in den Austausch zu gehen.

„Das tut mir weh, wenn du so mit mir sprichst.“
„Das fühlt sich für mich entwertend an.“
„Ich fühle mich einsam, wenn du mich verlässt, weil ich mich dir gerade offenbare.“
„Ich fühle, wie du dich innerlich von mir zurück ziehst. Distanzierst. Wütend wirst.“

Ich bin nicht so, weil ich.
Niemand hat mich gefragt ob ich so werden will.
Niemand hat mich gefragt ob ich all das Leid, welches ich in meinem Körper fühle spüren möchte.
Diese Erschöpfung. Diese Überforderung. Diese ständigen Konflikte mit meinem Mann.

Das alles ist nicht einfach so da.
Das alles ist nicht aus dem nichts entstanden.
Das alles ist da, weil wir zwei Weltkriege in unseren Körpern tragen über die nie jemand sprechen möchte.
Das alles ist da weil Menschen in Situationen gebracht wurden in denen ihnen alles geraubt wurde.
Das alles ist da, weil wir in dieser Zeit das menschlichste in uns verloren haben.

Es war eine Zeit voller Angst.
Voller Misstrauen.
Voller Gewalt und Brutalität.
Voller Ohnmacht.

Männer zogen als Menschen fort und kamen als Tiere zurück.
Frauen wurden über die Zeit durch die eigene innere Härte und Disziplin ebenfalls zu Gebärmaschinen umgerüstet. Für unser Vaterland. Für das neue Deutschland.

Wir geben die Geschichte nicht mehr weiter, indem wir zusehen müssen wie Menschen vor unseren Augen sterben, hingerichtet oder wir sie selbst erschießen müssen.
Wir Frauen brauchen keine Angst mehr davor haben einfach so vergewaltigt oder ausgestoßen zu werden. Wir müssen nicht mehr mit ansehen wie unsere Kinder an Hunger oder Kälte sterben noch müssen wir Dinge bewerkstelligen, für die wir körperlich viel zu schwach sind.

Aber unsere Seelen, sie kamen nicht hinterher.
Unsere Seelen sind es die Hungern.
Unsere Seelen sind es, in denen all das Elend noch steckt.
Es ist der eigene Selbstbetrug den wir jeden Tag, tagtäglich leben und der uns hilft weiterhin die Augen vor etwas zu verschließen das aufgearbeitet werden müsste.

Ich blicke in Augen.
In müde Augen.
In erschöpfte Augen.
Ich sehe niemanden der wirklich in seiner gelebten Kraft steckt.
Der die absolute Verantwortung für sich und sein Handeln übernimmt.
Der in schlechten Zeiten wirklich und wahrhaftig anwesend bleiben kann.
Der fühlt.
Der wütet.
Der trauert.
Der schreit.
Der sich hält.
Der sich selbst umarmt.
Der das Wunder in seinem inneren spürt, mit welchem er oder sie auf diese Welt gekommen ist.

Der mit anderen Menschen ganz genau so wertvoll, wohlwollend und wertschätzend umgeht als wäre dieser ein kostbares, einzigartiges Geschenk.

Wir werten anstatt fragen zu stellen.
Wir gehen auf Distanz weil es sich so bedrohlich für uns anfühlt.
Wir werden komisch weil wir nie gelernt haben mit der Wahrheit umzugehen.

Wenn ich Angst davor habe, der Wut meines Mannes zu begegnen und ihr stand zu halten werde ich die Wut meines Kindes und meiner eigenen nie wirklich gegenübertreten können.
Das ist nicht möglich.

Also nein, das Problem steckt nicht in unseren Kindern.
Wir leben in einer Welt voller unbewusster und traumatisierter Menschen.

So wie mein Mann gestern sagte.
„Es tut weh, es tut weh Isi, wenn mir unser Hund täglich den Spiegel vorhält, wie gemein und verletzend ich bereits zu ihr war. Wie schlimm ich sie aufgrund meiner eigenen Überforderung behandelt habe. Nicht nur sie auch dich. Auch die Kinder.“
Und dann steht er da.
Er steht da mit Tränen in den Augen und dem Bewusstsein, dass es so nicht bleiben muss, auch wenn es gerade im Moment unfassbar weh tut.

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