Wenn ich erwachsen wäre….

Wenn ich erwachsen wäre,

dann könnte ich, ausdrücken was ich fühle.
dann könnte ich, das Verhalten zeigen, welches mit meinen Werten übereinstimmt.
dann könnte ich, über meine Schmerz sprechen.
dann könnte ich, anstatt mich bei Fehlern fertig zu machen und mich als ein Missgeschick der Natur zu betrachten, einfach nur in den Arm nehmen.
dann könnte ich sehen, was ich bis jetzt alles geschafft habe ohne mich selbst zu verlieren, zu verleugnen oder aufzugeben.
dann könnte ich sein.

dann könnte ich anderen Menschen zuhören. Sie fühlen und zuhören.
Einfach nur in Würde sein zu dürfen.

Es ist für uns normal und selbstverständlich, dass wir mit Kindern umgehen wie wir es eben tun.
Dass wir sie schimpfen, dass wir sie anbrüllen, dass wir so gemein zu ihnen sind bis sie unter Tränen zusammenbrechen.
Es ist so normal für uns weil wir es selbst so erlebt haben.
Weil es sich anfühlt, als ob das der Weg wäre….

Und je mehr ich all meine Anteil, die damals in Kinderzimmern und Kinderbetten, durch Sanktionen, Beschimpfungen, Erniedrigung und Bestrafung oder ignorieren von Liebe, ganz alleine und einsam durch den Schmerz verloren gegangen sind, zurück hole, wird etwas in mir still. Ruhig. Demütig.

Wir kennen ihn nicht. Den Menschen.
Wir wissen absolut nichts über ihn. Denn der Mensch, den wir kennen, der existiert nur an der Oberfläche. Tief im Inneren, wenn wir uns mit ihm selbst befassen, gibt es da nichts. Da gibt es absolut nichts, weil es eben kein Fundament gibt, auf dem sich der Mensch als Kind hätte entwickeln können.

„Ich habe mich irgendwie verloren“, sagte gestern mein Coachee und ich sagte, „Hm verloren? Dafür hättest du dich finden müssen. Du hast dich aber niemals finden dürfen sondern warst immer nur auf der Flucht vor dir und deiner Geschichte. Bleib stehen. Lausche in dich hinein. Fühle was sich alles aus dir heraus zeigen will.
Die Wut.
Die Angst.
Die Trauer über all die Verletzungen und Unterstellungen die wir erwachsenen glauben in unseren Kindern zu sehen.

Wir leben in einer Gesellschaft die aus Mangel besteht.
Unsere Eltern haben nie Liebe erfahren und genau deshalb glauben sie, dass wir ihnen irgendwas schuldig seien.
Wir sind im Mangel weil unsere Eltern nicht einfach nur für uns da waren und uns Verhaltensweisen und Gedanken unterstellt haben anstatt uns selbst und unser inneres wirklich sehen und fühlen zu wollen.
Unsere Kinder sind im Mangel und Schmerz weil wir sie nicht fühlen können. Verletzen, demütigen, Absichten unterstellen, eben einfach nicht für sie da sein können.
Wir haben Angst was passieren würde, wenn wir uns und unserer Geschichte, deren einziger Sinn darin besteht uns mit uns selbst zu verbinden und in die Selbstwirksamkeit zu bringen, begegnen.

Wenn wir wirklich fühlen, wer wir als Kinder waren?
Was wir gebraucht hätten?
Wie uns gegenüber begegnet wurde und was aus uns geworden ist?

Wenn du bereit bist, all das wieder zum Teil deines Lebens werden zu lassen wirst du sehen, hören, fühlen und mit allem was in dir lebt wahrnehmen, dass unsere Kinder wundervolle Geschöpfe sind. Nicht bedrohlich. Nicht erzogen werden müssen sondern einfach nur Gefühle haben und diese Gefühle eben ausdrücken wollen ohne dass du diese Gefühle auf dich selbst beziehst. Denn mit dir haben sie absolut nichts zu tun. Rein gar nichts. Es sind deine eigenen Themen die auf die Gefühle deines Kindes reagieren. Dein Schmerz der dadurch, zum Schmerz deines Kindes wird.

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