Warum uns die Loyalität zu unseren Eltern blind macht.

Wir lieben unsere Eltern.

Wir lieben sie, weil wir von ihrer Liebe abhängig sind.

Weil wir ohne diese Liebe nicht überleben könnten.

Weil sie für uns einfach alles bedeuten.

Und genau deshalb beschützen wir sie. Wir beschützen sie mehr als uns.

Nur, unsere Eltern haben Narben, tief sitzende Narben. Blinde Flecken, die es ihnen kaum ermöglichen dich und dein wundervolles Wesen zu sehen.

Du bemühst dich. Du gibst dein Bestes, immer und überall. Du willst es richtig machen, so richtig gut. „Schau Mama, schau was für ein zauberhafter Mensch ich bin. Bitte bitte sage und zeige mir das durch dich, durch deine Augen, durch deine Worte und Umarmungen“ siehst du mich? Kannst du mich sehen?

Wir hoffen. Denn nur die Hoffnung auf ein „besseres Leben“ hält uns am Glauben daran fest, dass es irgendwann einmal eintreffen wird „ das bessere Leben“. Dann sind sie weg, die Gefühle der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, der Minderwertigkeit, der Demütigung „nicht reichen zu können, nicht gut genug zu sein, einfach nicht gesehen zu werden…..denn du meine liebste Mama bist in meinen Augen perfekt und dich lieber Papa will ich stolz machen. Ich will euch genügen.“ steht in meinen Augen geschrieben und genau deshalb übernehme ich die Rolle des Kindes, dass all eure Last trägt, damit ihr später vielleicht einmal stolz sein werdet. Glücklich und stolz, auf das was ich für euch übernommen oder auf mich genommen habe.

Da steht sie nun also wieder diese kindliche Hoffnung, die dich selbst als Erwachsener nicht verlassen wird und wir sind nicht mehr umgeben von Glück und Liebe und Leichtigkeit und Freude sondern im tiefsten Untergrund des Krieges. Des Krieges mit uns selbst, weil wir „leider“ nicht mit der Persönlichkeit geboren wurden, welche sich unsere Eltern, unsere Mutter so sehr gewünscht hätte.

Ja es gibt Menschen die schaffen es, die schaffen es die Demütigung zu ertragen, die Schläge auszuhalten, diese emotionale Kälte und Angst zu überleben und weiter zu machen….bis der Körper irgendwann einmal unter der Last der Psyche, die das ausbalancieren muss, was nicht gesehen werden darf zusammenbricht oder andere in der Psychiatrie landen.

Du denkst, du hattest Glück weil du nicht zu diesen Menschen gehörst und dann frage ich dich, wie glücklich bist du? Wie glücklich bist du mit deinem Partner, deinen Kindern? Wie glücklich im Beruf und wie zufrieden mit dir und deinem Leben? Na fällt dir etwas auf? Gehörst du nun vielleicht doch irgendwie zu dieser Gruppe indirekt dazu?

Wir sind so loyal gegenüber diesen Menschen, dass wir uns selbst opfern und das von Generation zu Generation. Da sind emotionaler und körperlicher Missbrauch ok, da sind Demütigungen ok, da ist Liebesentzug und Bestrafung jeglicher Art ok, da lösen sich Versprechungen in Luft auf, da zählt das Außen und dessen Wirkung mehr als die seelische Unversehrtheit des eigenen Kindes.

Und wir nehmen es hin, weil es sind unsere Eltern. Unsere großen Helden und ja in Filmen wird am Ende alles gut. Nur ist das Leben kein Film und es kann leider sehr grausam sein und Sätze wie „Ich hab dich lieb, du bist mir so wichtig, ich bin unendlich glücklich, dass es dich gibt?“ hohle Phrasen, weil sie nicht mehr sind als nur Worte die man mal so unbedacht ausspricht.

Ein Kind weiß nichts von Traumata und auch nichts über dessen Wirkung und transgenerationelle Weitergabe. Es weiß nur, dass wenn es die Liebe nicht erfährt ganz einfach nicht liebenswert ist. „Du bist es nicht Wert….ganz einfach nicht Wert mein geliebtes Kind.“

Wir geben es weiter immer weiter, weil wir nicht fühlen was wir hier tun. Weil es uns nicht bewusst ist und ja, weil ja auch jetzt noch die Hoffnung besteht, vielleicht in den letzten Tagen des Lebens die Worte zu hören „wie schön, dass es dich gibt. Ich bin stolz auf dich. Es tut mir leid, für all die Jahre in denen ich dich nicht sehen konnte. Danke für all das was du für mich getan hast.“

Aber das wird nicht kommen. Das ist eine Illusion und sie stirbt erst, wenn der Körper unter der Erde begraben liegt und du vielleicht loslassen kannst oder musst.

Und bis dahin vergehen viele Jahre, viele Jahre in denen all die Energie, die eigentlich in deine Kinder fließen sollte, in das Trauma der Beziehung zu deinen Eltern fließt. In das was du dir von Herzen wünschst und nicht bekommen wirst und dann bricht alles zusammen. Deshalb sind Beerdigungen auf der emotionalen Ebene auch so schlimm. Denn es geht nicht um den Menschen, der da liegt, den du kaum bis gar nicht gekannt hast sondern um dich und deinen unerfüllten Wunsch nach Liebe.

Familien sind, so empfinde ich es, nichts anderes als ein Schlachtfeld, auf dem bewusst oder unbewusst das ausagiert werden kann was unsere Gesellschaft nicht sehen und akzeptieren will. Was tabu ist und deshalb verschwiegen wird, denn außerhalb sind wir toll, perfekt, stehen zusammen. Damit der Schein aufrecht erhalten bleibt, denn darum geht es doch oder? Der Schein muss gewahrt werden! Immer!

Und so lange wir schweigen und uns schuldig fühlen oder sagen wir besser „absolut nichts fühlen“ weil wir gute Menschen, was auch immer wir darunter definieren wollen, verstehen, tun wir nichts anderes als das weiter zu geben, was wir selbst erlitten haben.

Ich schaue hin. Ich fühle hin. Ich will es sehen, in der Hoffnung es nicht an meine Kinder weiter gegeben zu haben.

Denn das eine lebte in die Zukunft hinein und wird weiter tragen, an dem was in diesem Rucksack hinterlassen wird und das Andere, in das so viel Energie gesteckt wird, vergeht, stirbt, löst sich auf.

Das ist das Leben und so nehmen die Dinge immer unbewusst ihren Lauf, wenn wir einfach nur zuschauen. Unbeteiligt. In sicherer Distanz. Sehe ich dich, vielleicht, ein kleines Bisschen?

Das heißt, um etwas in deinem Leben ändern zu können, musst du das erst einmal akzeptieren und wirken lassen.

Danach können die Schritte der Heilung gegangen werden.

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