Transgenerationelle Traumata

„Mama, ich kann nicht mehr“, sagt mein Sohn und schaut mich dabei an. „Ok, dann machen wir eine Pause,“ sage ich zu ihm.

Trauma ist nicht das, was mit einem lauten Knall in unser Leben tritt.

Trauma ist ehr das, was uns ständig das Gefühl gibt:
– nicht genug zu sein
– falsch zu sein
– sich ändern zu müssen

Wir Menschen haben nie gelernt uns selbst wirklich zu begegnen. Unsere Wunden wie einen neugeborenen Säugling zu betrachten. Wir haben nie Erkenntnisse daraus gewonnen, was uns selbst passiert ist und angetan wurde.
Das ist alles ein Gefühl von Selbstverständlichkeit. Darüber wird niemals gesprochen.
Und genau das macht es so unfassbar gefährlich, für uns selbst und für alle Menschen die mit uns zu tun haben.

Dieses Gefühl von Normalität.

Es kann keine Norm geben, weil wir Menschen Emotionen haben.
Weil Emotionen nie logisch reagieren sondern ihre ganz eigenen und individuelle Geschichte haben.

Weil Norm mit Druck, Manipulation und Angst arbeitet.
Weil meistens unglaublich viel Schmerz in uns lebt, dem wir nie einen Namen geben konnten.
Weil wir in einem zerbrechlichen Körper leben und genau deshalb so sehr von Menschen abhängig sind. Zumindest ist das in den ersten Lebensjahren der Fall. Er trägt. Er muss alles tragen über das wir nicht sprechen wollen, weil es weh tun würde.

Nicht wir sind es die auf das Leben reagieren sondern etwas in uns reagiert auf das Leben.

Ich kenne keinen einzigen Menschen der sagt “ äh stop. Moment da muss ich jetzt erst einmal fühlen und kann gerade nicht reagieren. Ich fühle ganz viel Wut in meinem Bauch und mir ist klar, dass das nichts mit dir zu tun hat aber mit so viel Wut sehe ich dich nicht mehr und deshalb brauche ich nun Zeit um mir klar zu werden was hier gerade passiert ist. Bitte nimm es nicht persönlich ich melde mich bei dir.“

Nein unser autonomes Nervensystem reagiert sofort innerhalb von Sekunden. „Das was hier passiert bedeutet Gefahr und nun brauchst du Schutz “ flüstert es dir leise ins Ohr und reagiert ohne, dass es dir bewusst ist was gerade überhaupt passiert und packt alle alten Muster aus, die dir damals geholfen haben zu überleben.

Ein Nervensystem kann nicht unterscheiden zwischen damals und heute und zwischen Kind und erwachsenen Menschen. Gefahr ist Gefahr und bei Gefahr braucht es Schutz.

Aber nicht alle Menschen die dort draußen Leben sind Mama und Papa.

Und nicht alle Menschen wollen, dass du still wirst, dass du deine Gefühle runter schluckst, dass du Magen und Darmbeschwerden, Rückenschmerzen, chronische Erkrankungen oder sonstiges körperliches Leid entwickelst.

Es hat nichts mit dir zu tun sondern mit der langen Geschichte die in deiner Familie manchmal schlummernd und manchmal unglaublich laut zu Wort kommt.

Gefühle und der Zugang zwischen Körper und Seele ist ein sehr verletzlicher Prozess und ich weiß heute noch wie der Beginn meiner Aufarbeitung war. Ich stand da und dachte ok, jetzt bin ich mutig und zeige mich verletzlich und mein Mann konnte damit absolut nichts anfangen und meine kleine Welt zerbrach immer und immer wieder. Sie viel einfach in sich zusammen und ich war ohnmächtig und sauer auf diesen ganzen Mist.

Bis, bis ich an den Moment kam in dem ich endlich verstand, dass mich niemand auf dieser Welt verstehen oder Rücksicht auf mich nehmen muss außer ich selbst. Der Schmerz und der Kampf von einem anderen Menschen gespiegelt zu werden, damit mein innerer Schmerz endlich Anerkennung fand, finde ich in dieser traumatisierten Welt leider nur in mir.

Ich wollte, dass er mich sieht, dass er mich wahrnimmt, dass er seinen Schmerz zur Seite legt und meinem den Raum gibt. Ich erwartete etwas von ihm, was er selbst nie erleben durfte. Genau deshalb zerbrechen so viele Beziehungen, weil wir etwas erwarten und haben wollen was uns der andere niemals schenken kann, wenn wir nicht selbst bereit sind den Weg der eigenen Heilung gehen zu wollen.

Also stand ich eines Abends da und verstand all das. Der Schmerz brach aus mir heraus wie ein Sturm, den man endlich die Erlaubnis gab und die Türen öffnet “ Bitte komm rein! Du stehst schon so lange vor dieser Türe. Trete ein und zerstöre alles was nichts mit Liebe zu tun hat. Bitte du hast meine volle Zustimmung egal wie weh das für mich tun wird. Geh und mach!!!“

Und ich verstand, dass wir alle nicht fühlen. Dass wir alle nicht sehen. Dass wir alle nicht hören. Dass wir alle den Weg der Normalität gehen. Dass wir von klein auf ständig über unsere Grenzen gehen um anerkannt und geliebt zu werden. Um dazuzugehören. Um unsere Eltern glücklich zu machen. Um dem Bild zu entsprechen welches sie sich vor unserer Geburt in ihrem Inneren zurecht gelegt haben oder wir rebellieren. Gegen sie. Gegen eine Gesellschaft. Gegen irgendetwas damit der Schmerz, der eigentlich nur zu uns gehört nicht mehr spüren zu müssen.

Wir geben diesen uralten Schmerz der hunderte von Jahren alt ist immer weiter und weiter wenn wir sagen

„DU“ anstatt „ICH“

Wenn wir immer wieder unsere eigene Verantwortung abgeben wollen.
Ja dann machen wir uns schuldig und das fühlt sich unglaublich eklig an, weil wir uns dessen bewusst sind, was wir da gerade tun aber lieber den Ekel in kauf nehmen, weil uns der eigene Mut fehlt für unsere Kinder eine bessere ehrlichere Welt erschaffen zu wollen!!!!

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