Handlungsalternativen: anstatt die Vergangenheit zur eigenen Zukunft werden zu lassen.

Was meine ich damit, wenn ich immer wieder davon spreche, dass wir fähig sind uns Handlungsalternativen anzueignen wenn wir Bewusstsein-/Traumaarbeit leisten.

Wir alle tragen seelische Narben in uns. Auch wenn wir sie jetzt noch nicht fühlen können, sind sie dennoch da. Aus jeder Narbe heraus, aus jeder Erfahrung ziehen wir als Kind Rückschlüsse, weil dies nun einmal unsere Welt mit unserem Erleben war und wir keine Alternativen zur Verfügung hatten als uns an dem Verhalten unserer Eltern oder unserer nahen Bezugspersonen zu orientieren.

Besonders in traumatischen Situationen in denen unheimlich viel Stress im Körper komprimiert wird, brennt sich diese Erfahrung extra tief in unser Gehirn und Nervensystem ein. Das was wir dort erleben prägt uns, wenn wir uns nicht auf die eigene Reise zu uns selbst machen, für immer.

Das sind die Verhaltensweisen die wir uns nicht erklären können. Die total diffus und nicht nachvollziehbar sind weshalb wir gerade so reagieren, denken oder sich unser Körper anfühlt, wie er sich nun einmal anfühlt.

Es gibt Menschen die müssen unheimlich viel kontrollieren, weil dann die Dinge vorhersehbar werden und sie daraus für sich Sicherheit gewinnen auch wenn sie dabei den Partner/in monoton unterdrücken.

Es gibt Menschen die sofort wütend werden und mit Worten nur so um sich werfen, damit ihnen ja niemand zu nahe kommt, weil darunter eine tief sitzende Angst liegt erneut verletzt zu werden und bevor du mich verletzt, zeige ich dir lieber gleich wie stark ich bin indem ich dich abwerte. Dann tut es am Ende nicht so weh.

Es gibt Menschen die sich sofort unterwerfen und anbiedern. Dann ist hoffentlich sofort alles wieder gut und ich bekomme Sicherheit indem ich mich an dem orientiere was der Andere von mir möchte.

Es gibt Menschen die sofort flüchten, weil sie gar nicht wissen wie sie mit all dem was in ihrem Inneren wach gerufen wird umgehen sollen oder es gibt Menschen die verstummen. Die die Sprache verlieren oder welche die Mauern und bewusst oder auch weniger bewusst, gar nichts mehr sagen usw.

Es gibt so viele Möglichkeiten wie wir als Kinder mit frühem Schmerz umgehen können und konnten. (kompensieren)

Genau dieses Systeme sind bis heute aktiv und haben nichts mit einem erwachsenen Menschen oder mit Bewusstsein zu tun. Das alles sind Automatismen.

Solange ein Gefühl präsent wird und dieses uns steuert, sind wir getriggert und dadurch nicht in der Lage uns ein anderes Verhalten zu überlegen.

Schauen wir nun einem auf unser Nervensystem und dessen Auswirkungen.

Wir haben den präfrontalen Cortex, der jüngste Teil unseres Gehirns, in dem unser Wissen, unsere Werte, unsere Impulskontrolle, also unser Bewusstsein sitzt. Geraten wir unter Stress suchen wir erst einmal Bindung oder co-Regulation, ist kein weiterer Mensch vorhanden und findet dies nicht statt ist dieser Teil der erste der sich verabschiedet.

Der sympathische Teil unseres Nervensystems wird aktiviert, der für den freeze, Kampf oder Fluchtmodus verantwortlich ist.

Sind wir dort ebenso nicht wirksam oder haben keine Möglichkeit uns damit in Sicherheit zu bringen, wird der letzte und älteste Teil aktiviert. Denn in der Nähe der Wirbelsäule sitzt das Stammhirn. Welches rein für unser Überleben sorgt. Hierbei geht es darum alles abzuschalten um zu überleben und lebendig aus der Situation fliehen zu können.

Das ganze Wissen benötigen wir um uns unser Verhalten in stressigen Momenten erklären zu können. Denn nur dann, wenn wir uns unser eigenes Verhalten erklären und die Not dahinter fühlen, können wir etwas ändern.

Dann sind wir nicht dumm, zu schwach oder „wollen nichts verändern“sondern unser Nervensystem und seine autonomen Reaktionen sind noch zu stark um bewusst darauf Einfluss nehmen zu können.

Deshalb, alles was du fühlst ergibt Sinn und hat seine Geschichte aber eben nicht in der Gegenwart, sondern in den nicht verarbeiteten Momenten aus der Vergangenheit heraus, die dein gegenwärtiges Leben bis heute beeinflussen.

Du bist ok.

Mit dir stimmt alles.

Lasse dich von dir selbst inspirieren und faszinieren, wie eine liebevolle Freundin oder ein Freund, der sagt „ah spannend, weshalb werde ich nun so wütend? Was an der Situation hat mir gerade Angst gemacht?“ anstatt sich darüber aufzuregen oder die Keule raus zu holen.

Sei wohlwollend mit dir selbst.

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