Erinnerungen an die wir uns kaum noch erinnern können.

Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir ein Bild, ein inneres Bild von uns selbst. Wer wir als Mensch sind, wie wir sein wollen und wir auf gar keinen Fall sein möchten. Wir haben Normen, Werte und Verhaltensweisen aus unserem Elternhaus übernommen. Daraus was ihnen wichtig war, was sie als einen guten Menschen sehen, was sie anerkennen, schätzen, wie sie mit Konflikten und Gefühlen umgehen und genau das ist Prägung und genau das alles steckt in dir.

Entweder übernehmen wir als erwachsene eins zu eins diese ganzen Prägungen und geben sie an unsere Kinder weiter, weil wir eine schöne Kindheit hatten, weil wir unsere Eltern lieben, weil wir unverbunden sind um dieses Bild aufrecht zu erhalten. Oder wir machen genau das Gegenteil. Wir wollen nie so werden aber haben keine Ahnung wie wir da raus kommen und letzten Endes erwachen wir und stellen fest das selbe Verhalten, das einen als Kind so verletzt hat, unbewusst übernommen zu haben, da dieser Sog so stark ist.

Wir kommen definitiv nicht drum herum uns mit uns selbst und unseren Erfahrungen, die wir erlebt haben, auseinander zu setzen. Dadurch folgt der Weg aus dem Kopf hinaus in unseren Körper, ins Fühlen, in die Geschichte die unser Körper über uns erzählt nicht unser Kopf. Dann sind es nicht nur schöne Geschichten, dann war es doch nicht eine so perfekte Kindheit und dann spüren wir den Schmerz, die Traurigkeit, die Unverbundenheit mit uns selbst.

Unsere Psyche ist ziemlich schlau. Sie will uns schützen. Unser Unterbewusstsein will uns vor der Überforderung an eigenen Emotionen schützen. Deshalb können wir auch nur Stück für Stück, wie bei einer Zwiebel, die Haut langsam entfernen bis wir am eigentlichen Kern an unserem Selbst ankommen. Als Kind konnten wir aufgrund der fehlenden Selbstregulation und der nicht vorhandenen Kompensationsstrategien nicht anders als zu verdrängen, abzuspalten, uns als das eigentliche Problem zu erkennen. Wir waren abhängig von den großen erwachsenen, weil sie unser Überleben gesichert haben. Laut Traumatologen wären wir erst in einem Alter von „drei Jahren“ soweit in diese Welt geboren zu werden und so lange müssten wir diese Zeit im Mutterleib verbringen. In der Geborgenheit allumfassend versorgt und getragen zu werden. Die symbiotische Verbindung zwischen Mutter und Kind.

Dein Kind ist perfekt, so wahnsinnig perfekt. Jedem Kind dem ich begegnet hinterlässt in mir, in meinem Inneren, ein Staunen. Jedes sieht die Welt aufgrund seiner Prägungen, seiner Erfahrungen die es erlebt hat ein kleines Stück anders. Vor jedem von diesen kleinen Wesen liegt ein eigenes Schicksal, eine eigene Geschichte die wir weder kennen noch groß beeinflussen können.

Wir ziehen und zerren. Wir manipulieren und hoffen es möge irgendetwas bringen. Wir tun und tun und tun. “ Was ich alles bereits für dich getan habe…. Was du alles willst…… Jetzt reicht es aber mal…… Was nur aus dir mal werden soll……..Ich weiß was für dich gut ist….“ Und nun frage ich dich, beim lesen dieser Sätze um wen geht es hier wirklich? Um was geht es hier? Um dein Kind? Um sein Glück? Um sein Leben? Um seine Gefühle? Darum, dass ihr euch gegenseitig an nährt und euch die Zeit gebt euch kennen zu lernen? Können wir einen Menschen überhaupt kennenlernen wenn wir ihn nicht sehen können? Wenn wir ihn nicht hören? Wenn wir ihn nicht wahrnehmen?

Wem also begegnen wir die ganze Zeit. Genau uns selbst. Unseren Vorstellungen. Unseren Erwartungen. Unserer Prägung. Unserer Angst. Unserer Unverbundenheit. Unserem Misstrauen uns und der Welt gegenüber. Weil wir tief in uns gebrochene kleine Menschenwesen sind, die niemand sehen, niemand verstehen, niemand lieben wollte und weil ich das alles nicht sehen will kann ich dich auch nicht sehen. Egal wie sehr ich mich auch anstrengen werde, ich werde dich mein alles geliebte Kind nicht sehen, weil ich dich erziehen muss, anstatt dich sein lassen zu können, anstatt dir zu vertrauen, anstatt dich mit wohlwollen zu begleiten und dich in deiner Ganzheit wie ein kleines Bäumchen beim wachsen zu begleiten.

Nein ich will keine Äste kappen oder verbiegen. Ich will dich ganz sein lassen, dich beim wachsen beobachten.

Ich schaffe es immer mehr in der Gegenwart zu landen. Dadurch können wir uns sehen, begegnen, halten, uns aneinander erfreuen. Du nimmst mich mit in deine Welt. In eine Welt die ich einst kannte. Die voll war von Magie und Zauberei, in der ich absolut alles erschaffen konnte. In der eins kein Schmerz, keine Angst gab sondern meist nur Fantasie, tiefes Mitgefühle mit allen Tieren und der Welt. Ich spüre wie schwer es mir fällt mich auf diese neue, alte und doch so bekannte Welt einzulassen. Aber ich sehe den Glanz in euren Augen, die Lebendigkeit die euren Körper flutet, das Glück, das Lachen wenn wir bereit sind eure Welt zu unserer werden zu lassen. Dann ist da Liebe so viel Liebe, dass ich anfange zu weinen. Dass mal wieder ein ganzes Gedankenkonstrukt in meinem Inneren zusammen bricht und ich einfach nur fühle, dass ihr nichts braucht als liebende Begleiter die sich ihrer Selbst bewusst sind und Zeit um im Hier und Jetzt zu verweilen.

Ihr verzaubert mich, jeden Tag, jeden einzelnen Tag wird aus meinem Leben eine Reise und jeden Abend bin ich erschöpft. Erschöpft von den Gefühlen die ihr in mir hervorruft. Mit denen ich mich dann wieder auseinandersetzen muss weil ich sie nicht auf euch projizieren will. Da ist Angst und Ohnmacht, Schmerz und Traurigkeit weil ich nicht mehr kontrollieren will sondern vertrauen möchte. Weil da eure Angst ist, eure Wut, euer Schmerz, eure Traurigkeit die ich halten darf ohne zu bewerten.

Einer meiner großen Wünsche, wäre einmal, nur einen einzigen Tag als Mensch verbringen zu können der dieses Urvertrauen in sich trägt. Der eine sichere Bindung erfahren hat. Der an das Gute im Menschen glaubt, vertraut und aus ganzem Herzen liebt.

Also die alles entscheidende Frage ist:

„Welches Menschenbild lebt in dir?“

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