„Ich wollte doch nur dein Bestes“

Im Außen bin ich ein Mensch.
Ein Körper.

Im Inneren fühle ich mich zerbrochen.
Zerstückelt in 1000 Teile.

Das passiert wenn du beginnst dich auf deine Reise zu begeben.
Du begegnest nicht fremden Menschen.
Menschen die dir weh tun oder du genau überlegen solltest was du sagst.

Du begegnest dir.
Immer wieder dir selbst.

Du begegnest deiner Geschichte.
Deiner kindlichen Vorstellungskraft und deinem Glauben.

Viele Menschen kommen zu mir und sagen „Der ist Schuld oder der müsste sich ändern.“

„Damit du was nicht mehr fühlen musst“? frage ich nach.
„Wem in dir willst du nicht begegnen? Was in dir versuchst du zu vermeiden? Was soll so nicht sein und wie sollte es stattdessen sein?“

Ein Kind und auch ein erwachsener Mensch wird versuchen seine ganze ihm zur verfügung stehende Macht zu nutzen, um sein eigenes Weltbild aufrecht zu erhalten um die Grausamkeit die ihm angetan wurde nicht fühlen zu müssen.

Ich schreie meine Kinder nicht an, weil es mir gut geht.
Ich packe sie nicht am Arm, weil ich spüre welchen Schmerz ich ihnen zufüge.
Ich erniedrige und beschäme sie nicht, weil ich ihnen etwas böses will.
Ich reagiere nicht genervt, weil ich sie sehe sondern weil ich nicht mehr kann.

Ich reagiere nicht auf mein Kind.
Ich reagiere nicht auf einen Menschen der vor mir steht sondern auf die unbewussten Reflexe meines Körpers.

„Sei still“
„Lass mich in Ruhe“
„Mach alleine“
„Kannst du nicht mal“
„Warum kommst du schon wieder damit an“
„Regel das alleine“
„Ich habe dazu nichts mehr zu sagen“

Wir Eltern sind mächtige Herrscher über die emotionale Welt unserer Kinder.

Wir übergehen sie.
Wir überschreiten ihre Grenzen.
Wir nehmen sie nicht ernst.
Wir fügen ihnen emotionale und körperliche Gewalt zu.
Wir überfordern sie mit unseren Erwartungen und Wünschen.
Wir verletzen sie und gleichzeitig verbieten wir ihnen diesen Schmerz zu verarbeiten.

Es ist eine natürliche Reaktion auf eine Verletzung mit Wut und Kraft zu reagieren.
Damit hat uns unser Körper ausgestattet um handlungsfähig bleiben zu können.
Mir wurde nach meiner Empfindung unrecht getan und das drückt mein Körper nun aus.

Die Generationen vor mir und auch meine konnten diesen Umgang mit Gefühlen nicht kennenlernen.
Ein Mensch der keine Wut mehr fühlt und zeigt hat als Kind selbst die Erfahrung gemacht oder hat bei einem dritten Menschen beobachten müssen welchen Preis Wut hat. Was Wut anrichten kann. Wie gewaltvoll sie unreflektiert eingesetzt wird. Wie sie einen kleinen Menschen durch Angst und Drohungen zum schweigen bringt.
Wie ein kleiner Körper sich unter der Energie eines erwachsenen Menschen beugt.

So wandert diese Energie, die ein Kind nicht verstehen und schon gar nicht verarbeiten kann in den Körper des kleinen Menschen und beginnt bereits mit ein paar Wochen, Monaten oder Jahren sich selbst zu zerstören.

Wir fragen uns weshalb unsere Körper nichts mehr aushalten?
Warum sie so empfindsam geworden sind.
So zerbrechlich.

Weil wir keine Rüstungen mehr tragen.
Weil Liebe nicht kontrolliert.

Weil es einen sehr großen Unterschied macht mein gegenüber als meinen Leibeigenen zu betrachten, dessen Leben in meiner Macht steht oder ihn als Mensch mit Respekt, Würde und Wohlwollen zu begegnen.

Weil es einen Unterschied macht bei mir zu schauen woher diese Härte und Kälte kommt.
Warum Mitgefühl und Schwäche für mich ein Fremdwort ist und wie das so entstehen konnte?

Ich kann schreien oder in diesem Impulse innehalten und mich fragen was ich hier gerade tue? Was ich vorhabe?
Ich kann mein Kind am Arm packen oder innehalten und mich fragen was ich hier gerade tue? Ob ich mir bewusst bin, dass da ein kleiner Mensch vor mir steht der gerade selbst in Not ist und mich braucht und meine eigene Wut und meine Gewalt hier im Moment vielleicht nicht wirklich angebracht sind?

Hast du vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, dass nicht das Kind und sein Verhalten das Problem ist sondern die Stimmen in unseren Köpfen die pausenlos reden und wir das noch nie hinterfragt haben ob die Recht haben?

Ist das für dich in Ordnung ein Kind einzuschüchtern?
Ist das für dich in Ordnung einem Kind weh zu tun?
Ist das für dich in Ordnung die Seele des Kindes zu zerstören welches zu liebst?

Ja vielleicht sind das Worte die wir nicht hören wollen und vielleicht ist es auch eine sehr krasse Ansicht welche ich hier verfolge aber für unsere Kinder ist sie real und wir nennen es leben!!!

Wie lange es braucht damit die inneren Wunden verheilen kann niemand sagen. Du kannst niemanden unter Druck setzen damit du dich nicht mehr mit dem Gefühl von Schuld und Scham auseinander setzen musst. Dein Kind alleine entscheidet darüber wie lange es braucht bis der dran und Druck in seinem Körper weniger wird und es dir mitteilt „jetzt Mama, jetzt kann ich dir verzeihen.“ und so lange darfst du warten und spüren, was dein Kind alle die Jahre an emotionaler Last für dich tragen musste.

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