Kontaktabbruch, vergessen wir dabei nicht die Kinder?

Kinder trennen sich nicht einfach so von ihren Eltern oder brechen den Kontakt zu ihnen ab. In unserer Gesellschaft ist es, vermutlich auch wegen der religiösen Einstellung eine „Sünde“, sich gegen seine Eltern zu stellen oder den Kontakt abzubrechen. Dann sind es die armen Eltern und die undankbaren Kinder.

„Wie kannst du deinen Eltern nur so etwas antun?“ „Denkst du nicht, du gehst mit ihnen zu hart ins Gericht?“ „Ist das nicht sehr einfach und egoistisch was du hier tust?“

Ich glaube es ist die Angst vor der Wahrheit, vor dem nicht ansehen wollen des eigenen Schmerzes, der eigenen Geschichte die Menschen diese Fragen, diese zum Teil empfundene Entwürdigung aus ihren Mündern mir gegenüber aufkommen lassen. Es ist ihrer Vorstellung der Welt, die ihnen durch ihre Eltern, in ihre Köpfe gepflanzt wurde und die nicht hinterfragt werden darf! Das haben wir gelernt, das ist immer noch das wundervolle Erbe der Nachkriegszeit, der schwarzen Pädagogik.

Überall auf der ganzen Welt sind wir darauf aus, der Vergangenheit auf die Schliche zu kommen. Wo kommt unser Wissen her? Wer hat es zuerst gewusst und wo liegen die Geburtsorte? Knochen werden säuberlich und mit viel Achtsamkeit aus der Erde geholt und in Museen, für die wir Geld bezahlen, ausgestellt….

Aber unsere eigene Geschichte sollen wir ruhen lassen. „Bohr doch nicht so viel herum!“ „Hör endlich auf nachzufragen!“ „Warum tust du uns all diesen Schmerz an?“

Weil nichts einfach so verschwindet. Weil nichts einfach so heilen kann. Weil aus dem nichts noch nie etwas entstanden ist.

Ja meine armen Eltern, meine arme Mutter und meine armen Kinder, die ihre Oma nicht sehen dürfen.

Und wer fragt nach mir? Wer erkundigt sich darüber was meine Beweggründe waren, den Kontakt abzubrechen. Dem Schmerz zu begegnen der in mir hoch kam….immer und immer wieder? Der so intensiv ist, dass es mich fast das Leben gekostet hat?

Ich dachte immer ich bin schwach, weil ich nicht funktioniere wie die Meisten hier in unserer Gesellschaft. Weil ich fühle, alles fühle. Ich habe die Bulimie, die PTBS, die Depressionen und die sozialen Phobien überstanden. Ich sage bewusst DIE, weil es für mich selbstverständlich war, dass ich dies nun einmal bekomme. Weil ich anders bin, weil ich selbst an diesen Erkrankungen Schuld sei und da war niemand aus der Familie, der sich einmal darüber den Kopf zerbrochen hätte, warum ausgerechnet die eigene Tochter so psychisch krank wird.

Ich habe ALLES überstanden und mich ins Leben zurück gekämpft. Aus eigener Motivation, aus eigener Kraft, aus der Liebe zum Leben und nun darf ich diesen Krankheiten danken, ich darf mir danken. Für meine Stärke. Für den Glauben an mich selbst.

Ich tue dies aus dem Bewusstsein heraus, dass sich etwas in dieser Welt ändern muss, damit eine Änderung geschehen kann und diese beginnt zu aller Erst einmal bei mir oder sagen wir in der knallharten Ehrlichkeit zu mir selbst.

Diese Reise, dieser Weg der Heilung ist nichts für Menschen die einen bequemen Weg haben und nicht denken oder nicht fühlen wollen. Er kostet Kraft und unendlich viel Mut aber er bringt unbeschreiblich viel Lebendigkeit, Liebe für mich und meinen Körper, er schenkt mir Kraft, mich auf das zu fokussieren was ich wirklich, wirklich will, was mir alles bedeutet und schenkt mir die Liebe zum Leben, für das Leben.

Ich wurde und werde immer noch mehrmals geboren durch meine Angst gelange ich in die Freiheit und genau dieser Prozess ist es mir alle mal Wert, für die Liebe zu mir selbst den Kontakt mit den Menschen abzubrechen die das Wunder, das ich nun einmal bin niemals sehen können. Da sie sich selbst weder hören, noch sehen, noch fühlen können. Und ja sie sind unschuldig und dennoch tragen sie alleine das Glück für ihr Leben.

Ich dachte lange Zeit, ich müsste kämpfen, ich müsste alles tun um uns allen die Augen zu öffnen. Heute weiß ich, dass der Schmerz und die Aufarbeitung der Geschichte jedem Menschen selbst überlassen ist und überlassen bleibt. Der Eine erkennt das Geschenk, das darin verborgen liegt und der Andere zerbricht daran an sich selbst. Das ist die Macht der Eigenverantwortung. Es ist Fluch und Segen zugleich. Wenn ich dies möchte, wenn ich mich dafür entscheide, wenn ich es will.

Bei solch einem Drama, wie einer Trennung gibt es immer zwei Seiten die angehört werden sollten und das Bewusstsein, dass die eigene Angst immer unbewusst mitschwingt. Dennoch die Verantwortung für eine gelungene Eltern Kind Beziehung tragen IMMER die ELTERN und nie die Kinder. Wenn dein Kind dich also „enttäuscht“ frage dich wie stark deine „bedingte Liebe“ zu ihm ist!

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